Lisa Laur, ewald mittelstädt, claudia wiepcke

Weniger Lohn für mehr Arbeit?

Lisa Laur, ewald mittelstädt, claudia wiepcke

Geschlechterunterschiede in Einkommenserzielung und Finanzverhalten ein Gruppenpuzzle

Geld ist aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Jeder Mensch möchte über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, um Bedürfnisse und Wünsche zu befriedigen. Ein hinreichendes Einkommen und ein verantwortungsvoller Umgang mit Geld sind daher wichtig.
Im ökonomischen Sinne spielt hier das Humankapital eine große Rolle. Auf Becker (1964) geht die Einsicht zurück, dass es einen engen Zusammenhang zwischen den Fähigkeiten, Fertigkeiten und dem Wissen von Menschen (= Humankapital) und ihrem Einkommen gibt. Ferner zeigen Studien, dass der gelingende Umgang mit Geld von der individuellen Finanzkompetenz abhängt (vgl. Kaiser/Menkhoff 2017).
Sowohl Humankapital als auch Finanzkompetenz werden durch Bildungs- und Erfahrungsprozesse erworben. Empirische Studien finden wiederkehrend Unterschiede in der Einkommenserzielung (OECD 2012) und der Finanzkompetenz von Frauen und Männern (vertiefend: Mittelstädt/Wiepcke 2014). In der Regel schneiden Frauen dabei schlechter ab als Männer.
Finanzen und Geschlechterdifferenzen
So verdienen Frauen in Deutschland bei gleicher Qualifikation und gleicher Arbeit durchschnittlich 21% weniger als Männer (Statistisches Bundesamt 2017). Männer arbeiten durchschnittlich 38,6 Stunden pro Woche, Frauen lediglich 30,2 und somit rund ein Fünftel weniger (Statistisches Bundesamt 2016a). Rechnet man jedoch die nicht bezahlte Arbeit (z.B. Hausarbeit, Kindererziehung) mit ein, zeigt sich, dass Frauen auf eine höhere Arbeitszeit als Männer kommen (Statistisches Bundesamt 2015).
Die Gründe für Geschlechterdifferenzen in der Einkommenserzielung und in der Finanzkompetenz sind vielfältig und verschiedene Forschungsdisziplinen haben unterschiedliche Perspektiven auf dieses Phänomen entwickelt. Im vorliegenden Unterrichtsentwurf wird eine haushaltsökonomische Sichtweise eingenommen (vgl. Becker 1965), Stereotype werden hinterfragt (vgl. M4). Die Schüler*innen erkunden die eigene Sichtweise auf das geschlechtergeprägte Finanzverhalten und werden befähigt, reflektiert damit umzugehen.
Das Thema im Unterricht
Das Material ist nach dem Modell der konstruktivistischen Didaktik (Reisch 2012) konzipiert, wonach sich Lernen in drei Phasen vollzieht: „Konstruktion, Rekonstruktion, Dekonstruktion. „Konstruktion bedeutet, dass sich die Lernenden ihren Weltzugang in Interaktion mit anderen auf eigene und individuelle Weise erarbeiten. Sie konstruieren ihr eigenes Weltbild, in Abhängigkeit von Vorwissen und Vorerfahrung. Im Unterrichtsentwurf wird die Konstruktionsphase über den Popsong „Einmal um die Welt von Cro (M1 ) eingeleitet. Im Song werden typische Stereotype in Bezug auf geschlechtsspezifische Klischees von Finanz- und Einkommenserzielungsverhalten konstruiert.
Während die im Song dargestellten (angeblichen) Geschlechterdifferenzen von den Schüler*innen herausgearbeitet werden, findet „Differenzierung in diesem Unterrichtsentwurf auch noch auf einer anderen als nur der inhaltlichen Ebene statt. Gemeint ist die ‚Binnendifferenzierung der Unterrichtsinhalte im Hinblick auf die unterschiedlichen Leistungsniveaustufen einer (womöglich stark) heterogenen Lerngruppe.
Die Lehrkraft entscheidet, ob die Lernenden nach dem Abspielen des Popsongs (oder nach dem Lesen des Songtextes) die Aufgaben 2 – 4 (M1) in Einzel- oder Partnerarbeit lösen. Im letzteren Fall empfiehlt es sich, dass jeweils ein stärkerer und ein schwächerer Partner zusammenarbeiten. Optional kann die Lehrkraft es aber auch den Schüler*innen selbst überlassen, welche Arbeitsform hier gewählt wird.
Eine weitere Form der Differenzierung erfolgt in M2 und M3 .Zur schriftlichen Bearbeitung der Aufgabe es ist in beiden Abschnitten dieselbe Aufgabenstellung kann die Lehrkraft an lernschwächere Schüler*innen die Tabelle (M2) austeilen und an die Stärkeren den Text (M3)....
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 2 / 2018

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