Karl-Josef Burkard/Michael Koch

Strukturwandel

Die Fabrikarbeit der Zukunft setzt auf intelligente und vernetzte Maschinen. Schon heute erledigen Roboter viele Arbeiten, die früher nur mit massiver Muskelkraft zu bewerkstelligen waren.
Die Fabrikarbeit der Zukunft setzt auf intelligente und vernetzte Maschinen. Schon heute erledigen Roboter viele Arbeiten, die früher nur mit massiver Muskelkraft zu bewerkstelligen waren., © imago/Westend61

Karl-Josef Burkard/Michael Koch

Eine fachliche Einführung und fachdidaktische Verortung

Schon der Dichter Heinrich Heine stellte fest: „Nichts ist beständiger als der Wandel. Der historische Blick auf das Wirtschaftsgeschehen verdeutlicht schnell, dass die Art und Weise, wie Menschen arbeiten, produzieren, handeln oder konsumieren, stetigen Veränderungsprozessen unterworfen ist. Im digitalen Zeitalter verkürzen sich diese Entwicklungszyklen kontinuierlich und eröffnen allen Akteuren im nationalen wie globalen Wirtschaftsgeschehen neue Handlungsmöglichkeiten, stellen sie aber auch vor neue Herausforderungen.
Basisinnovationen als Ausgangspunkte
Die Ausgangspunkte langfristiger Wandlungsprozesse waren stets Erfindungen mit bahnbrechendem Charakter, sogenannte Basisinnovationen. In ihrer Folge kam es zu Wachstumsschüben und Umwälzungen der wirtschaftlichen Strukturen mit Auswirkungen in allen Lebensbereichen. Dem Gedanken des russischen Wirtschaftswissenschaftlers Nikolaji Kondratieff folgend, lassen sich diese Prozesse in Wellenform darstellen (Abb. 1 ). Der dort dargestellte Wellenkamm stellt den Höhepunkt einer solchen Entwicklungsperiode dar.
Zu den Basisinnovationen zählen beispielsweise die Erfindung der Dampfmaschine, der Eisenbahn, die Verbreitung der Elektrifizierung oder der grenzüberschreitenden Mobilität dank Automobil und Eisenbahn. Derzeit dominiert die Digitalisierung in all ihren Facetten bis hin zum Einsatz künstlicher Intelligenz die Entwicklung. Aber auch die Prozesse im Bereich der Gentechnologie und im medizinischen Bereich haben das Potenzial, langbestehende Strukturen zu verändern.
Sektoraler und intrasektoraler Strukturwandel
Traditionell wird der Begriff Strukturwandel genutzt, um längerfristige Verschiebungen in der sektoralen Wirtschaftsstruktur als Folge unterschiedlich starken Wachstums der einzelnen Wirtschaftszweige darzustellen. Der sektorale Strukturwandel wird dabei üblicherweise anhand der Veränderungen in den prozentualen Anteilen (Sektoranteilen) der Wirtschaftszweige am Nationaleinkommen oder an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen beschrieben.
Sektoraler Wandel
Seit Ende des 19. Jahrhunderts ist eine zunehmende Verschiebung vom primären Sektor der Urproduktion (Landwirtschaft/Fischerei) hin zum sekundären Produktions- und insbesondere tertiären Dienstleistungssektor (einschl. Handel und Verkehr), der seit Mitte des 20. Jahrhunderts stark an Bedeutung gewinnt, zu verzeichnen (Abb. 2 ).
Entsprechend der sogenannten „Drei-Sektoren-Hypothese (Fourastié 1954) dominieren auf einem niedrigen Entwicklungsstand eines Landes der primäre, auf fortgeschrittenem Entwicklungsstand der sekundäre und auf hohem Entwicklungsniveau der tertiäre Sektor. Dabei gilt die Annahme, dass im primären und sekundären Sektor aufgrund des technischen Fortschritts anders als im tertiären Sektor immer weniger Arbeitskräfte benötigt werden. Durch elektronische Datenverarbeitung und moderne Kommunikationstechniken kommt es aber anders als von Fourastié erwartet zu erheblichen Produktivitätszuwächsen bei vielen Dienstleistungsproduktionen.
Interessant sind in diesem Zusammenhang Untersuchungen zu den Bezugs- und Absatzverflechtungen zwischen den Wirtschaftsbereichen. Diese zeigen, dass das verarbeitende Gewerbe ein wichtiger Nachfrager nach Dienstleistungen ist, jedoch auch Vorleistungsverflechtungen in die umgekehrte Richtung bestehen. Allerdings sind die Impulse, die von der Dienstleistungsproduktion auf das verarbeitende Gewerbe ausgehen, geringer. Eine eindimensionale Beurteilung der Triebfedern des wirtschaftlichen Wachstums allein auf der Basis der Wirtschaftsstruktur einer Volkswirtschaft greift demnach zu kurz (Eickelpasch 2014, 5).
Ursachen für sektoralen Wandel
Stellt man die Frage nach den zentralen Ursachen des sektoralen Wandels, so lassen sich, neben den o.g. Basisinnovationen, insbesondere die folgenden Faktoren benennen (nach Klodt 2018):
  • ...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 1 / 2019

Strukturwandel

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