Bernd Remmele, Sybille Schick

Das kann man doch noch essen!

Bild 1: Im Zweifel verboten: Wer in Deutschland Lebensmittel aus dem Müllcontainer nimmt, macht sich strafbar.
Bild 1: Im Zweifel verboten: Wer in Deutschland Lebensmittel aus dem Müllcontainer nimmt, macht sich strafbar., © istock.com/GROGL

Bernd Remmele, Sybille Schick

Foodsharing, Bändern und Containern im eigentumsrechtlichen Kontext

Sharing als Konzept des Teilens von Gütern zielt unter anderem darauf, diese effizienter zu nutzen und damit der allgegenwärtigen Verschwendung von Ressourcen zumindest etwas beizukommen. Sharing ist insofern ein in der Regel gesellschaftlich akzeptiertes, wenn nicht sogar erwünschtes Verhalten.
Sharing und Eigentumsrechte
Sharing betrifft dabei gerade auch vor dem Hintergrund, dass die Sozialbindung von Eigentum im Grundgesetz festgeschrieben ist auch immer die Eigentumsfrage als zentrale politökonomische Kategorie.
Die Frage, wer welche Eigentumsrechte an welchem Gut besitzt und ob bzw. wie der Eigentümer einzelner Rechte anderen die (Mit-)Nutzung erlaubt oder verbietet, kann in verschiedenen Fällen zu erheblichen rechtlichen Konflikten führen.
Diese Problematik wird insbesondere dann deutlich, wenn ein Eigentümer sein Recht zum Ge- oder Verbrauch eines Gutes gar nicht mehr nutzen will, es also buchstäblich auf den Müll wirft, indem er sich von einem bestimmten Gut trennt, und sich andere dieses Recht teilweise gegen dessen Willen aneignen wollen. An solchen Phänomenen des Sharings lässt sich somit auch der im Eigentumsbegriff angelegte Konflikt zwischen privater Verfügung und diese irgendwie begrenzender sozialer Verantwortung, hier: Ressourcenschonung, aufzeigen.
Entsprechende Sharing-Phänomene finden sich insbesondere im schülernahen Feld der Lebensmittelverschwendung, also bei reinen Verbrauchsgütern.
Was tun gegen Verschwendung?
Als „Aufreger-Thema ging Lebensmittelverschwendung in den letzten Jahren wiederholt durch die Medien. Gesellschaftliche Bedeutung hat es auch durch die 2019 beschlossene Nationale Strategie zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung „Zu gut für die Tonne erlangt, die zum Ziel hat, die Menge der weggeworfenen Lebensmittel bis 2030 um die Hälfte zu reduzieren.
In dieser Unterrichtseinheit soll das Thema an drei Beispielen, die jeweils unterschiedlichen normativen Kontexten zuzuordnen sind, entfaltet werden:
  • Foodsharing als intendiertes Teilen: öffentlich zugänglich aufbewahrte Lebensmittel, die man sich einfach nehmen kann;
  • Bändern als rechtliche Grauzone: der Verzehr von Essensresten in Kantinen oder Mensen, wofür sich die Aktivisten halbvolle Tabletts von den Rückholbändern nehmen (daher „Bändern);
  • Containern als Rechtsbruch: das „Herausnehmen von noch essbaren Lebensmitteln aus den Abfallcontainern von Supermärkten.
Die Beispiele sind so angelegt, dass von den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Bewertungen zu erwarten sind.
Didaktische Überlegungen
Ziel der Einheit ist es, die Schülerinnen und Schüler in die Lage zu versetzen, die besondere Problematik des „Teilens von Verbrauchsgütern im Verhältnis zu Gebrauchsgütern erläutern zu können. Vor dem Hintergrund des Wegwerfens bzw. nichtintendierten Teilens von Lebensmitteln sollen sie rechtliche und ethische Grenzen des Sharing- und des Eigentumsbegriffs diskutieren können.
Zum Einstieg sollen sich die Schülerinnen und Schüler überlegen, wofür sie persönlich bereit wären, um Verschwendung zu vermeiden: Wann wird es dem eigenen Empfinden nach, trotz allem sozialen Mehrwert, einfach zu eklig oder zu anstrengend?
Ebenso können die Lernenden ihre Einschätzung hinsichtlich Sinnhaftigkeit (z.B. vermeidet Müll; gegen Verschwendung von Ressourcen etc.) und Legalität (Diebstahl oder nicht?) angeben. Für die ersten beiden Beispiele, Foodsharing und Bändern, kann auch gefragt werden, ob sie selbst Essbares auf diese Art und Weise bereitstellen würden.
Eine bewährte Methode, um zu einem ersten Stimmungsbild zu gelangen, kann hier die Abfrage mittels „Ampelkarten (Karteikarten in Grün, Rot und Gelb) sein: Die Fragen der Lehrkraft werden beantwortet, indem die Lernenden je nach ihrer persönlichen Meinung die entsprechende Karte hochhalten (grün = würde ich machen, rot =...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 2 / 2020

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