Leistungen bewerten

Leistungen bewerten

Sportpädagogik | Ausgabe Nr. 2/2019

In diesem Heft widmen wir uns einem wichtigen Thema des Unterrichts, der Leistungsbewertung. In vielen Fällen gipfelt dies in Noten und Zensuren als Ausdruck einer Schülerleistung. Doch was drückt die Ziffer aus und wie kann man die Bewertung transparent und „gerecht“ gestalten?

Inhaltsverzeichnis
Foto: ©wittybear - stock.adobe.com
Tartanbahn
Herausforderungen und Perspektiven der Leistungsbewertung im kompetenzorientierten Sportunterricht Leistungen bewerten
Friedrich+ Kennzeichnung Fachwissen Schuljahr 1-13

Leistungen zu bewerten, stellt für Sportlehrerinnen und Sportlehrer eine zentrale Aufgabe dar. Doch obwohl diese Aufgabe beinahe täglich und meist routiniert erfolgt, hinterlässt das Bewertungsergebnis zuweilen das Gefühl, den Lernenden individuell nicht gerecht geworden zu sein. Gründe hierfür liegen beispielsweise im Wissen um die Bedeutung körperlicher Voraussetzungen für das Gelingen oder Misslingen von Bewegungsaufgaben, oder aber in der Schwierigkeit, individuelle Entwicklungsfortschritte angemessen in der Bewertung zu berücksichtigen. Der pädagogisch wertvolle Umgang mit Leistungsprozessen einerseits und Leistungsergebnissen andererseits stellt Sportlehrkräfte demnach vor Herausforderungen, die für den Sportunterricht in besonderer Weise kennzeichnend sind.

Friedrich Verlag
Bewertungsbogen
Die Lernenden entwickeln in Gruppen eine Seilsprung-Choreografie und erarbeiten zusammen mit der Lehrkraft Kritierien für die Leistungsbewertung Seilspringen kreativ
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 2-6

In den hier dargestellten Unterrichtsstunden geht es nun darum, in der Kleingruppe eine Choreografie zu entwickeln, die am Ende bewertet werden soll. Dabei ist es bedeutsam, dass die Klasse versteht, nach welchen Kriterien ihre Leistungen bewertet werden und sie diese auch nachvollziehen kann. Daher werden Bewertungskriterien zur Erarbeitung und zur Aufführung der Choreografie gemeinsam mit den Kindern aufgestellt und ihre Leistungen an diesen gemessen.

Foto: Volker Minkus
Kind auf Turnmatte
Kinder erarbeiten eine Gestaltungsaufgabe mit Hilfe des Lerntagebuchs „Ich brauche mehr Schwung“
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 3-4

Die vorgestellte Unterrichtsreihe hat zum Ziel bodenturnerische Elemente zu erlernen und diese in einer kleinen Bewegungschoreographie zu verbinden und vorzuführen. In den ersten beiden Klassen haben die Kinder in Unterrichtsreihen zum Turnen schon viel über die Bedeutung von Körperspannung und -gefühl kennengelernt. Auch eine Choreographie zu präsentieren und entsprechende Kriterien sind den Kindern bekannt: Blick zum Publikum, Auf- und Abgang von der „Bühne“, Verbeugen. Um die Lernprozesse der Kinder der 3b besser begleiten, unterstützen und auch bewerten zu können, führen sie ein Lerntagebuch.

Foto: Autor
Schüler mit Poolnudel
Möglichkeiten einer prozessbezogenen Leistungsbewertung im Rahmen eines Unterrichts­vorhabens zum Thema „Ringen und Kämpfen“ Mit der Poolnudel fechten
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 3-6

Das übergeordnete Ziel des Vorhabens ist es, im Rahmen des Eins-gegen-Eins-Fechtens den Gegner mit der Poolnudel zu treffen und Treffer zu verhindern. Die einzelnen Unterrichtseinheiten des Vorhabens sind immer so aufgebaut, dass ein Input in Form von Aufgabenstellungen verbunden mit einer Beobachtungs- bzw. Reflexionsaufgabe alle Schülerrinnen und Schüler als Akteure, Beobachter oder Schiedsichter schnellstmöglich aktiv in das Unterrichtsgeschehen einbindet. Für die Lehrkraft ergeben sich durch die Eigenaktivität der Schülerinnen und Schüler immer wieder Phasen, in denen sie die Gruppe bzw. einzelne Lernende beobachten kann, um Lernprozesse zu begleiten und eine prozessbezogene Leistungsbewertung durchzuführen. Das Vorhaben ist in zwei aufeinander aufbauende Phasen aufgeteilt: Phase 1 umfasst einen Showkampf und Phase 2 das Eins-gegen-Eins-Fechten mit Schiedsrichter. Hierbei wird es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, sich in unterschiedlichen Kampfsituationen mit der halbierten Poolnudel ohne direkten Körperkontakt zu messen und zu kooperieren.

