STEVE KENNER, SIGRID MEINHOLD-HENSCHEL

Demokratiebildung im digitalen Zeitalter

Jugendliche informieren sich überwiegend im Internet – und laufen dort Gefahr, durch Fake News und Populisten negativ beeinflusst zu werden.
Jugendliche informieren sich überwiegend im Internet – und laufen dort Gefahr, durch Fake News und Populisten negativ beeinflusst zu werden., © venimo/Shutterstock–.com

STEVE KENNER, SIGRID MEINHOLD-HENSCHEL

Chancen und Herausforderungen

In den letzten zwanzig Jahren hat die Digitalisierung zunehmend Einfluss auf alle Lebensbereiche gewonnen: Die Strukturen der Wirtschafts- und Arbeitswelt, die politischen und staatlichen Planungs-, Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse sowie die Handlungsmuster zivilgesellschaftlicher Organisationen sind betroffen. Die Wege, wie wir miteinander kommunizieren, wie wir uns Informationen beschaffen und verbreiten und wie politische Meinungsbildungsprozesse ablaufen, haben sich grundlegend verändert (s. Kasten, ). Es ist nahezu unmöglich sich diesen Entwicklungen zu entziehen. Die Wucht der Veränderung und ihre Geschwindigkeit sind so groß, dass sie längst viele Lebensbereiche fast aller Menschen betreffen.
SachInformation : Medienkompetenz als demokratische Schlüsselkompetenz
SachInformation : Medienkompetenz als demokratische Schlüsselkompetenz
Am Anfang des Internetzeitalters teilten viele Nutzerinnen und Nutzer die Überzeugung, dass die neuen Wege des Informationsaustausches gesellschaftliche Demokratisierungsprozesse unterstützen können. Chancen wurden darin gesehen, dass das Informationsmonopol etablierter Medienunternehmen durch die Vielfalt und Selbstorganisationsfähigkeit der Internetaktivisten unterlaufen und die Qualität von öffentlichen Meinungsbildungsprozessen erhöht werden könne. Mittlerweile dominieren Analysen über die Macht neuer Meinungsmonopolisten wie Facebook, YouTube, Google und Amazon die öffentlichen Diskussionen.
Spätestens seit dem Wahlkampf von Donald Trump 2016 werden die Gefahren des Internets in der Öffentlichkeit breit thematisiert. Phänomene wie Fake News, Echokammern, Filterblasen, Social Bots und die Macht der Algorithmen haben Einzug in unseren Sprachschatz gefunden.
Demokratiebildung im digitalen Zeitalter
Die skizzierten Entwicklungen lösen zu Recht Kritik aus. Sie werfen die Frage auf, wie wichtige demokratische Errungenschaften verteidigt werden können. Eine zentrale Funktion kommt dabei der schulischen Demokratiebildung zu. Sie hat die Aufgabe, Schülerinnen und Schülern die Chancen politischer Positionierungen im digitalen Zeitalter aufzuzeigen und sie für die Risiken zu sensibilisieren denn das Internet mit seinen sozialen und digitalen Medien ist im Alltag heutiger Jugendlicher omnipräsent. Dies zeigen die Zahlen einer aktuellen Studie, die das Medienverhalten der Zwölf- bis 19-Jährigen bundesweit untersucht hat. Die repräsentative Untersuchung kommt zu folgenden Befunden (JIM 2018, vgl. mpfs 2018):
  • 99 Prozent der Befragten verfügen über ein Smartphone, 98 Prozent über Zugang zu Computer bzw. Laptop sowie zum Internet.
  • Durchschnittlich verbringen die Jugendlichen 214 Minuten täglich im Netz.
  • Videostreaming-Dienste sind auf dem Vormarsch. Mittlerweile können 77 Prozent ein solches Angebot nutzen; 2017 waren es noch 54 Prozent.
Das Internet ist für Jugendliche nicht nur ein Ort sozialer Vernetzung, sondern auch eine sehr wichtige Informationsquelle: 85 Prozent besuchen es regelmäßig, um sich neue Themen zu erschließen. Suchmaschinen wie Google sind dabei die wichtigsten Anlaufstationen (87 Prozent regelmäßiger Nutzerinnen und Nutzer). Es folgen YouTube (61 Prozent) und Wikipedia (33 Prozent). Nachrichtenportale von Zeitungen und Zeitschriften haben eine nachgeordnete Bedeutung (22 bzw. 14 Prozent). Die Autoren der Studie stellen unter Bezug auf diese Ergebnisse fest, dass YouTube ein wichtigeres Rechercheinstrument ist als etablierte Online-Enzyklopädien.
Angesichts dieses Mediennutzungsverhaltens muss sich Demokratiebildung intensiv mit dem Internet auseinandersetzen. Medienkompetenz muss als demokratische Schlüsselkompetenz anerkannt werden.
Die vorliegende Unterrichtssequenz soll es den Schülerinnen und Schülern ermöglichen die verschiedenen Dimensionen der Digitalisierung kennenzulernen. Dabei steht im Vordergrund, dass sie sich mit den Herausforderungen, den Chancen,...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 3 / 2019

Digitalisierung und Teilhabe

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