Katrin Stickel

„Man spart sich dreiundfünfzig Minuten pro Woche“

Katrin Stickel

Jugendliche und ihr Umgang mit Zeit

„Man spart sich dreiundfünfzig Minuten pro Woche …“ „Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten? „Man macht damit, was man will. Diese Antwort erhält der kleine Prinz in einem Gespräch mit einem Händler, der Durst stillende Pillen zur Zeitersparnis verkauft. Auch für unsere Schülerinnen und Schüler spielt das Thema Zeit eine immer größer werdende Rolle. Doch wie gehen sie damit um? Wie nehmen sie Zeit wahr? Die folgenden Überlegungen und der darauf basierende Unterrichtsvorschlag wollen genau diese Fragen thematisieren.

Sätze wie „Ich habe keine Zeit oder „Ach, das hat doch noch Zeit hören wir tagtäglich. Doch meist werden diese unreflektiert einfach so daher gesagt. Dabei ist der Begriff Zeit etwas sehr Abstraktes und verbirgt verschiedenste Bedeutungsebenen in sich: Zeit als eine Aufeinanderfolge der Augenblicke, Stunden, Tage, Wochen, Jahre; Zeit als Uhrzeit, aber auch Zeit als ein ganz bestimmter Augenblick oder als eine Zeitspanne, wie zum Beispiel die Schulzeit.
Wovon sprechen wir also genau, wenn wir Sätze äußern wie „Ich habe keine Zeit? Sprechen wir davon, dass wir gerade Stress haben oder meinen wir unsere gesamte (begrenzte) Lebenszeit damit? Ist es uns bewusst, wie viel Interpretationsspielraum dieser Satz zulässt? Vermutlich nicht. Vielleicht ist uns auch nicht bewusst, dass Zeit etwas mit „mentalem Raum zu tun hat, in dem man eine andere, neue Lebensgestaltung überhaupt erst finden kann. Gerade in der heutigen Zeit (einer Zeit des Klimawandels, der wirtschaftlichen Ausbeutung usw.) scheint es immer wichtiger zu werden, sich diesen mentalen Raum, diese AusZEIT, zu nehmen.
Im Neuen Testament wird der mentale Raum theologisch gedacht: Es gibt den besonderen Zeitpunkt, den „Kairos, in dem überraschende Handlungen und Entscheidungen möglich sind, weil Gott sie von seiner Seite aus ermöglicht. Wir können diesen Kairos nutzen oder verstreichen lassen. Das macht die Achtsamkeit gegenüber dem Augenblick so wichtig.
Kohelets Motiv „Alles hat seine Zeit …“ kann man pessimistisch verstehen: „Es kommt alles wie es kommen muss …“. Im Zusammenhang mit der Vorstellung vom mentalen Raum und dem Kairos kann man aus Kohelets Motiv allerdings auch einen anderen Aspekt betonen: Das Bewusstsein, dass die Zeit begrenzt ist. Diese Begrenzung macht die Frage, wie wir unsere Zeit verbringen, dringlich und wichtig. Dabei geht es nicht nur um Aktionismus, sondern um das bewusste „Da-Sein, das die Wahrnehmung des Augenblicks schärfen kann.
Die Kompetenzorientierung dieses Unterrichtsvorschlags zeigt sich darin, dass die Schülerinnen und Schüler ihren eigenen Umgang mit Zeit reflektieren lernen sollen. Durch das Arbeiten mit Texten und Bildern zum Thema „Zeit soll die Wahrnehmungskompetenz der Schülerinnen und Schüler für den Umgang mit der eigenen Zeit geschärft werden. Sie sollen darüber hinaus sensibel werden für den Umgang anderer Jugendlicher mit deren Zeit.
Unterrichtsbausteine
Baustein 1: Wie verbringe ich meinen Tag?
Baustein 1: Wie verbringe ich meinen Tag? 10 Min
Was Zeit für Jugendliche bedeutet und wie sie diese wahrnehmen, kann in einem ersten spielerischen Zugriff erfolgen: Wie sieht ein Tagesablauf der SuS aus?
Einstieg/Erarbeitung
Die Lehrkraft teilt den SuS das Bild einer Uhr ohne Zeiger aus, die mit kleinen Strichen für jede fünf Minuten versehen ist. Solch ein Bild ist im Internet zu finden oder die Lehrkraft zeichnet die Uhr einfach selbst. Die SuS zeichnen ihren Tagesablauf in die Uhr ein. Die Stunden, die sie schlafen, können weggelassen werden.
Ergebnissicherung und Überleitung (Plenum)
Die beschrifteten Uhren der SuS werden im Plenum besprochen. Dabei wird sich zeigen, dass viele Jugendliche scheinbar viel Zeit mit dem Handy oder Ähnlichem verbringen. Andere haben zeitaufwändige Hobbies. Fast alle würden sich wünschen, jeden Tag etwas mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Was würden wir mit...

Friedrich+ Religion

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Fakten zum Artikel
aus: Entwurf Nr. 4 / 2019

Zeit

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-8