Auf Augenhöhe

Bild 1: Geht mich nichts an? Gerade Jugendliche aus sozial schwachen Milieus sollen im Rahmen des JUMPER-Projekts für Bedeutung und Alltagsbezug der EU sowie ihre eigenen Partizipationsmöglichkeiten sensibilisiert werden.
Bild 1: Geht mich nichts an? Gerade Jugendliche aus sozial schwachen Milieus sollen im Rahmen des JUMPER-Projekts für Bedeutung und Alltagsbezug der EU sowie ihre eigenen Partizipationsmöglichkeiten sensibilisiert werden., © monkeybusinessimages/istockphoto.com

Politische EU-Bildung für „bildungsferne Jugendliche im JUMPER-Projekt

Politische Europabildung will (angehende) Bürgerinnen und Bürger zur politischen Urteilsbildung und aktiven Teilhabe in der Europäischen Union (EU) befähigen. Damit leistet sie einerseits einen wichtigen Beitrag zur politischen Mündigkeit der Lernenden, andererseits schafft sie notwendige Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie in der EU.
Die Vertrauenskrise der EU
Nicht erst seit dem britischen Referendum zum Brexit wird in Europa eine Entfremdung der Bürger/-innen von der Europäischen Union beklagt. So beschrieb Knelangen (2015) auf Basis von eurobarometer-Daten eine Vertrauenskrise, die für die EU durchaus existenzbedrohend werden könnte. Insbesondere „Bildungsferne wurden zunehmend vom politischen System entkoppelt, die politische Repräsentation hat sich zulasten dieser Menschen verschoben (Brinkmann 2009, Vester 2009), was die politische Stabilität eines Landes (Detjen 2007) bzw. der EU (Leruth et al. 2013) gefährden kann.
Zahlreiche Studien belegen, dass diejenigen, die unmittelbar die Vorteile der EU erfahren, eher pro-europäisch eingestellt sind, während EU-Bürger/-innen mit einem niedrigen sozioökonomischen Status der EU eher skeptisch gegenüberstehen (Hix 2009, Grimm et al. 2017). Dabei gehen fundamental-euroskeptische Einstellungen und geringe Partizipationsbereitschaften oftmals mit einer großen (objektiven wie subjektiven) Unkenntnis über die EU einher (Westle 2015).
Europäische Bürgerschaftsbildung sollte gerade auch bei denjenigen ansetzen, die das Gefühl haben, die EU-Politik nicht beeinflussen zu können (Eis 2013).
Ein nicht geringer Teil der Bevölkerung ist jedoch nicht zugänglich für (europa-)politische Bildungsangebote. Für diese Gruppe sind verschiedene Bezeichnungen geläufig, wie etwa „Politikferne, „Bildungsferne, „sozial Benachteiligte, „Menschen mit hohem Bildungsrisiko, „schwer Erreichbare oder „Angehörige der unteren Sozialschichten (Kohl/Seibring 2012, Detjen 2009). Im Englischen hat sich die Bezeichnung hard-to-reach learners etabliert.
Diese Gruppe ist durch geringes politisches Interesse und häufige Enttäuschung ihrer Erwartungen charakterisiert (Detjen 2009). Etwa ein Zehntel der deutschen Bevölkerung gehört sogenannten „unterprivilegierten Volksmilieus an, die durch ein niedriges Bildungsniveau und oftmals prekäre Beschäftigungsverhältnisse gekennzeichnet sind (Vester 2009). Die Zielgruppe der für politische Bildungsarbeit „schwer Erreichbaren macht damit einen nicht unerheblichen Teil der Gesellschaft aus.
Wie erreicht man „schwer Erreichbare?
Nachdem schwer erreichbare bzw. wenig erreichte junge Menschen in den letzten Jahren stärker in den Fokus der politischen Bildung gerückt sind (Drews 2009; Widmaier/Nonnenmacher 2012), wurden verschiedene Ansätze entwickelt, um diese Zielgruppe mit politischen Bildungsangeboten zu erreichen. Dazu zählen die Elementarisierung (zielgruppengerechtes Aufbereiten der Inhalte; Schiele 2012) sowie lebensweltorientierte, niedrigschwellige Ansätze (Kohl/Calmbach 2012) politische Bildner/-innen müssen „Übersetzungsarbeit leisten, um die Abstraktheit der politischen Welt in die Lebenswelt der jungen Menschen zu transportieren.
Auch Dokutainment-Formate, Computerspiele und partizipative Ansätze, die den Jugendlichen unmittelbar Erfolgserlebnisse verschaffen, gelten als vielversprechend (Busse et al. 2012). Es existieren allerdings bis heute keine dezidierten Konzepte für eine gelingende EU-Bildung für diese besondere Zielgruppe. Auch sind bislang hierzulande kaum Materialien für die politische EU-Bildung mit „schwer erreichbaren jungen Menschen erhältlich (eine der Ausnahmen bildet das Heft „EUropa was geht für dich? der speziell für diese Zielgruppe konzipierten Reihe „Was geht? der Bundeszentrale für politische Bildung; vgl. Oberle/Stamer 2019).
Empirische Studien zeigen, dass sich politische Planspiele, in denen...
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aus: Unterricht Wirtschaft + Politik Nr. 2 / 2020

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