Amelie Ertl

Spikeball

Spikeball-Stationskarten
Spikeball-Stationskarten auf Englisch mit einfacheren und schwierigeren Übungs-Varianten, Abbildungen: Skyler Boles/spikeball.com

Amelie Ertl

Spikeball, ein neuer Trendsport aus den USA, wird nun auch in Deutschland immer beliebter. Ziel des Spiels ist es, den Ball so in ein trampolinähnliches Netz zu „spiken (engl. schmettern), dass ihn das andere Team nicht mehr erreicht und er den Boden berührt. Gespielt wird, ähnlich wie im Beachvolleyball, zwei gegen zwei, wobei es im Gegensatz dazu keine Spielfeldbegrenzung gibt. Zudem haben die Spieler nach dem Aufschlag keine festgelegten Positionen, sondern können sich frei um das Netz bewegen. Der Ball wird bis zu zweimal im Team hin und her gepasst und mit der dritten Berührung in das Netz geschlagen, wovon er abspringt und dann die gegnerische Mannschaft am Zug ist. Gezieltes Blocken oder Behindern ist dabei niemals erlaubt. Am besten wird der Ball mit den Handinnenflächen gespielt, da der Spieler hier die meiste Kontrolle hat, jedoch sind Ballberührungen mit allen Körperteilen regelkonform. Von einer offiziellen deutschlandweiten Liga kann wohl noch nicht die Rede sein; meistens wird der Sport privat in Parks, im Freibad, am Strand oder sogar im Schnee oder im Wasser gespielt. Da ein Spikeballset mit seinen Einzelteilen (fünf Rim-Stücke, fünf Posts, ein Net und ein Ball) in einem praktischen Beutel aufbewahrt ist, kann es einfach transportiert und das Spiel demnach so gut wie überall gespielt werden.
Spikeball kann zu den sogenannten Trendsportarten gezählt werden. Typisch ist hierfür eine erhöhte Schnelligkeit im Gegensatz zu vielen traditionellen Sportarten, was durch die geringe Spielerzahl und das unbegrenzte Spielfeld forciert wird. Außerdem liegt beim Spikeball vielmehr der Lifestyle des Spiels im Vordergrund, anstatt sich rein auf die motorischen Bewegungsabläufe und den Wettkampfgedanken zu konzentrieren, was ebenso typisch für Trendsportarten ist. Sichtbar wird dieser Lifestyle vor allem im Sommer in jeglichen Parks oder Außenanlagen, wenn sich dort zum gemeinsamen Spiken getroffen wird. Bei Trendsportarten ist zusätzlich eine zunehmend unverbindliche Ausübung des Sports im Gegensatz zu verbindlichen Trainingseinheiten im Verein zu erkennen. Auch dieses Merkmal trifft auf Spikeball zu, da es besonders für seine Spontanität bekannt ist, was vor allem durch das einfache Auf- und Abbauen des Sets und der örtlichen Ungebundenheit gegeben ist (Sieland, 2015). Außerdem ist ein amerikanischer Ursprung charakteristisch für Trendsportarten, was auch beim Spikeball der Fall ist. Aus diesem Grund ist es möglich und sinnvoll, Spikeball bilingual (auf Englisch) zu unterrichten, so wie es in einer Einführungsstunde zum Thema unternommen wurde. Generell sollten Trendsportarten stets ihren Platz im Schulsport finden, nicht zuletzt ,um der Lebenswelt der Jugendlichen näher zu kommen und den aktuellen Entwicklungstendenzen der gesellschaftlichen Sport- und Bewegungskultur gerecht zu werden. Im Fachlehrplan Sport des LehrplanPlus für das Gymnasium in Bayern sind bereits alternative Sportspiele wie Beachtennis, Flag-Football oder Ultimate Frisbee verankert (ISB, 2019). Vor diesem Hintergrund hat auch Spikeball das Potenzial, als neue Trendsportart im Sportunterricht zu fungieren.
Didaktischer Kommentar
Die Sportart bietet vielzählige Möglichkeiten zum Erlernen und Verfestigen der koordinativen Fähigkeiten mit dem Ball wie beispielweise die Differenzierungsfähigkeit und die Reaktionsfähigkeit, welche durch das ständig wechselnde Rebound-Verhalten des Balls gefördert werden. Auch die Orientierungsfähigkeit spielt eine große Rolle, da der Ball in jede Richtung geschlagen werden (und abspringen) kann und somit unberechenbare Spielzüge dominieren. Darüber hinaus beweist sich Spikeball im Feld der Ballsportspiele als eine attraktive Alternative, nicht zuletzt, da die Konstellation Ball plus Trampolinnetz in der Bewegungskultur der Kinder und Jugendlichen relativ neu ist, mal abgesehen von Tchoukball. Spikeball erweist sich zusätzlich als pädagogisch wertvoller Unterrichtsgegenstand, da die...

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Fakten zum Artikel
aus: Sportpädagogik Nr. 6 / 2019

Außerunterrichtlicher Sportunterricht

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (45-90 Min) Schuljahr 1-13
  • Thema: Spielen
  • Autor/in: Amelie Ertl