Sina Maier, Ewald Mittelstädt und Claudia Wiepcke

Endlich die Bohrmaschine nutzen

Bild 2: Junge Gründer gesucht: In Gruppenarbeit entwickeln die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Sharing-Idee.
Bild 2: Junge Gründer gesucht: In Gruppenarbeit entwickeln die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Sharing-Idee., © SDI Productions/istockphoto.com

Sina Maier, Ewald Mittelstädt und Claudia Wiepcke

Mit der eigenen Geschäftsidee selbst zum Sharing-Anbieter werden

Ganze 13 Minuten im gesamten Leben werden Bohrmaschinen in deutschen Haushalten offenbar genutzt, glaubt man einem populären deutschen Wirtschaftsmagazin. Wir besitzen also Alltagsgegenstände, die wir kaum verwenden. Warum diese nicht mit anderen teilen?
In Zeiten, in denen durch die Diskussion um den Klimawandel ein besserer Umgang mit Ressourcen zunehmend eingefordert wird, kommt der Verbesserung der Nutzungseffizienz durch Verlängerung oder Intensivierung eine wichtige Rolle zu. Daher ist die Sharing Economy ein relevantes Thema für Schülerinnen und Schüler, das darüber hinaus was jede Lerngruppe motivieren dürfte positiv konnotiert ist: Die Sharing Economy trägt augenscheinlich dazu bei, Kapazitäten besser zu nutzen.
Allerdings ist auch hier der Rebound-Effekt zu beachten. Dieser besagt, dass die Erhöhung der Effizienz, z.B. durch Energieeinsparungen, den Gesamtverbrauch in der Regel nicht senkt, sondern vielmehr erhöht. Die Effizienzsenkung erhöht die Attraktivität einer Anwendung und kreiert neue Zielgruppen und Anwendungsfelder, die zu einem Mehrverbrauch führen. So berichtet die Gründerin von Mädchenflohmarkt Maria Spilka, dass bis zu 30% der eingeschickten Kleidung noch über das Einkaufsetikett verfügen. Der Verkauf der ungenutzten Kleidung ermöglicht den Kauf von noch mehr ungenutzter Kleidung und steigert die Attraktivität von Shopping als Freizeitaktivität. Der Kleiderkreisel kann sich noch schneller drehen.
Sharing im Überblick: Akteure, Nutzung ...
Die Sharing Economy kann zwischen verschiedenen Akteuren praktiziert werden: Zwischen Unternehmen und Privatpersonen (business-to-consumer B2C), Unternehmen (business-to-business B2B) oder zwischen Privatpersonen (peer-to-peer, P2P). Bei Letzterem treten Privatpersonen sowohl als Anbieterinnen als auch als Nachfragerinnen einer Ressource auf und werden über eine Plattform zusammengeführt. Diese Variante stellt, zusätzlich zum fundamentalen Wandel durch digitale Technologien, häufig den Kern der neuen Sharing Economy dar (Eichhorst/Spermann 2015, 8).
Außerdem lässt sich nach Nutzungsmöglichkeiten unterscheiden, d.h. nach Nutzungsintensivierung oder -verlängerung eines Gutes durch gemeinschaftliches Agieren (Scholl et al. 2015, 10). Tab. 1 zeigt diese Erscheinungsformen von Sharing auf. Die Nutzungsintensivierung stellt ein Teilen im engeren Sinne dar, da keine Eigentumsübertragung erfolgt. Die Nutzungsverlängerung (Teilen im weiteren Sinne) funktioniert über eine Eigentumsübertragung, aber auch hier nutzen unterschiedliche Personen das gleiche Gut. In manchen Studien (BMWi 2018, 8) werden Geschäftsmodelle, die auf einer Eigentumsübertragung basieren, wie beispielsweise Ebay oder Kleiderkreisel, nicht als zugehörig zur Sharing-Economy aufgefasst. Im Folgenden werden jedoch zur Vollständigkeit sowohl die Geschäftsmodelle mit, als auch ohne Eigentumsübertragung in den Blick genommen.
Die Sharing-Formen im Bereich der Nutzungsverlängerung, also Teilen mit Eigentumsübertragung, können nach der Art der Gegenleistung (Reziprozität) unterschieden werden. Die Gegenleistung kann monetär (gegen Geld) und nichtmonetär, d.h. durch Schenken oder Tauschen, erfolgen (Scholl et al. 2015, 11 f.; vgl. Tab. 2 ). Auch bei der Unterscheidung der Nutzungsintensivierung, also Teilen ohne Eigentumsübertragung, spielt die Art der Gegenleistung (monetär und nichtmonetär) eine Rolle. Zusätzlich wird hierbei die Zeit betrachtet. Das sogenannte Co-Using meint die simultane Nutzung eines Gutes, wie beispielsweise das Auto bei einer Fahrgemeinschaft. Beim Verleihen (nichtmonetär) bzw. beim Vermieten (monetär) wird die Nutzungszeit sequenziell aufgeteilt, d.h. die Nutzung findet nacheinander statt (vgl. Demary 2015, 95).
... und verschiedene Bereiche
Zu den drei größten Bereichen der Sharing Economy zählen Mobilität,...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 2 / 2020

Sharing Economy

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