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Zahlender Bürger – funktionierender Staat?

Abb.1: Viele Lernende wissen gar nicht, dass Steuern erst gezahlt werden müssen, wenn die „Nullzone“ überschritten ist, d.h. ein bestimmter Mindestbetrag verdient wurde.
Abb.1: Viele Lernende wissen gar nicht, dass Steuern erst gezahlt werden müssen, wenn die „Nullzone“ überschritten ist, d.h. ein bestimmter Mindestbetrag verdient wurde., Abb.1: © iStock.com/Thaishutter_2528

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Die Aufgaben von Steuern in Deutschland

Welche Aufgaben haben Steuern? Der vorliegende Unterrichtsbeitrag will inhaltlich und methodisch, durch Lehrervortrag und Stationenlernen, die Aufgaben von Steuern vermitteln.
Generell ist zwischen indirekten Steuern, die im Preis für eine Ware oder Dienstleistung enthalten sind (z.B. Umsatzsteuer, Energiesteuer, Tabaksteuer) und direkten Steuern zu unterscheiden, die bei den Steuerzahlern direkt erhoben werden (z.B. Lohn- und Einkommensteuer).
Steuern dienen der Finanzierung des Staatshaushaltes. Mit den Steuereinnahmen werden in der Regel die staatlichen Aufgaben, wie die Kosten für die innere und äußere Sicherheit, für Bildung oder für Soziales, bezahlt. Gleichzeitig haben Steuern auch eine Lenkungswirkung, d.h., mit höheren Steuern verteuert sich der Preis und die Nachfrage geht bei Gütern und Dienstleistungen (zumindest in der Theorie bei entsprechender Elastizität) zurück. Und Steuern haben außerdem eine Umverteilungswirkung: Existenzgefährdende Armut wird durch staatliche Transferzahlungen vermieden. Die dafür notwendigen Finanzmittel erhält der Staat durch die Besteuerung derer, die konsumieren und/oder höhere Einkommen haben.
Steuern sollen die Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen berücksichtigen. Als Progression bezeichnet man das Ansteigen des Steuersatzes mit steigendem Einkommen. Besserverdienende mit höheren Einkommen sollen durch die Progression der Einkommensteuer stärker zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen als Personen mit einem niedrigeren Einkommen. Zwei weitere Begriffe sind in diesem Zusammenhang zu unterscheiden: der Durchschnittssteuersatz und der Grenzsteuersatz im Zusammenhang mit der Bemessungsgrundlage. Der Grenzsteuersatz wird erst nach der Nullzone (Einkommen, in denen keine Steuern erhoben werden) auf eine definierte Einkommenshöhe angewendet. Er gibt also nicht die prozentuale Steuerbelastung des Einkommens des Steuerpflichtigen an. Wie viel Steuern der Steuerpflichtige auf sein Einkommen zahlt, wird durch den Durchschnittssteuersatz angegeben.
Methodisch-didaktische Überlegungen
Der Unterrichtsentwurf tangiert in der Regel die Anforderungsbereiche I (Reproduktion) und II (Reorganisation und Transfer). Der Anforderungsbereich III (Reflexion und Problemlösung) wird durch die Thematisierung der Lenkungssteuer tangiert.
Ziel der Unterrichtseinheit ist es, dass die Schülerinnen und Schüler die drei Aufgaben der Steuern in Deutschland (Haushaltsfinanzierung, Lenkung und Umverteilung) nennen und beschreiben können. Außerdem sollen sie die Wirkungsweise der Lenkungs- und Umverteilungsfunktion von Steuern wiedergeben, erläutern und beurteilen können.
Die Finanzierungsaufgabe der Steuern wird am Beispiel des Bundeshaushaltes verdeutlicht. Die Schülerinnen und Schüler können die fünf Hauptsteuereinnahmen und die fünf Hauptausgaben des Bundeshaushaltes nennen und erläutern. Dazu dürfen sie auch das digitale Tool www.bundeshaushalt.de und später zur Bestimmung der Steuerhöhe für konkret genannte Einkommen den Steuerrechner des Bundesministeriums für Finanzen, https://www.bmf-steuerrechner.de, nutzen. Die Lernenden können außerdem die Begriffe Durchschnitts- und Grenzsteuersatz voneinander abgrenzen und dieses Wissen in Diagrammform wiedergeben sowie die Wirkungsweise einer Lenkungssteuer am Beispiel einer Zuckersteuer darstellen, analysieren und bewerten.
Das Material im Unterricht
Durch Lehrervortrag und Lehrer-Schüler-Gespräch wird in die Haushalts-, Steuern und Abgabensysthematik eingeführt. Zur Vorbereitung kann die Lehrkraft das Material M1 nutzen, das wesentliche Informationen zur Thematik zusammenfasst. Der lehrerzentrierte Unterricht am Anfang der Einheit sorgt dafür, dass die Lernenden sich inhaltlich orientieren können (obwohl diese in Sek. I vermutlich bereits über begrenztes anknüpfungsfähiges Erfahrungswissen verfügen).
In der zweiten Phase des Unterrichtes steht die...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 4 / 2020

Steuern

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