Benedikt Fehr

Geld und Geldpolitik

Im Euroraum liegt die Verantwortung für die Geldpolitik seit 1999 beim Eurosystem, das von der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken der Euro-Länder gebildet wird.
Im Euroraum liegt die Verantwortung für die Geldpolitik seit 1999 beim Eurosystem, das von der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken der Euro-Länder gebildet wird., © picture-alliance/Ulrich Baumgarten

Benedikt Fehr/Moritz Schneemann

„Die Phönizier haben das Geld erfunden aber warum so wenig? diese Frage aus der Feder des österreichischen Dichters Johannes Nestroy bewegt so oder so ähnlich vermutlich die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens. Einfacher zu beantworten (und darauf möchten wir uns hier beschränken) erscheinen da die grundlegenden Fragen: Was ist Geld? Und warum benutzen wir es?
Die Funktion macht das Geld, nicht die Form
Viele Menschen werden auf die Frage „Was ist Geld? antworten: Banknoten, Münzen und Kontoguthaben. Holt man etwas weiter aus, dann lautet die Antwort: Geld ist alles das, was die Funktionen des Geldes erfüllt. Hierbei sind es drei Eigenschaften, auf die es beim Geld ankommt. Es muss allgemein akzeptiertes Tausch- bzw. Zahlungsmittel sein, es muss als Recheneinheit dienen und es soll seinen Wert im Zeitablauf weitgehend behalten und somit als „Wertspeicher geeignet sein (s. Tabelle).
Da Geld über seine Funktionen definiert wird, sind ganz unterschiedliche Dinge geeignet, als Geld zu fungieren. In einigen Gegenden der Welt wurden früher zum Beispiel Kaurischnecken als Geld verwendet, anderswo Felle oder Salze. Bei konkreten Gegenständen als Geld spricht man von Warengeld. Seit jeher werden auch edle Metalle an erster Stelle Gold als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel sowie als Recheneinheit genutzt. Das Geld jedoch, welches wir heute in Form von Banknoten und Münzen bei uns tragen, hat mit Warengeld nichts mehr zu tun. Auch die mittelbare Koppelung an Goldbestände gibt es nicht mehr, seit 1971 die Goldbindung des US-Dollars aufgehoben wurde. Heutige Banknoten sind somit zunächst einmal lediglich bedrucktes Papier.
Dieses „ungedeckte Geld wird in funktionierenden Wirtschaftsordnungen für Zahlungen akzeptiert, solange die Bevölkerung Vertrauen darin hat, mit dem empfangenen Geld selbst auch wieder Dinge kaufen zu können. Das Vertrauen der Menschen in Kaufkraft und Werthaltigkeit des umlaufenden Geldes ist somit Dreh- und Angelpunkt einer funktionierenden Währung. In Kurzform: Geld ist Vertrauenssache. Dieses Vertrauen ist zentral, es kann jedoch nicht als gegeben vorausgesetzt werden. Stattdessen muss es erarbeitet und aufrechterhalten werden. Vor diesem Hintergrund sind stabilitätsorientierte und möglichst unabhängig agierende Zentralbanken wichtige Institutionen, um das nötige Vertrauen zu stiften und auf Dauer zu bewahren.
Von untergeordneter Bedeutung ist hingegen, dass das Bargeld oft auch gesetzliches Zahlungsmittel ist, für das in juristischer Betrachtung eine Annahmepflicht besteht. Denn die Erfahrung lehrt, dass es in Zeiten sehr rascher Geldentwertung stets zu Ausweichreaktionen in der Bevölkerung kommt. Die Menschen versuchen dann, das heimische Inflationsgeld durch andere, stabilere Zahlungs- und Wertaufbewahrungsmittel zu ersetzen, um der Inflation möglichst zu entkommen. Dies zeigt, dass juristische Vorgaben die allgemeine Akzeptanz des Geldes nicht zu sichern vermögen.
Warum nutzen wir Geld?
Warum benutzen wir eigentlich Geld? Um diese Frage zu beantworten, muss man sich vor Augen führen, dass entwickelte Volkswirtschaften ein hohes Maß an Arbeitsteilung aufweisen. Der Bäcker backt Brot, der Autohersteller produziert Fahrzeuge. Diese Spezialisierung kann jedoch nur dann funktionieren, wenn sich jeder Beteiligte im Gegenzug leicht diejenigen Dinge und Dienstleistungen beschaffen kann, die er zwar benötigt, jedoch nicht selbst herstellt. An dieser Stelle kommt das Geld ins Spiel: Geld erleichtert den wechselseitigen Güteraustausch ungemein, da es das allgemein akzeptierte Tausch- bzw. Zahlungsmittel ist. Man tauscht Waren gegen Geld und anschließend wieder Geld gegen Waren. Arbeitsteilung, Geld und hohe volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit bedingen also einander.
Geld zum Anfassen und „stoffloses Geld
Heute haben wir es mit Geld in zwei Erscheinungsformen zu tun: zum einen jenes konkret zum Anfassen (Bargeld), zum...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 3 / 2017

Geld und Geldpolitik

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