Franziska Birke/Andreas Lutter

Differenzierung im Wirtschafts- und Politikunterricht

In kooperativen Arbeitsformen (z.B. Gruppenarbeit) profitieren Lernende unterschiedlicher Leistungsniveaus vom gegenseitigen Austausch.
In kooperativen Arbeitsformen (z.B. Gruppenarbeit) profitieren Lernende unterschiedlicher Leistungsniveaus vom gegenseitigen Austausch., © Robert Kneschke/stock.adobe.com

Franziska Birke/Andreas Lutter

Allgemein zielen Maßnahmen der Individualisierung und Differenzierung auf einen produktiven Umgang mit unterrichtlich relevanten Merkmalen subjektiver Heterogenität in einer Lerngruppe. Subjektive Heterogenität bezeichnet die Vielfalt unterschiedlicher Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler, wie beispielsweise hinsichtlich individueller Merkmale (Leistungsfähigkeit oder motivationaler Dispositionen) oder struktureller Bedingungen (wie beispielsweise der Herkunft oder dem sozioökonomischen Status). Fachdidaktisch bedeutsam sind darüber hinaus individuelle sowie kollektive Vorstellungen über die politische und ökonomische Realität.
Wie können die unterschiedlichen Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler nun produktiv für den Unterricht genutzt werden? Im Vordergrund steht die Frage nach geeigneten Strategien und Verfahren der Berücksichtigung von unterschiedlichen Vorstellungen, Lerntypen, Erfahrungen oder Interessen der Lernenden. Durch eine erfolgreiche Individualisierung und Differenzierung soll die subjektive Dimension ökonomischen Lernens für die Initiierung von Lernprozessen fruchtbar gemacht werden. Dabei lassen sich Differenzierungsstrategien bezüglich des Ziels der Differenzierung, dem Merkmal, nach dem differenziert wird, der gewählten Unterrichtsform und der Ebene, auf der differenziert wird, wie beispielsweise die Ebene der Aufgaben, unterscheiden.
Im Basisbeitrag strukturiert Christoph Kühberger solche grundlegenden Aspekte der Differenzierung und stellt sie in den Kontext des Wirtschafts- und Politikunterrichts. Dabei werden die Potenziale, aber auch Herausforderungen von Differenzierungsstrategien für die sozialwissenschaftliche Bildung ersichtlich. Die Beiträge in dem vorliegenden Heft verknüpfen jeweils mehrere dieser Aspekte der Differenzierung zu Unterrichtsvorschlägen.
Heterogene mathematische Fähigkeiten von Lernenden stehen im Mittelpunkt des Beitrags von Franziska Birke und Annette Kern. Mathematische Zugänge zum Wirtschaftsunterricht flankieren den Erwerb spezifisch ökonomischer Denkweisen und dienen der Anbahnung von Fähigkeiten des Denkens in Modellen. Gleichzeitig können sie auch als Lernhürde in Erscheinung treten. Im Vordergrund des Beitrages steht die spezifische Förderung von Schülerinnen und Schülern bei heterogenen mathematischen Lernausgangslagen, indem am Beispiel von Preisbildung bei Wettbewerb gezeigt wird, wie man dies mit und ohne Zuhilfenahme des Preis-Mengen-Diagrammes unterrichten kann.
In ihrem Beitrag zum Jugendkonsum knüpft Anna Tepe an heterogene Konsumgewohnheiten der Schülerinnen und Schüler an und macht ein aktuelles und gesamtgesellschaftlich relevantes „Konsumdilemma zum Ausgangspunkt einer differenzierenden Betrachtung ausgewählter Aspekte des Jugendkonsums. Im Spannungsfeld von knappen finanziellen Mitteln, milieubedingten Einflüssen und gesellschaftlichen Trends entwickeln und reflektieren die Schülerinnen und Schüler Herausforderungen nachhaltigen Konsums aus ihrer Perspektive. Mit Hilfe einer Videodokumentation reflektieren sie abschließend heterogene Konsumstile.
Hinsichtlich der Komplexität von fachlichen Anforderungen des Fachunterrichts im gesellschafts- und sozialwissenschaftlichen Bereich entwickeln sprachliche Herausforderungen im Spannungsfeld zwischen Alltags- und Fachsprache unterrichtliche Relevanz. Zentrale fachwissenschaftliche Begriffe werden mit unterschiedlichen fachlichen Bedeutungen versehen und ihre Verwendung steht zumeist in einem spezifischen auch unterrichtlich-situativen Kontext. Julian Wollmann leistet in seinem Unterrichtsmodell einen Beitrag zur sprachlichen Differenzierung am Beispiel des Kernbegriffs „Gerechtigkeit. Durch sprachlich unterstützende Materialien wird den Schülerinnen und Schülern die Erschließung und Reflexion verschiedener Bedeutungen von Gerechtigkeit ermöglicht.
Im Beitrag von Lisa Laur, Ewald Mittelstädt und Claudia Wiepcke wird...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 2 / 2018

Differenzierung

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