Benjamin Apelojg

Forschendes Lernen im Praxissemester

Bild1: Im schulischen Praxissemester können angehende Lehrkräfte erste Unterrichtserfahrungen sammeln und ihre Professions- und Reflexionskompetenzen erweitern.
Bild1: Im schulischen Praxissemester können angehende Lehrkräfte erste Unterrichtserfahrungen sammeln und ihre Professions- und Reflexionskompetenzen erweitern., © SpeedKingz/shutterstock.com

Benjamin Apelojg

Herausforderungen in der Unterrichtspraxis mit wissenschaftlichen Methoden begegnen

Das Praxissemester als praxisbezogenes Studienelement zur Förderung von Professions- und Reflexionskompetenzen ist in immer mehr Bundesländern integraler Bestandteil der Lehramtsausbildung. Eine zentrale Herausforderung ist hierbei die gelingende Integration von universitärer Theorie und schulischer Praxis. Das Forschende Lernen kann hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, indem Herausforderungen aus der unterrichtlichen Praxis einem forschenden Blick unterzogen und mit wissenschaftlichen Methoden bearbeitet werden. Dies soll nicht zuletzt die Reflexionskompetenz der angehenden Lehrerinnen und Lehrer fördern.
Verzahnung von Theorie und Praxis
Der mangelnde Praxisbezug, ist ein ewig hallender Vorwurf in der Lehrerinnen- und Lehrerausbildung. Studierende beklagen, dass die universitäre Lehramtsausbildung sie nicht auf den Alltag in der Schule vorbereite. Diese Kritik wird vielfach von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aufgegriffen und eine sinnvolle Verzahnung theoretischer Ausbildung mit praktischen Erfahrungen gefordert.
Eine Maßnahme, um diesem Theorie-Praxis-Defizit zu begegnen, ist die Einführung eines schulischen Praxissemesters. Dieses dauert mehrere Monate, ist ins Lehramtsstudium integriert und wird sowohl von universitärer als auch von schulischer Seite begleitet in manchen Bundesländern zusätzlich auch durch Ausbildungsseminare. Im Fokus des schulischen Praxissemesters steht die Erweiterung der Professions- und Reflexionskompetenzen der angehenden Lehrerinnen und Lehrer durch eine verbesserte Theorie-Praxis-Verknüpfung.
Mit der Einführung eines schulischen Praxissemesters verfolgen die verschiedenen Bundesländer und Universitäten in Teilen unterschiedliche Zielstellungen. So dient beispielsweise an der Universität Tübingen das Praxissemester vorwiegend der Berufsvorbereitung und bietet den angehenden Lehrerinnen und Lehrern im Rahmen ihres Studiums letztmalig die Möglichkeit zur praktischen Berufsorientierung (vgl. MKJS BW 2017, S. 1).
In Brandenburg sollen Lehramtsstudierende das Handlungsfeld Schule unter professioneller Anleitung kennenlernen und die persönlichen Erfahrungen mit didaktischen und theoretischen Ansätzen verknüpfen.
Unterschiede je nach Hochschule und Bundesland
Das Praxissemester wurde mittlerweile in neun Bundesländern eingeführt und variiert bezüglich des Anteils eigenständigen Unterrichts, der zu leistenden Hospitationsstunden, der Ausgestaltung der Begleitseminare und der inhaltlichen Schwerpunktsetzung. In Berlin ist beispielsweise die Bearbeitung eines Lernforschungsprojektes verpflichtender Bestandteil des Praxissemesters.
Die Dauer des Praxissemesters variiert in den meisten Fällen zwischen 12 und 14 Wochen und ist meist im Masterstudium angesiedelt. Das Praxissemester bietet dabei verschiedene Chancen und Risiken. In der ProPrax-Studie konnten für das Praxissemester Zuwächse im Kompetenzerleben, wie beispielsweise bei der Unterrichtsplanung und -gestaltung, nachgewiesen werden (vgl. Schubarth et al 2014, S. 201).
Doch es gibt auch kritische Stimmen, die deutlich machen, dass ein Mehr an Praxis nicht automatisch zu einem Mehr an Professionalität führt. Es besteht sogar die Gefahr, dass sich ungünstige Handlungsmuster frühzeitig und dauerhaft festigen (vgl. Schüssler/Weyland 2014, S. 28). Das Praxissemester als Studienelement sollte vor allem nicht als vorgezogenes Referendariat missbraucht werden, in dem nur die handlungspraktische Perspektive in den Blick genommen wird (vgl. Schüssler/Schöning 2017, S. 41).
Damit Praktika eine Professionalisierung angehender Lehrerinnen und Lehrer fördern, bedarf es bestimmter Bedingungen für das Gelingen. Grundsätzlich sollte die Verzahnung von Theorie und Praxisphasen im Studium einem roten Faden folgen, bei dem alle beteiligten Akteure an einem Strang ziehen und so die Ziele eng miteinander...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 2 / 2019

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