Dana Bergmann, Jan Wilhelm

Super-GAU Insolvenz?

Abb.1: So kata-strophal es sich für die Betroffenen auch zunächst anfühlen mag: Eine Insolvenz kann auch eine Chance sein.
Abb.1: So kata-strophal es sich für die Betroffenen auch zunächst anfühlen mag: Eine Insolvenz kann auch eine Chance sein., © iStock.com/kieferpix

Dana Bergmann, Jan Wilhelm

Lernende untersuchen die vielfältigen Ursachen und Auswirkungen von Unternehmensinsolvenzen

Aktuell sind in Deutschland etwa 19000 Unternehmen im Jahr von einer Insolvenz betroffen (vgl. Statistisches Bundesamt 2019). Eine Insolvenz bezeichnet dabei „die akute Zahlungsunfähigkeit und/oder Überschuldung eines Unternehmens [], die unter Umständen mit der Einstellung der Unternehmenstätigkeit einhergeht (Hutzschenreuter 2015, S. 87).
Zahlungsunfähigkeit liegt dann vor, wenn Unternehmen aufgrund fehlender Zahlungsmittel dauerhaft nicht mehr in der Lage sind, fällige Verbindlichkeiten zu zahlen. Diese können (im Gegensatz zur Zahlungsstockung) auch nicht kurzfristig beschafft werden, d.h., es können keine neuen Kredite aufgenommen oder ausstehende Forderungen eingeholt werden. Auch eine drohende Zahlungsunfähigkeit kann maßgeblich für eine Insolvenz sein, (vgl. Heesen/Wieser-Linhart 2018, S. 5 ff.) oder es kann der doppelte Tatbestand der Überschuldung vorliegen. Das bedeutet, dass Unternehmen einerseits rechnerisch überschuldet sind, d.h., die Schulden sind größer als das Vermögen in Liquidationswerten, andererseits liegt nach der Analyse der Verlustursachen, der Konzeptionierung eines Finanzierungsplans und einer Einschätzung der Zukunftsaussichten eine negative Fortführungsprognose vor (vgl. ebd., S. 9). Ziel von Insolvenzverfahren ist dann die gemeinschaftliche Befriedigung von Gläubigern. Dazu werden das Vermögen des Schuldners sowie deren Erlöse auf die Gläubiger verteilt.
Darüber hinaus wird dem Schuldner die Möglichkeit eingeräumt, sich von den vorhandenen Verbindlichkeiten zu befreien (vgl. Insolvenzordnung, § 1). Durch die Befreiung von Restschulden wird den Unternehmen also die Gelegenheit zum wirtschaftlichen Neubeginn gegeben (vgl. Messner/ Hofmeister 2008).
Was führt zu einer Insolvenz?
Aus der Perspektive von Insolvenz-verwalter/-innen lassen sich bestimmte, mehrschichtige Ursachenbündel für das Eintreten von Insolvenzen identifizieren (vgl. ZIS 2006):
  • Falscher Umgang mit dem Kapital: Dazu gehören u. a. ein fehlendes Controlling (79%), Finanzierungslücken (76%) sowie ein unzureichendes Debitorenmanagement (64%), also das Kontrollieren offener Posten und das damit verbundene Ziehen von Rückschlüssen auf die wirtschaftliche Situation der Kunden (vgl. Staab 2015, S. 73). Außerdem sind Investitionsfehler (42%) sowie unkontrollierte Investitionen und Expansion (21%) zu nennen. Insgesamt sind diese Ursachen also Folgen eines fehlenden bzw. fehlerhaften Haushaltens.
  • Führungsstil und Persönlichkeit der/des Unternehmensverantwortlichen: In diesem Kontext spielen vor allem eine autoritäre und rigide Führung (57%), unzureichende Kommunikation und Transparenz innerhalb der Unternehmensführung und der verschiedenen zuständigen Abteilungen sowie gegenüber den Mitarbeitenden (42%), die Dominanz persönlicher über sachliche Motive (33%), eine egozentrische, fehlende Orientierung nach außen (28%) sowie eine mangelnde strategische Reflexionsfähigkeit (27%) eine Rolle.
  • Externe Faktoren: Eine eklatante Zahlungsmoral der Kundinnen/Kunden (82%) kann eine Insolvenz ebenso fördern bzw. beeinflussen wie bürokratische Einschränkungen hinsichtlich der Anwendung von Maßnahmen des Arbeits- und Sozialrechts (81%) und Besonderheiten im Auslandsgeschäft (vgl. ZIS 2006, S. 20 ff.). Auch volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Umstände (wie z.B. die Corona-Pandemie) können Insolvenzen herbeiführen.
Eine Unternehmensinsolvenz wirkt sich auf unterschiedlichen Ebenen aus und ist primär negativ konnotiert bzw. wird als Bedrohung gesehen (vgl. Krystek/ Moldenhauer 2007, S. 168). In Fällen, bei denen die Fortführung der Unternehmung sinnvoll erscheint, kommt es immer häufiger (mittlerweile auch vermehrt bei mittelständigen Unternehmen) zur Selbstverwaltung der Insolvenz (vgl. Creditreform 2019, S. 18 f.). Das heißt, die Führung eines Unternehmens verbleibt...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 3 / 2020

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