Dana Bergmann, Marcel Spittel

Gescheiter Scheitern

Abb. 1: Scheitern wird oft vorschnell als ausschließlich negativ bewertet. Dabei übersehen viele, dass Scheitern häufig neue Chancen mit sich bringt. Nicht umsonst lautet ein bekanntes Sprichwort: „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich ein Fenster.“
Abb. 1: Scheitern wird oft vorschnell als ausschließlich negativ bewertet. Dabei übersehen viele, dass Scheitern häufig neue Chancen mit sich bringt. Nicht umsonst lautet ein bekanntes Sprichwort: „Wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich ein Fenster.“, © jd8/Shutterstock.com

Dana Bergmann, Marcel Spittel

Das Scheitern einer Existenzgründung als Chance verstehen lernen

Etwa ein Drittel der Existenzgründerinnen und -gründer beenden während der ersten drei Geschäftsjahre ihre Unternehmung. Während 81% dieser Unternehmungen aufgelöst werden, entscheiden sich 14% der Gründerinnen und Gründer für eine Übergabe bzw. 5% für den Verkauf ihrer Unternehmung (vgl. Metzger 2017).
Die Gründe für das Beenden einer Unternehmung sind vielfältig: Neben persönlichen Motiven (36%) ziehen 27% der Gründenden wegen Unwirtschaftlichkeit einen Schlussstrich unter ihr Geschäftsvorhaben. Zudem sind Gründungen im Zuge des Nebenerwerbs von Beginn an befristet geplant (18%). Weitere Ursachen sind alternative berufliche Perspektiven in abhängiger Beschäftigung (14%) oder Insolvenz (1%) (vgl. ebd., S. 9) .
Scheitern als Misserfolg?
Die Entscheidung von Existenzgründenden, ihre Unternehmung aufzugeben, stellt auf den ersten Blick einen Misserfolg dar. Scheitern als Kehrseite zum Erfolg wird als eine „temporäre oder dauerhafte Unverfügbarkeit bzw. „Handlungsunfähigkeit beschrieben (Junge 2004, S. 16). In Bezug auf eine Existenzgründung kann Scheitern „als eine Verlaufsform der unternehmerischen Aktivität beschrieben werden, „die im Ergebnis das Gegenteil eines nachhaltig gewinnbringenden und Vermögen aufbauenden Geschäftsverlaufes darstellt (Neumann 2016, S. 9).
Damit verbunden sind vielfältige Aspekte, die das Scheitern einer Existenzgründung konkretisieren bzw. zur Beurteilung des Scheiterns herangezogen werden können (vgl. ebd., S. 10f.):
  • ideeller vs. wirtschaftlicher Erfolg (mangelnde Wirtschaftlichkeit trotz reizvoller Idee),
  • Erfolg vs. Überlebensfähigkeit (keine Etablierung am Markt trotz Erfolgserwartungen aufgrund innovativer Ideen),
  • Planabweichung (Existenzbedrohung durch Abweichung vom Businessplan),
  • juristische Kriterien (Beantragung eines Insolvenzverfahrens) sowie
  • Ursache der Unternehmensbeendigung (Abgrenzung von Freiwilligkeit und Zwanghaftigkeit).
Aus betriebswirtschaftlicher Perspektive gilt eine Existenzgründung dann als gescheitert, wenn sich die „wirtschaftliche Gesamtsituation [] so deutlich entgegen den Erwartungen der Gründer und Kapitalgeber negativ entwickelt, dass die Existenz des Unternehmens dadurch zumindest zeitweise akut bedroht ist (ebd., S. 13).
Scheitern als Chance?
Entscheiden sich Existenzgründerinnen und -gründer dazu, ihre Unternehmung aufzugeben, so stellt dieser Schritt sowohl die Gründungsperson als auch deren Umfeld vor Herausforderungen. Zugleich liegt die Vermutung nahe, dass diese Beendigung auch für die Gründenden selbst die Bedeutung eines Scheiterns innehat. Wesentlich dabei ist die Frage, wie der vorzeitige Abbruch der Existenzgründung, verbunden mit allen getroffenen (Fehl-)Entscheidungen, nachträglich subjektiv bewertet wird.
Diese individuelle Perspektive ist eng mit dem Selbstbild bzw. der Identität der Gründenden verknüpft. Diese nachträgliche Sicht auf Ereignetes ist nicht nur durch das Individuum selbst, sondern auch durch die Gesellschaft geprägt (vgl. Mandl 2017, S. 5). So ist es durchaus möglich, dass der Schritt, die Existenzgründung aufzugeben, vom gesellschaftlichen Umfeld als „Scheitern etikettiert wird, die Gründenden selbst allerdings auch positive Aspekte aus dieser Erfahrung resümieren.
Daher ist es aus Sicht der Gründerinnen und Gründer zwar möglich, dass der Abbruch der Existenzgründung als Scheitern bilanziert wird. Genauso besteht allerdings die Möglichkeit, dass das Erlebte trotz der vermeintlich negativen Erfahrungen positiv gerahmt und daraus etwas gelernt wird. Dieser Lernzuwachs kann sich auf verschiedenen Dimensionen entfalten (vgl. Cope 2011, S. 616):
  • im Hinblick auf sich selbst (Kennenlernen der eigenen Stärken, Schwächen, Fähigkeiten, Einstellungen, Überzeugungen sowie Entwicklungspotenziale),
  • in Bezug auf die Existenzgründung und deren Abbruch (Herausstellen der...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 4 / 2018

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