Stephan Friebel

Bitcoin – eine Währungsalternative?

Bitcoins als Alternativwährung
Bitcoins als Alternativwährung, gustavofrazao/stock.adobe.com

Stephan Friebel

Bitcoin aus der Verbraucherperspektive im Wirtschaftsunterricht

Wer in Deutschland im Internet oder im Geschäft bezahlt, tut dies nicht immer in Euro, sondern greift auch auf in Paybacksystemen gesammelte Punkte und somit auf eine Alternativwährung zurück. Alternativwährungen unterscheiden sich u.a. nach ihrer Reichweite (von regional bis global), mit Blick auf ihre Schöpfer (unternehmerische oder zivilgesellschaftliche Initiative) sowie hinsichtlich der Zielsetzungen (siehe die Übersicht alternativer Geldkonzepte im Kasten ).
Während mit Paybacksystemen unternehmerische Ziele verfolgt werden, haben die meisten anderen Alternativwährungen ihren Ursprung zumeist in der Auffassung, dass das Geldsystem, zumindest mit Blick auf bestimmte gesellschaftliche Ziele, versagt hat oder dass ein solches Versagen zu befürchten ist. So wurden und werden Regionalwährungen oftmals im Zuge von Währungskrisen eingeführt, um wirtschaftliche Interaktionen überhaupt (weiter) durchführen zu können. Bei anderen Regionalwährungen steht vor allem aus sozialen und ökologischen Beweggründen die Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe im Fokus (vgl. für einen Überblick Thiel 2011, 127ff.). Die Initiatoren anderer Alternativwährungskonzepte sehen diese wiederum in erster Linie als einen Lösungsansatz zur Bewältigung der Probleme des globalen Geld- und Finanzsystems. Dies scheint auch der Ausgangspunkt des Bitcoin¹-Entwicklers Nakamoto² zu sein. Seine Alternativwährung soll in diesem Beitrag als Exemplum im Fokus stehen.
Die Bildungsrelevanz von Alternativwährungen lässt sich u.a. ausgehend von zentralen Zielen ökonomischer Bildung begründen (vgl. Krol/Loerwald/  Zoerner 2006). Die Schülerinnen und Schüler können diese, insbesondere Regionalwährungen oder auch Bitcoins, als Zahlungsmittel nutzen und sollten daher über Kenntnisse der damit verbundenen Kosten, Risiken aber auch Vorteile verfügen (Ziel der Bewältigung von Lebenssituationen). Mit vielen Komplementärwährungen werden weniger ökonomische, als vor allem ökologische und soziale Ziele verfolgt (Ziel der Wertebildung). Als Wirtschaftsbürger sind die Lernenden u.a. damit konfrontiert, über verschiedene Vorschläge zur Reformierung des Finanzsystems bei Wahlen abzustimmen, was zumindest ein grundsätzliches Verständnis desselben sowie damit verbundener Probleme und Lösungsansätze voraussetzt (Ziel der Befähigung zur Partizipation an der Gestaltung der Gesellschaft). Die Auseinandersetzung mit alternativen Währungssystemen und deren Kontrastierung mit dem bestehenden System könnte auch das Verständnis von Letzterem fördern.
Bitcoin: Zielsetzung, Funktionsweise und Kritik
Vertrauen ist konstitutiv für das Funktionieren wirtschaftlicher Interaktionen im Allgemeinen und moderner Geldsysteme im Speziellen. Dieses wurde allerdings durch zahlreiche Banken- und Währungskrisen (vgl. für eine Zusammenstellung für den Zeitraum von 1970 bis 2007 Laeven/Valencia 2008) und die damit verbundenen Folgen, wie beispielsweise Wachstumsverlusten, beschädigt. Der Initiator Nakamoto sowie die Befürworter des Bitcoins sehen die Ursachen für die Krisenanfälligkeit in der Konstruktion des Geldsystems, wobei vor allem die für die Finanzmärkte zuständigen Aufsichtsbehörden sowie die Zentralbanken als die für die Geldpolitik verantwortlichen Institutionen als Problem angesehen werden (vgl. Sixt 2017, 59ff.). An diesen Stellen setzt das Bitcoin-System an, indem diese Institutionen durch einen Algorithmus ersetzt werden und die Geldschöpfung dezentralisiert wird.
Die Funktionsweise lässt sich vereinfacht folgendermaßen darstellen (vgl. hierzu u.a. Nakamoto 2008; Sixt 2017, 29ff.): Bitcoin ist ein Peer-to-peer-Bezahlsystem. Das bedeutet, dass zwischen den Parteien keine Bank geschaltet wird, die die Rechtmäßigkeit der Transaktion prüft. Diese Aufgabe, die beispielsweise darin besteht, sicherzustellen, dass ein bitcoin nicht doppelt ausgegeben wird (vgl. Nakamoto...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 3 / 2017

Geld und Geldpolitik

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