Stephan Friebel-Piechotta

Damit es spannend bleibt …

Borussia Dortmund und Bayern München – seit der Saison 2009/2010 hat stets eine der beiden Mannschaften die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Im Bild ein Zweikampf aus der Spielzeit 2011/2012, in der Dortmund noch die Oberhand hatte. Seitdem konnten die Münchner ihre Dominanz ausbauen und jedes Jahr weit vor Ende der Spielzeit die Meisterschaft gewinnen.
Borussia Dortmund und Bayern München – seit der Saison 2009/2010 hat stets eine der beiden Mannschaften die Deutsche Meisterschaft gewonnen. Im Bild ein Zweikampf aus der Spielzeit 2011/2012, in der Dortmund noch die Oberhand hatte. Seitdem konnten die Münchner ihre Dominanz ausbauen und jedes Jahr weit vor Ende der Spielzeit die Meisterschaft gewinnen., © Fingerhut / Shutterstock.com

Stephan Friebel-Piechotta

Sportlicher Wettbewerb als ordnungspolitische Aufgabe

Eine hohe Marktkonzentration kann den Wettbewerb einschränken. Solche Konzentrationstendenzen lassen sich auch im Profifußball beobachten. Wie auf Märkten bedarf es auch hier eines Ordnungsrahmens, der den Konzentrationstendenzen entgegenwirkt und dadurch den Wettbewerb sicherstellt.
Droht die Langeweile?
Würden Sie sich ein Fußballspiel ansehen, dessen Ergebnis im Vorhinein feststeht? Die meisten Fans würden auf diese Frage wohl mit „Nein antworten, denn Sportereignisse sind vor allem deswegen attraktiv, weil ihr Ende prinzipiell offen ist. Dies gilt nicht nur für einzelne Spiele, sondern auch für ganze Wettbewerbe. So sollte möglichst lange unklar sein, wer Deutscher Meister wird. Mit Blick auf die letzten Saisonverläufe der Fußball-Bundesliga lässt sich eine solche Offenheit allerdings nur ansatzweise beobachten: Seit der Saison 2009/2010 holten entweder Borussia Dortmund oder Bayern München den Titel und meistens fielen die Entscheidungen lange vor dem letzten Spieltag. Ähnliche Konzentrationen lassen sich in anderen europäischen Ligen und in der Champions League beobachten.
Was die Anhänger und Verantwortlichen der Spitzenklubs auf den ersten Blick freuen dürfte, stellt für alle anderen Vereine, Zuschauer und letztlich auch für die dominierenden Klubs selbst ein Problem dar. Alle Vereine sind auf die Attraktivität der Ligen und der Pokalwettbewerbe angewiesen. Verlieren die Zuschauer aufgrund fehlender Spannung das Interesse und sinkt dadurch die Nachfrage, wird auch den Topvereinen die Grundlage für den sportlichen und finanziellen Erfolg entzogen. An dieser Stelle sei auf einen Unterschied zwischen Wettbewerb in Sportligen und Wettbewerb auf Märkten hingewiesen: Wenn ein Konkurrent auf einem Markt Insolvenz anmelden muss, ist das für die anderen Unternehmen gut. Geschieht dies mit einem Fußballverein und die Gefahr besteht aufgrund des finanziellen Handlungsdrucks  – kann das den Ligabetrieb gefährden und negative Konsequenzen für alle anderen Vereine haben.
Die Spitzenvereine stehen daher zum einen vor der Aufgabe, im Sinne der eigenen Erfolgsorientierung möglichst viele Spiele zu gewinnen. Sie müssen zum anderen aber auch verhindern, dass das Klubgut „Liga durch die eigene Dominanz an Spannung und Attraktivität verliert oder dass sogar der Spielbetrieb selbst gefährdet wird. Es bedarf somit einer „Selbstbeschränkung im eigenen Interesse (Saldsieder/ Wenzel 2014, 244), die sich wiederum letztlich nur durch einen entsprechenden Ordnungsrahmen durchsetzen lässt (vgl. ebd., 244). Ausgangspunkt für dessen Gestaltung ist eine Analyse der Ursachen der Konzentrationstendenzen in den verschiedenen Wettbewerben, wobei in diesem Beitrag der Zusammenhang von sportlichem Erfolg und den finanziellen Ressourcen der Vereine im Fokus stehen soll.
Geld schießt doch Tore
„Geld schießt keine Tore eine alte Fußballweisheit, die anhand zahlreicher Einzelfälle, in denen teure Neuverpflichtungen den Erwartungen nicht gerecht wurden, bestätigt werden kann. Dennoch zeigen verschiedene empirische Analysen, dass es eine positive Korrelation zwischen der finanziellen Leistungsfähigkeit und dem sportlichen Abschneiden gibt. So konnten Gerhards, Mutz und Wagner (2014) anhand der Analyse der zwölf leistungsstärksten europäischen Fußballigen einen positiven Zusammenhang zwischen den mittleren Spielergehältern einer Mannschaft vor Saisonbeginn und den in der Saison erzielten Punkten ermitteln (vgl. ebd., 241). Sie resümieren, „[] dass die Investition in den Mannschaftskader im ökonomisierten Profifußball die zentrale Voraussetzung für sportlichen Erfolg ist (ebd., 242f.).
Finanzstarke Vereine können nicht nur höhere Gehälter zahlen, sondern auch mehr Spieler verpflichten. Obwohl der Erfolg bei jeder Neuverpflichtung ungewiss ist, erhöht sich mit der Anzahl der Neueinkäufe die Wahrscheinlichkeit, einen guten Spieler...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 1 / 2018

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