Carsten Hinz, Robert Löffler

Haushaltsbuch 2.0

Abb. 1: Was nehme ich ein, was gebe ich aus? Das Haushaltsbuch hilft dabei, nicht den Überblick zu verlieren.
Abb. 1: Was nehme ich ein, was gebe ich aus? Das Haushaltsbuch hilft dabei, nicht den Überblick zu verlieren., © iStock.com/denozy

Carsten Hinz, Robert Löffler

Ein traditionelles Hilfsmittel bewährt sich auch im 21. Jahrhundert

Im Alter zwischen 12 19 Jahren besitzen 97 % der Jugendlichen in Deutschland ein Smartphone (vgl. JIM-Studie 2018, S. 8).
Kaum noch vorstellbar scheint im Jahr 2020 der Gedanke, den Jugendlichen ein klassisches Haushaltsbuch als geeignetes Mittel zur Ausgaben- und Einnahmenplanung und damit auch zur Überschuldungsprävention ans Herz zu legen.
Wir leben doch nicht im Mittelalter!
Bereits in der Antike kannte man die Bedeutung des Haushaltsbuches. Es galt als Hilfsmittel, Einnahmen, Ausgaben und Inventar im Blick zu behalten. Dieses Hilfsmittel bot die Möglichkeit den Fortbestand der Familie als Teil des Oikos (vgl. Herz, 2009) zu sichern und sie vor dem Ruin zu bewahren. Erste Schriften hierzu finden sich bei Hesiod (700 v. Chr.) und Aristoteles (384 v. Chr.).
Im weiteren Verlauf der Geschichte blieb das Bilanzieren von verfügbaren Mitteln lebensnotwendig (vgl. Richarz, 1997), z.B. in der vorindustriellen Gesellschaft, die durch niedrige und stark schwankende Ernteerträge geprägt war. Treffend zusammengefasst durch ein Sprichwort der damaligen Zeit: „Wer da will mehr verzehren, denn sein Pflug kann ernähren, der wird zuletzt verderben oder gar am Galgen sterben (o. A.). Stets einen Überblick über die finanzielle und materielle Lage des eigenen Haushaltes zu haben und schnell auf zu erwartende Engpässe reagieren zu können ist ein Vorteil, den Familien schätzen, weshalb sie auch noch im 21. Jahrhundert auf das Haushaltsbuch als Kontrollinstrument setzen.
Zwischen Selbstbestimmung und Selbstverantwortung
Die Gründung des eigenen Haushalts die langersehnte Selbstbestimmung ist der erste große Schritt in die Unabhängigkeit vom Elternhaus. Diese bringt für die jungen Erwachsenen jedoch meist finanzielle Einschränkungen mit sich, die im schlimmsten Fall in einer Überschuldung enden können (vgl. Statistisches Bundesamt 2019).
Ein einfacher und wesentlicher Schritt, eine unwirtschaftliche Haushaltsführung aufzuzeigen bzw. frühzeitig zu erkennen und zu unterbinden, ist das Gegenüberstellen von Einnahmen und Ausgaben.
Im Unterricht ist das Haushaltsbuch als (Hilfs-)Instrument weit verbreitet. Durch das Gegenüberstellen von Einnahmen und Ausgaben soll den Lernenden verdeutlicht werden, dass das „Auskommen mit dem Einkommen eine zentrale Rolle innerhalb der Privathaushalte spielt.
Lernenden der Sek. I sollten verstärkt Aufgaben bereitgestellt werden, die ihre komplexe Lebenswirklichkeit abbilden und das Treffen von reflektierten Entscheidungen erforderlich machen. Diese Art von Aufgaben leisten u. a. einen wichtigen Beitrag zum Erwerb mathematischer Basiskompetenzen, die Voraussetzung für einen erfolgreichen Start in das Berufsleben (vgl. Drueke-Noe et al., 2011) und damit zur aktiven Teilhabe am gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Leben sind. Es wird deutlich, dass eine aktive Auseinandersetzung mit den Einkommens- und Ausgabearten im Rahmen des (Wirtschafts-)Unterrichts der Sek. I eine zentrale Rolle spielt, dieses Themenfeld aber auch von anderen Unterrichtsfächern bearbeitet wird.
Die Haushaltswissenschaft stellt u.a. die Bedeutung von Haushaltsführungskompetenzen zur Armutsprävention in prekären Haushalten heraus und fordert eine intensivere Unterstützung beim Erwerb haushälterischer Handlungskompetenzen bei Schülerinnen und Schülern (vgl. Kettschau, 2010). Die hier vorgeschlagene Unterrichtsidee für die Sek. I stellt zudem durch die Verwendung eines digitalen Haushaltsbuchs einen Bezug zum Themenfeld Digitalisierung her.
Das Material im Unterricht
In M1 gründet der junge Berufseinsteiger Tom seinen ersten eigenen Haushalt. Durch dieses lebensweltnahe Beispiel soll das Interesse der Lernenden geweckt und die Relevanz einer angemessenen zukünftigen Haushaltsführung verdeutlicht werden. In den Aufgaben 1 und 2 geht es zunächst um eine Analyse von Toms...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 3 / 2020

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