Michael Koch/Bernd Remmele

Sport im Politik- und Wirtschaftsunterricht

Sport ist Wettkampf und Spiel gleichermaßen und weist gerade durch seinen kompetitiven Charakter immer wieder Ähnlichkeiten zum wirtschaftlichen Wettbewerb auf. Eine Hürde überwinden, einen Meilenstein vor Augen haben oder als Erster ein Ziel erreichen – dieses Denken ist sprichwörtlich für beide gesellschaftlichen Felder wichtig.
Sport ist Wettkampf und Spiel gleichermaßen und weist gerade durch seinen kompetitiven Charakter immer wieder Ähnlichkeiten zum wirtschaftlichen Wettbewerb auf. Eine Hürde überwinden, einen Meilenstein vor Augen haben oder als Erster ein Ziel erreichen – dieses Denken ist sprichwörtlich für beide gesellschaftlichen Felder wichtig., © Pincasso/Shutterstock.com

Michael Koch/Bernd Remmele

Die gesellschaftliche Bedeutung des Sports ist kaum zu überschätzen und tritt insbesondere in Zeiten von sportlichen Großereignissen wie einer Fußballweltmeisterschaft deutlich zutage. So war die WM 2018 ein Anlass für die Wahl des vorliegenden Heftthemas. Selbstverständlich geht es in den einzelnen Beiträgen also mitunter um Fußball und um die Weltmeisterschaft, aber die Ausrichtung der Ausgabe ist insgesamt allgemeinerer Natur. Sport erschließt eine Vielzahl an unterrichtlich relevanten Themen, die im Rahmen eines Heftes natürlich nicht alle angesprochen werden können. Als grundlegendes Feld menschlicher Betätigung öffnet er didaktisch gut nutzbare Anschlussstellen für weiter hinausgehende Themen und Problematiken.
Bei Sport und Wirtschaft leuchtet dies gerade vor dem Hintergrund der 2018 stattfindenden Olympischen Winterspiele und Fußballweltmeisterschaft sofort ein. Die Kommerzialisierungsprozesse auf verschiedenen Ebenen treten immer wieder in Konflikt mit dem spielerischen, sozialen oder gesundheitlichen Charakter des Sports. Gleichzeitig weist der Sport, da er häufig in kompetitiver Weise betrieben wird, große Ähnlichkeiten mit dem wirtschaftlichen Wettbewerb auf. Welches Unternehmen besetzt schneller neue Märkte? Wer kann sich eine längere Durststrecke leisten? Wo beginnt der Wettbewerb unfair zu werden? Solche Themen lassen die sich auch spieltheoretisch formalisieren.
Im Hinblick auf Politik und Sport bietet der Einstieg über Sport ebenfalls passende Möglichkeiten, relevante Einsichten zu vermitteln. So lässt sich hier an den politischen Meinungswettbewerb denken. Wichtig erscheint aber auch die Frage nach der fairen und dauerhaften Organisation von Konflikten. Auf dem Bolzplatz gelingt es zumeist, ohne Schiedsrichter adäquate Regeln umzusetzen. Im Profibereich sehen wir dagegen mit dem in der Bundesligasaison 2017/18 eingeführten Videobeweis eine viel diskutierte Ausweitung der formalisierten Schiedsrichterorganisation. Interessanterweise findet dies alles ohne staatliches Hinzutun statt, denn die Sportverbände haben ihre eigene unabhängige Gerichtsbarkeit.
Die Beiträge und Materialien dieses Heftes machen die ökonomischen und politischen Aspekte des Sports zum Gegenstand unterrichtspraktischer Auseinandersetzung. Sie nutzen die sportlichen Phänomene exemplarisch zur Veranschaulichung und Vermittlung grundlegender ökonomischer und politischer Prozesse und Strukturen. Die Beiträge fokussieren dabei auf unterschiedliche Aspekte. Zwei Beiträge nutzen die Sportthematik, um naheliegende spieltheoretisch-formalisierte Konzepte zu veranschaulichen. Vier Beiträge richten ihren Blick vorrangig auf die am Sportgedanken nagende Problematik der Kommerzialisierung.
Der Basisartikel fokussiert auf zentrale Probleme der Kommerzialisierung des Sports. So zeigen insbesondere die großen Fußballligen, dass die Verteilung der gemeinsamen Einnahmen eine komplexe Aufgabe darstellt, da hier u.a. Vermarktungsinteressen und Fairnessaspekte in Konflikt geraten. Die einzelnen Clubs schwanken in der Frage, wie sie mit ihren Fans umgehen sollen, zwischen einem Anhänger- und einem Kundenmodell. Der Beitrag analysiert diese Spannung sowohl in Hinsicht aktiven wie auch passiven Sportkonsums.
Markus Allbauer und Frank-Michael Henn erschließen eines der im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft 2018 heiß diskutierten Themen: Korruption im Fußball. Im Zentrum der Einheit steht ein Experiment zur Korruptionsproblematik. Mit Hilfe unabhängig von der anstehenden Weltmeisterschaft nutzbaren Materialien zielt dieses Experiment darauf ab, die mögliche Komplexität der Beziehung zwischen einem Bestechenden und einem Bestochenen transparent zu machen. Allbauer und Henn führen dabei auch in einfache formale Mittel der Spieltheorie ein.
Vivian Conrad nutzt den im Sport beheimateten Wettbewerbscharakter dazu, dieses schülernahe Feld zur Vermittlung des immer wieder auf Verständnisschwierigkeiten...
Unterricht Wirtschaft + Politik
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 1 / 2018

Sport

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