Bianca Becker

Sport als soziales Instrument

Reitunterricht
Selbstreflexion beim Umgang mit dem Pferd, Foto: ©sasapanchenko/Adobe.Stock

Bianca Becker

Außerunterrichtlicher Schulsport und Soziale Arbeit: Echtheit als Grundlage sozialverantwortlichen Schulsports

Die Umsetzung von Inklusion, die schulische und gesellschaftliche Eingliederung von Kindern mit Fluchthintergrund und die verstärkte Integration von Schülerinnen und Schülern aus bildungsfernen Milieus die schulische Integrationsaufgabe wird in Zeiten eines rasanten demografischen Wandels stärker denn je herausgefordert (vgl. Middendorf, 2016). Dem Sport wird hierbei das Potenzial zugeschrieben, bei der Bearbeitung der sozialen Probleme unserer Zeit mithelfen zu können. Ein sozialverantwortlicher Sport setzt sich dabei nicht nur zum Ziel, Benachteiligten im Sinne sozialer Gerechtigkeit einen Zugang und somit Teilhabe an unserer Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur zu ermöglichen; durch sportliche Aktivitäten sollen auch eine soziale Wirkung erzielt und soziale und personale Kompetenzen entwickelt werden (vgl. Abb. 1). Der Schulsport hat hierbei das Alleinstellungsmerkmal, einen Zugang zu allen Kindern und Jugendlichen zu bekommen.
Wie die Umsetzung eines sozialverantwortlichen Sports in der Schulpraxis gelingen kann, soll der folgende Beitrag zeigen. Zunächst wird die Jugendsozialarbeit als Vorläufer einer Arbeit mit sozial- und bildungsbenachteiligten Jugendlichen beschrieben und gezeigt, welche Vorteile der Schulsport und seine Strukturen mitbringen. Anhand ausgewählter Praxisbeispiele soll dann deutlich werden, welche Konzepte und Strategien sich Lehr- und Fachkräfte zu eigen machen, um durch Sport eine soziale Wirkung bei ihrer Schülerschaft zu erzielen. Abschließend wird resümiert, wie auch die Gestaltung künftiger Schulsportangebote von diesen Forschungsergebnissen profitieren können.
Sozialverantwortlicher Sport in Jugendsozialarbeit und Schule
„Ich glaube schon, dass die [BB: Schülerinnen/Schüler] da vieles lernen und dass es denen auch sehr viel Spaß macht und dass das wahrscheinlich auch was anderes ist, als wenn es im Unterricht passiert. Also, dass es da einen Unterschied gibt, Verantwortung zu übernehmen im Unterricht, weil da MUSS ich das jetzt unbedingt machen, aber die AG, die macht mir total viel Spaß. (Herr Imhoff, 621 ff.).
Insbesondere Schulen mit tendenziell sozial- und bildungsbenachteiligten Schülerinnen und Schülern nutzen vermehrt außerunterrichtliche Sportangebote, um die Förderung von sozialen Kompetenzen gezielt in den Blick zu nehmen und unter dem „Deckmantel des Sporttreibens soziale Verantwortung für ihre sonst eher schwer zu erreichende Schülerschaft zu übernehmen. Speziell an Brennpunktschulen liegt der Fokus hierbei darauf, dass Jugendliche ein stabiles Selbstkonzept sowie sozialverantwortliches Verhalten entwickeln und gewaltbereites, dissoziales Verhalten abbauen.
Die Idee dazu ist nicht neu: In der Jugendsozialarbeit haben sich Sport und Bewegung längst zu festen Bestandteilen in der Zusammenarbeit mit Heranwachsenden entwickelt. Sport wird hier z.B. als Wirkstoff eingesetzt, um Gewalt präventiv vorzubeugen, als Köder genutzt, um die Jugendlichen institutionell z.B. an die Jugendeinrichtung zu binden, oder als Bildungsraum verstanden, innerhalb dessen soziale, physische und psychische Erfahrungen gemacht werden können (vgl. Becker, Bindel & Heinisch, 2017). Der Schlüssel des Erfolgs scheint die Konzeption der Angebote zu sein. Die Teilnehmenden suchen hierbei andere Formen des Sports, nämlich solche, die losgelöst von Notendruck, Meisterschaften oder Trainingsdisziplin stattfinden und stattdessen Spaß und ein ungezwungenes Miteinander bieten. Eine niederschwellige Angebotsstruktur, die die Interessen, motorischen Voraussetzungen und sozialen Settings der Jugendlichen berücksichtigt, bestimmt über den Erfolg solcher Angebote in Jugendeinrichtungen mit (vgl. Schirp & Gräfe, 2011).
Schule hat, im Gegensatz zu offenen Jugendsozialeinrichtungen, den Vorteil eines leichteren Zugangs zu den Jugendlichen. Die Schülerinnen und...

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Fakten zum Artikel
aus: Sportpädagogik Nr. 6 / 2019

Außerunterrichtlicher Sportunterricht

Friedrich+ Kennzeichnung Schulleben Schuljahr 1-13