Friedrich Verlag
Aufbauplan Inlineskateparcours
Einen Inlineskateparcours selbstgesteuert entwickeln, geschickt durchfahren und anschließend leistungsdifferenziert beurteilt werden „Wer bremsen kann, gewinnt!“
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-10

Inlinerfahren im Sportunterricht ist sowohl mit vielen positiven Emotionen, aber gleichzeitig auch mit einem hohen organisatorischen Aufwand verbunden. Außerdem steht man häufig vor der Problematik einer hinsichtlich der Lernausganglage sehr heterogenen Schülergruppe. Da gibt es zum einen diejenigen, die seit Jahren Inliner fahren und sich sicher und z.T. auch schon mit selbst erprobten Tricks fortbewegen können und zum anderen diejenigen, die noch über keinerlei Erfahrung auf Inlinern oder vergleichbaren Sportgeräten (Schlittschuhe, Rollschuhe, Wave- und Skateboard etc.) verfügen. Der Artikel zeigt eine mögliche Vorgehensweise, die die unterschiedlichen motorischen Lernvoraussetzungen berücksichtigt.

Foto: Screenshot ForRunners
Screenshot
Das Ziel dieses 11er-Kurses: ausdauernder werden, systematisch trainieren und beim Schülerlauf punkten. Der Weg dahin erfolgt ganz mobil mit Hilfe eines digitalen Lauftagebuches „Wir wollen nächstes Mal besser sein!“
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13

Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten Grundlagen zur Gestaltung eines Ausdauertrainings. Das Training selbst findet darauf aufbauend außerhalb der Unterrichtszeit über vier Wochen in Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler statt. Zur Dokumentation dieser individuellen Trainingsphase wird ein digitales Lauftagebuch eingesetzt. Dieser Beitrag stellt zunächst die gewählte Leistungsdokumentation und -bewertung und daran anschließend den Verlauf des Unterrichtsvorhabens vor.

Foto: iStockphoto
Tanzende Schülerinnen und Schüler
In einem Unterrichtsvorhaben zu Tänzen rund um die Welt erhalten die Lernenden viel Freiraum bei der Gestaltung ihrer Gruppenchoreografie Vom Attan zum Squaredance
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13

„Herr Peters, was machen wir denn als nächstes Thema? Wir wollen mal wieder etwas aus dem Bereich Tanz machen. Können wir dann mal wieder etwas als Gruppe vorbereiten?“ Die von den Schülerinnen geäußerte Frage bringt mich dazu, das kommende Unterrichtsvorhaben noch einmal genauer in den Blick zu nehmen und vor allem auch hinsichtlich der Möglichkeiten der Individualisierung und der damit verbundenen Fragestellung der Leistungsbewertung zu durchdenken. Dabei gilt es aus meiner Sicht vor allem folgende Aspekte zu bedenken: Wie kann ich die unterschiedlichen Interessen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen? Wie kann bei einer individualisierten Aufgabenstellung die Leistungsbewertung erfolgen? Wie lässt sich der Prozess in einem Unterrichtsvorhaben aus dem Bereich Tanz beurteilen, der gerade in längeren kreativen Phasen auch mal zum Stocken kommen kann? Wie gehe ich mit der Problematik von Gruppenpräsentationen hinsichtlich der individuellen Leistung um?

Foto: Autor
Spielszene Torchball
An diesem Berufskolleg wird das Lernen mit Kompetenzrastern gesteuert und transparent beurteilt. Thema ist das neue Spiel Torchball, das sich für heterogene Lerngruppen besonders eignet Mit Kompetenzrastern zum Erfolg
Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 11-13

Der folgende Beitrag schildert beispielhaft, wie sowohl ein allgemeines, als auch ein Kompetenzraster für ein spezifisches Unterrichtsvorhaben aussehen kann. Zudem wird gezeigt, wie daraus ein Bewertungsbogen abgeleitet werden kann. Der Beitrag will dazu ermutigen, sich konstruktiv mit den neuen Herausforderungen der Leistungssteuerung und -bewertung auseinanderzusetzen und die sich daraus ergebenden Vorteile zu nutzen – und sich nicht von den zum Teil überfordernd wirkenden curricularen Anforderungen lähmen zu lassen.

Foto: Adobe Stock
Schüler beim Staffelspiel
Demokratie und Schulsport – eine vielversprechende Beziehung?
Friedrich+ Kennzeichnung Hintergrund Schuljahr 1-13

Seit einigen Jahren scheint die „gute alte“ Demokratie in die Jahre gekommen zu sein: Wutbürger und Populisten bekommen ungeahnten Zulauf, Autokraten und Despoten bauen ihre Führung weltweit aus, ohne dass jemand sie ernsthaft aufhalten könnte. Auch bei uns in Deutschland fühlen sich viele Menschen von einfachen Lösungen angezogen, werden rassistische Parolen wieder hoffähig, gerät das pluralistische Parteiensystem ins Wanken. Es ist also höchste Zeit, etwas zu tun – bloß was? Die gängigen Forderungen wirken mitunter etwas hilflos: Mehr Transparenz, mehr Beteiligung, mehr Konfliktfähigkeit. Etwas grundlegender scheint da die Forderung nach mehr Demokratieerziehung in der Schule zu sein. Projekte, wie das Bund-Länder-Programm „Demokratie lernen & leben“, das Anfang der 2000er Jahre in 13 Bundesländern lief, bieten dafür durchaus erfolgversprechende Ansatzpunkte. Dennoch wirken die praktischen Umsetzungsvorschläge oft merkwürdig verkopft. Da ist von Klassenräten und Schülervertretungen, demokratischem Schulklima und Projektunterricht die Rede. Der Fachunterricht jenseits von Politik und Gemeinschaftskunde wird dabei weitgehend ausgeklammert. Und der Schulsport kommt in diesen Programmen so gut wie gar nicht vor. Dabei hat er einiges zu bieten.