Michael Koch / Bernd Remmele

Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen in der ökonomischen Bildung

Michael Koch / Bernd Remmele

Grundlegende Herausforderungen und konkrete Angebote

Während die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften lange Zeit kaum Gegenstand der Forschung war, besteht mittlerweile ein breiter Konsens hinsichtlich ihrer hohen Relevanz im berufsbiografischen Entwicklungsprozess. Die Bedeutung einer systematisch integrierten dritten Phase der Lehrerbildung ist dabei fächerübergreifend hervorgehoben worden (Messner 2004, Herzog 2014, Herzog/Munz 2010).
Ebenso eindeutig fällt jedoch auch das Urteil aus, dass die aktuellen Formen der Fort- und Weiterbildung den Ansprüchen in den meisten Fällen nicht gerecht werden (vgl. Lipowksy 2014, Bernhart 2009, 16). Dies ist problematisch, da sich Lehrkräfte in allen Phasen ihrer beruflichen Tätigkeit mit unterschiedlichen und wechselhaften Anforderungen konfrontiert sehen. Aufgrund dessen kann die Ausbildung nicht mit der Grundausbildung abgeschlossen sein. Vielmehr muss sie in formellen und informellen Weiterbildungsanlässen über die gesamte Berufsspanne ihre Fortführung finden (Herzog 2014, 408).
Die erste und zweite Phase der Lehrerbildung sind eindeutig institutionalisiert und die Verantwortlichkeiten (Hochschulen, Seminare, Schulen) klar zugewiesen. Hierdurch werden sowohl Kontrolle als auch Qualitätssicherung und Transparenz ermöglicht. Dies trifft für die Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften nur in sehr eingeschränktem Maße zu. Sie stellt sich im landes- wie bundesweiten Überblick als ein unübersichtliches Aktionsfeld mit einer Vielzahl von Akteuren dar, dem nur in den seltensten Fällen systematische Konstruktionsüberlegungen bzw. Anknüpfungspunkte an die vorangegangenen Qualifizierungsphasen zugrunde liegen (Stanat/Pant 2013). Betreffend der Wirkung der gängigen „One-Shot-Kurzmaßnahmen (punktuelle, vielfach halb- oder eintägige Veranstaltungen) kommt die Forschung zu dem Schluss, dass diese nicht geeignet sind, im erforderlichen Maße Kompetenzen zu vermitteln oder gar unterrichtliche Verbesserungen zu erzielen (Lipowsky 2014; Bernhart 2009, 17ff.).
Besonders groß sind die Herausforderungen in einem Feld wie der ökonomischen Bildung, in der eine Vielzahl der Lehrkräfte den Unterricht fachfremd erteilt. Erfolgreiche und wirksame Fortbildungen werden generell durch einen eher fachdidaktischen Fokus charakterisiert, der das Lernen und die Lernprozesse von Schülerinnen und Schülern in den Vordergrund rückt. Die Anknüpfung an die Kognitionen und Konzepte der Lehrpersonen sowie deren Weiterentwicklung spielt hier aber eine elementare Rolle (Lipowsky 2010, 63ff.). Im Falle der ökonomischen Bildung sind diese Grundlage vielfach jedoch überhaupt erst zu vermitteln.
Hieraus ergibt sich u.a. die Notwendigkeit des spezifischen Austarierens von fachlichen und fachdidaktischen Gewichtungen und Schwerpunktsetzungen. Die zentrale Herausforderung besteht darin, dass entsprechende Maßnahmen nicht im Kern die Erweiterung, Vertiefung und Überprüfung des bei den Lehrkräften vorhandenen Wissensstandes sowie einen angemessenen Wissenschaftstransfer anstreben können, wie dies in anderen Fächern der Fall ist. Vielmehr gilt es, im Rahmen starker zeitlicher Restriktionen und in Ermangelung einer grundständigen Ausbildung, die vorhanden Wissens- und Kompetenzlücken zu „stopfen. Zudem ist von einem höheren Unterstützungsbedarf für die Dauer der Maßnahme und darüber hinaus auszugehen, da Lehrkräfte i.d.R. bereits unterrichten (vgl. Koch 2015).
Im Folgenden werden zwei Qualifizierungsvorhaben vorgestellt, die auf unterschiedlichen Wegen die Einlösung der skizzierten Anforderungen anstreben.
Baden-Württemberg:
Onlinegestützte Qualifizierungsangebote zur schulformübergreifenden Einführung des Faches „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung
Mit dem Schuljahr 2016/17 wurde in Baden-Württemberg das Fach Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung (WBS) für die allgemeinbildenden Schulen eingeführt. Bislang war Wirtschaft in verschiedenen...
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aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 1 / 2018

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