Jimmy Czimek | Simon Timmer

Volleyball in der Schule

Richtig im Kleinfeldspiel vermittelt: Gelungene Ballwechsel erhöhen die Freude am Volleyspielen
Richtig im Kleinfeldspiel vermittelt: Gelungene Ballwechsel erhöhen die Freude am Volleyspielen, © Detlef Gottwald

Jimmy Czimek | Simon Timmer

Ein Mannschaftsspiel, das alle Lernenden in jeder Klassenstufe begeistern kann

„Welche Erinnerungen verbindet ihr mit dem Volleyballunterricht in der Schule und was sind die Gründe dafür?, lautet die Einstiegsfrage in den Volleyballkursen für das Lehramt an der Deutschen Sporthochschule Köln. Die Wortmeldungen der Studierenden hierzu sind zahlreich und leider überwiegend negativ:
„Die Schlechten lassen den Ball immer fallen so kommt kein Spiel zustande.
„Beim Aufschlag und bei der Annahme des Aufschlags passieren hauptsächlich Fehler, sodass der Ballwechsel da schon zu Ende ist.
„Man steht viel und bewegt sich kaum.
„Viele haben Angst vor dem Ball.
„Ewig das Pritschen üben macht keinen Spaß.
„Man sitzt viel rum und wartet, dass man auf das Spielfeld darf.
„Die Arme tun weh vom Baggern.
Die Zahlen aus einer von Bretthauer (2018) an unterschiedlichen Schulen durchgeführten Studie von 12- bis 13-jährigen Schülerinnen und Schülern in der 7. und 8. Klasse bestätigen viele dieser Aussagen. Die durchschnittliche Ballwechseldauer von Anfängern nach einem komplett absolvierten Unterrichtsvorhaben in der Schule beträgt gerade einmal 2,8 Sekunden, die Wartespanne zwischen den Ballwechseln mit 15,9 Sekunden hingegen das Fünffache. Somit kommen die Lernenden bei einer Satzspielzeit von gut elf Minuten auf gerade einmal zwei Minuten Spielzeit. Die Ballkontaktzahl pro Ballwechsel liegt bei ernüchternden 2,2 Ballberührungen, das heißt, es kommt in der Regel nur zum Aufschlag und zur Annahme beziehungsweise zu einem Annahmeversuch. An der Anzahl von 1,3 Netzüberquerungen pro Ballwechsel – dabei ist der Aufschlag bereits eingerechnet ist abzulesen, wie schlecht es um die Spielstruktur des Volleyballspiels in der Schule leider häufig bestellt ist.
In erster Linie werden solche oder ähnliche Erfahrungen verbunden mit Volleyballunterricht gemacht, in dem das Spiel sechs gegen sechs nach nahezu offiziellen Regeln im Mittelpunkt steht oder in dem viel geübt und wenig gespielt wird. Dass dies nicht so sein muss, soll in diesem Themenheft gezeigt werden.
Motorik und Kognition
Volleyball ist nicht nur motorisch, sondern ebenso kognitiv anspruchsvoll bereits beim Erlernen der Techniken. Die Spieltechniken entspringen nicht der Alltagsmotorik. Hinzu kommen zahlreiche grundsätzliche taktische Verhaltensweisen, die erlernt werden müssen: das Erkennen und Ausnutzen gegnerischer Freiräume, die Aufteilung des eigenen Feldes zur Verteidigung durch taktische Spiel- sowie Block-Feldverteidigungssysteme.
Zudem spielt die verbale Kommunikation im Volleyball eine wichtige Rolle. Das Klären von Verantwortungs-bereichen, die Absichtsbekundung, den Ball zu spielen („Ich rufen), die Bereitschaftsbekundung, anspielbereit zu sein („Hier rufen), sowie das Ansagen des Gegnerverhaltens muss im Unterricht mit den Lernenden thematisiert werden. Diese Aspekte sollten nicht nur flächendeckend eingefordert werden, sondern auch explizit als Teil- oder Stundenziel des Unterrichts insbesondere im Hinblick auf die Berücksichtigung derPädagogischen Perspektiven in den Blick genommen werden. Hierzu ist eine verbindliche Implementierung als Sonderregel „Jeder Handlung muss ein Ruf vorausgehen als dosiert eingesetztes Mittel sinnvoll.
Auch die nonverbale Kommunikation spielt etwa durch das Abklatschen der Mitspielerinnen und Mitspieler sowie durch Kreisrituale von Teams zwischen den Ballwechseln eine bedeutende Rolle und kann gezielt in den Unterricht integriert werden.
Aufgrund des kognitiven Anspruchs des Spiels können motorische Schwächen durch (Spiel-)Intelligenz kompensiert werden, was die perfekte Symbiose von Motorik und Kognition im Volleyballspiel zeigt.
Alle zusammen
Das Volleyballspiel lebt nicht vom Einzelnen, sondern spätestens ab dem Kleinfeldspiel zwei gegen zwei vom erfolgreichen Zusammenspiel der einzelnen Teammitglieder. Einzelgänge werden nicht zum Ziel führen spätestens...

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Fakten zum Artikel
aus: Sportpädagogik Nr. 6 / 2020

Volleyball

Friedrich+ Kennzeichnung Grundlagen Schuljahr 3-13
  • Thema: Spielen
  • Autor/in: Jimmy Czimek/Simon Timmer