Franziska Birke

Die Eurozone – (k)ein optimaler Währungsraum?

Eine Währung für 19 Länder ohne gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik – wie kann das gut gehen?
Eine Währung für 19 Länder ohne gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik – wie kann das gut gehen?, © bluedesign/stock.adobe.com

Franziska Birke/Karl-Josef Burkard

Probleme der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion im Lichte der ökonomischen Theorie

Von den ersten Plänen für eine europäische Gemeinschaftswährung (Werner-Plan 1970) bis zum Drei-Stufen-Plan des Maastricht-Vertrags (1992) zur Errichtung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) durchzieht ein bis heute unaufgelöstes Grundproblem die politisch-ökonomische Debatte: Kann eine Währungsunion zwischen souveränen Staaten dauerhaft stabil sein, wenn neben der Geld- und Währungspolitik nicht auch die Finanz- und Wirtschaftspolitiken der Mitgliedsstaaten vereinheitlicht werden?
Die Antwort der auf Robert A. Mundell zurückgehenden und von anderen Ökonomen weiterentwickelten Theorie des optimalen Währungsraums auf diese Frage ist eigentlich klar: Nur Länder mit einer möglichst ähnlichen Wirtschaftsstruktur, flexiblen Arbeits- und Kapitalmärkten, intensivem Warenaustausch und einer abgestimmten Wirtschaftspolitik sollten eine Währungsunion bilden. Nach diesen Kriterien hätte es die EWWU in ihrer heutigen Zusammensetzung niemals geben dürfen. Die europäischen Politiker aber haben sich 1992 in Maastricht anders entschieden: für eine Währungsunion wirtschaftlich heterogener Staaten ohne einheitliche Finanz- und Wirtschaftspolitik. Nach der sog. „Lokomotivtheorie würde die gemeinsame Währung eine engere wirtschafts- und finanzpolitische Union nach sich ziehen.
Die komplexe Finanz-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise seit 2008 hat die strukturellen Probleme der EWWU schonungslos offengelegt. Sie hat einerseits durchaus im Sinne der „Lokomotivtheorie den Anstoß zu vertiefenden und noch nicht abgeschlossenen Integrationsschritten gegeben (Bankenunion, Fiskalpakt). Und sie hat andererseits Kräften (aus dem rechten und dem linken Spektrum der Politik) Auftrieb verliehen, welche auf eine Beendigung der Währungsunion drängen.
Das Thema im Unterricht
Der europäische Integrationsprozess gehört zum meist in den höheren Jahrgangsstufen angesiedelten Kernbestand aller Curricula der ökonomischen und politischen Bildung, die ihren Zweck verfehlen würde, wenn sie sich in bloßer Institutionenkunde erschöpfte und nicht zu den zentralen Konzepten, Strukturen und Problemen vordringen würde, die am Thema EWWU paradigmatisch aufgezeigt werden können:
  • Die Währungsunion kann als eine konsequente Weiterführung der bisher erreichten Integrationsstufen (Zollunion, Binnenmarkt) verstanden werden.
  • Mit der Vergemeinschaftung der Währungs- und Geldpolitik übertragen die Mitgliedsstaaten traditionelle Kernbereiche nationalstaatlicher Souveränität auf die EZB als supranationale Institution.
  • Durch den Verzicht auf eigenständige nationale Währungen entheben sie sich der Pufferfunktion der Wechselkurse, welche bisher unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeiten ausglichen. Diese muss in einem heterogenen Wirtschaftsraum durch andere Ausgleichsmechanismen (z.B. Arbeitskräftewanderungen, Arbeitsmarktreformen) kompensiert werden, die somit auf eine „innere Abwertung hinauslaufen.
  • Die einheitliche Geldpolitik der EZB kann zwar die Preisniveaustabilität in der Eurozone gewährleisten, nicht aber die notwendige Koordinierung der Wirtschafts- und Finanzpolitik(en) zwischen den Mitgliedsstaaten ersetzen.
  • Wie schon in früheren Entwicklungsphasen der EU haben die multiplen Krisen seit 2008 weitreichende Reformen provoziert, die als „Vertiefung der europäischen Integration gedeutet werden können.
  • Gleichzeitig aber meldet sich in und seit der Krise auch verstärkt die Fundamentalkritik an der EWWU.
Unterrichtsdramaturgie
Der Text des Münsteraner Wirtschaftswissenschaftlers Ulrich van Suntum (Arbeitsblatt1) stellt zunächst einige Intentionen der Währungsunion vor, um dann einen zentralen Aspekt der Theorie optimaler Währungsräume hervorzuheben. Der Anspruch der Theorie wird im zweiten Schritt mit einigen strukturellen Problemen der Eurozone konfrontiert (Arbeitsblatt2)....
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 3 / 2017

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