Stefan Grohs-Müller

Vom Wert des Geldes

Was kostet wann wie viel?
Was kostet wann wie viel? , © rupbilder/stock.adobe.com

Stefan Grohs-Müller/Gottfried Kögler

Didaktische Einführung in die Phänomene „Inflation und „Deflation

Die Stabilität des Preisniveaus gehört weltweit zu den zentralen Zielsetzungen der Wirtschaftspolitik. Für die Eurozone definiert die Europäische Zentralbank Preisniveaustabilität durch eine Teuerungsrate von „unter aber nahe 2 %: „unter 2% wegen der schädlichen Wirkungen einer unkontrollierten inflationären Entwicklung, „nahe 2 % wegen der nur schwer beherrschbaren volkswirtschaftlichen Folgen einer deflationären Abwärtsspirale.
Besonders in Deutschland haben die Erfahrungen mit der Hyperinflation nach dem Ersten Weltkrieg, die massive Geldentwertung in den Jahren 1945 bis 1948 und die starken Erhöhungen der Rohölpreise in den Jahren 1973 und 1979/80 (Ölpreisschocks) dazu geführt, dass die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen in Deutschland dem Ziel der Geldwertstabilität bzw. dem Erhalt der Kaufkraft der Währung höchste Priorität einräumen.
Aus diesen Gründen verfolgt auch die Europäische Zentralbank (EZB) das vorrangige Ziel gemäß dem Vertrag von Maastricht die Geldwertstabilität innerhalb der Eurozone abzusichern. Dieses Ziel diente der EZB auch als wichtigste Entscheidungsgrundlage für viele in den letzten Jahren getroffene bzw. auch höchst aktuelle geldpolitische Maßnahmen. So versucht die EZB seit März 2015 mithilfe der schrittweisen Senkung der Leitzinsen (bis auf 0 %) und dem mengenmäßig gigantischen Ankaufprogramm von Staats- und Unternehmensanleihen (= Quantitative Easing) dieses vorrangige Ziel zu erreichen. Nicht wenige Ökonomen und politische Verantwortungsträger beurteilen diese Geldpolitik der EZB aus unterschiedlichsten Gründen kritisch.
Schülerinnen und Schüler benötigen umfassende ökonomische Kompetenzen, um die vielfältigen Herausforderungen in ihrer Lebenswelt positiv bewältigen zu können. Anhand des Themenfeldes „Inflation und Deflation kann in exemplarischer Weise sehr anschaulich vermittelt werden, in welchen aktuellen oder zukünftigen Bereichen bzw. in welcher Form „Veränderungen des Geldwertes die Welt der Schülerinnen und Schüler tangieren könn(t)en.
Der Beitrag selbst versucht, zentrale Aspekte des Themenfeldes „Inflation und Deflation in kurz gefasster Form mithilfe von vier Arbeitsblättern zu vermitteln. Die einzelnen Arbeitsblätter wurden in der Unterrichtspraxis mehr-fach erprobt und sind auch unabhängig voneinander einsetzbar.
Das Material im Unterricht
Mithilfe von Arbeitsblatt 1 wird vorweg eine vereinfachte Erklärung des Begriffes „Inflation vorgestellt. Anhand der Grafik bzw. Tabelle sollen die Fragen „Wie erfolgt die Messung von Preissteigerungen? bzw. „Was bedeutet Kaufkraft des Geldes? erstmalig angesprochen werden. Selbstverständlich bieten sich auch z.B. folgende erprobte Einstiegsvarianten an:
  • Banknoten (im Original) aus den Zeiten der Hyperinflation in Deutschland
  • diverse Grafiken bzw. Karikaturen
  • literarische Texte, die sich auf das Phänomen „Inflation beziehen (z.B. „Der schwarze Obelisk von Erich Maria Remarque)
Auf Arbeitsblatt 2 wird in stark gekürzter Form die Berechnung des Verbraucherpreisindex (VPI) vorgestellt.
Arbeitsblatt 3 zeigt überblicksartig die vielschichtigen und unterschiedlichen Auswirkungen von Inflation auf einzelne Personengruppen bzw. Wirtschaftsbereiche.
Arbeitsblatt 4 gibt einen ersten Einblick in die Gefahren deflatorischer Entwicklungen.
ErwartungshorIzont
ErwartungshorIzont
AB 1: Laufen uns die Preise davon?
Aufgabe 1
a) Die Verbraucherpreise aller Positionen des Warenkorbes stiegen im Jahre 2016 um 0,5 Prozent.
b) Durchschnittliche Inflationsrate der Jahre 1992 2001: 2,24 Prozent;
Durchschnittliche Inflationsrate der Jahre 2002 2016: 1,38 Prozent.
c) Auswirkungen der Wiedervereinigung: Das ausgeprägte Konsumbedürfnis der 16 Millionen DDR-Bürgerinnen und -Bürger führte zu einem Nachfrageschub > starker Anstieg der Inflationsrate.
Aufg...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 3 / 2017

Geld und Geldpolitik

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