Markus Allbauer / Frank-Michael Henn

Korruption im Fußball

Material 6: Der Entscheidungsbaum – es bietet sich an, diese Grafik als Folie vorzubereiten.
Material 6: Der Entscheidungsbaum – es bietet sich an, diese Grafik als Folie vorzubereiten., © Markus Allbauer/Frank-Michael Henn

Markus Allbauer / Frank-Michael Henn

Die Auswirkungen intransparenter Entscheidungssysteme in hochkommerzialisierten Sportarten am Beispiel der Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften

Der wirtschaftliche Erfolg einer Fußball-Weltmeisterschaft ist insbesondere für die FIFA enorm: Der Weltfußballverband gab seinen Gewinn aus der Ausrichtung dieses sportlichen Großereignisses im Jahre 2014 in Brasilien mit fast 3,3 Milliarden Euro an. Diese Summe überwies die FIFA so wie sie es sich stets vom Ausrichterland zusichern lässt steuerfrei in die Schweiz, dem Sitz des Verbandes. Abzüglich der Prämien für angegliederte Verbände und teilnehmende Mannschaften verblieben der FIFA schließlich noch rund 1,6 Milliarden Euro.
Neben der FIFA versprechen sich vor allem die ausrichtenden Länder einen gehörigen Anteil an diesem lukrativen Wettbewerb. Doch spielt für die Bewerber nicht nur die Aussicht auf wirtschaftliche Vorteile eine entscheidende Rolle: Ein reibungsloser Ablauf, neugebaute Stadien und eine meist besonders hervorgehobene Gastfreundschaft versprechen internationale Anerkennung und Prestige. So ist es nicht verwunderlich, dass sich eine Vielzahl mehr oder weniger geeigneter Bewerber für eine Austragung findet.
Kata(r)strophale Ergebnisse?
Die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 wird durch das Emirat Katar ausgetragen, ein ausgesprochen kontrovers diskutiertes Ergebnis des Vergabeverfahrens: Erstmalig wird der wohl wichtigste fußballerische Wettkampf nicht traditionell im Sommer ausgerichtet, sondern vom 21. November bis einschließlich 18. Dezember 2022 stattfinden. Das Emirat Katar nicht als große Fußballnation bekannt, aktuell als Nummer 97 der FIFA-Weltrangliste und somit drei Plätze hinter den Färöern gelistet wird vollkommen neue Stadien errichten, die vollklimatisiert sein werden, da andernfalls die Temperaturen für Spieler und Zuschauer kaum zu ertragen wären.
Die Abstimmung über den Ausrichter findet innerhalb des FIFA-Exekutivkomitees statt, in das vor allem Funktionäre der Kontinentalverbände entsandt werden. Es stellt sich die Frage, ob dieses Ergebnis tatsächlich im Sinne der Nationalverbände zustande kam, oder ob nicht verborgene Interessen hinter dieser augenscheinlich zumindest überraschenden Entscheidung stehen. Ein Korruptionsverdacht im Vergabeverfahren stellt dabei kein Novum dar, so sind beispielsweise die Anzeichen von Korruption hinsichtlich der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 an Deutschland recht deutlich: In der entscheidenden Abstimmung handelte ein Funktionär entgegen der klaren Anweisung des von ihm vertretenden Kontinentalverbandes.
Korruption als ökonomisch-gesellschaftliches Problem
Aber nicht nur im Sport beschreibt Korruption ein aktuelles Problemfeld. Im Kern kann korruptes Verhalten, beispielsweise in Form von Bestechung, als ökonomischer Tauschprozess beschrieben werden: Ein Akteur geht in Erwartung einer Gegenleistung in Vorleistung, indem er ein Bestechungsgeld bezahlt. Von Korruption profitieren im Kern vor allem die beteiligten Akteure – auf Kosten Dritter.
Die Nicht-Regierungs-Organisation „Transparency International definiert Korruption als: „Corruption is the abuse of entrusted power for private gain. It can be classified as grand, petty and political, depending on the amounts of money lost and the sector where it occurs. (www.transparency.org)
Unter Korruption versteht man also den Missbrauch übertragener Macht für einen eigenen Vorteil: Der Bestochene führt eine Handlung aus (oder unterlässt eine Handlung, obwohl er eingreifen müsste), die zu einem Nachteil Dritter führt. Auf die Vergabe von Weltmeisterschaften übertragen: Wenn ein Land den Zuschlag für die Ausrichtung eines großen Turniers erhält, gleichwohl es eine adäquate Austragung nicht gewährleisten kann bzw. eine Allokation der dafür aufzubringenden Ressourcen anderweitig effizienter wäre, können einerseits den Bürgern des ausrichtenden Landes Nachteile entstehen,...
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aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 1 / 2018

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