Sophie Spann-Broniecki

Druck im Volleyballspiel

Den Ist-Zustand beobachten, einschätzen und dokumentieren
Den Ist-Zustand beobachten, einschätzen und dokumentieren, © Sophie Spann-Broniecki

Sophie Spann-Broniecki

Mithilfe des KAR-Modells analysieren die Lernenden die Druckbedingungen im Spiel und verbessern ihre Spielfähigkeit

Volleyball ist als der zentrale Mannschaftssport in unserer Schule in jedem Schuljahr curricular verankert. Es baut spiralförmig vom 2-mit-2-Ball über die Schnur in Klasse 5 bis zum 6 gegen 6 mit Läufersystem im Sportleistungskurs auf die Unterrichtsvorhaben der vorhergehenden Klassenstufen auf. Dabei sollen die Schülerinnen und Schüler von Beginn an die notwendigen Fähig- und Fertigkeiten für ein gelingendes und lustvolles Volleyspiel erlernen − auch über die Schulzeit hinaus. In der von mir übernommenen 9. Klasse ist jedoch nach vier Unterrichtsvorhaben zum Sportspiel Volleyball in den Vorjahren die Lust am Spiel deutlich gebremst. Die Lernenden begründen das mit dem bislang wenig erfolgreichen Zusammenspiel und dem Gefühl der Überforderung. Die meisten meiner Neuntklässler fühlten sich „unfähig, Volleyball zu spielen.
Ursachen finden, erklären und umwandeln der KAR-Ansatz
Zu Beginn der Einheit möchte ich die spielerischen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler in einer Diagnosestunde einschätzen, um herauszufinden, inwiefern ihre Selbsteinschätzung begründet ist. Die wichtigsten Bewegungsmerkmale der Grundtechniken werden dabei auf der Tafel dargestellt. Nach einer kurzen Übungsphase erfolgt dann das Diagnosespiel im 4 gegen 4 mit 3er-Annahmeriegel. Dort versuchen die Schüler und Schülerinnen, die Techniken im Spiel so gut wie möglich umzusetzen. Die Spieler der Teams, die gerade nicht aktiv am Spiel teilnehmen, erhalten den Arbeitsauftrag, die Annahme- beziehungsweise Stellversuche der spielenden Mannschaften gezielt zu verfolgen. Dazu beobachtet jeder Lernende nur eine Spielsituation bei der anderen Mannschaft. Also entweder die Annahme (von unten oder oben) oder die Zuspielsituation (unten oder oben). In höheren bzw. spielerisch fortgeschritteneren Stufen kann zudem die Aufschlags- und die Angriffssituation hinzugenommen werden. Die Beobachtung des Aufschlags dient in dieser Unterrichtsreihe als didaktische, aber ungenutzte Reserve. Die Beobachtungen zur oberen Annahme/Pritschen, unteren Annahme/Baggern sowie oberem Zuspiel/Pritschen und unterem Zuspiel/Baggern halten die Lernenden quantitativ auf je einem Arbeitsblatt in drei qualitätsbezogenen Kategorien fest (Arbeitsblatt ). Diese übertragen die Lernenden beim Mannschaftswechsel auf eine große Zielscheibe, auf der die Spielsituationen vereinfachend in „Pritschen und „Baggern zusammengefasst sind. Dabei werden gute (+), suboptimale (0) und misslungene (-) Ausführungen der Techniken auf den Ringen der Zielscheibe entsprechend innen, mittig und außen gekennzeichnet. Diese Form der Visualisierung dient in der nachfolgenden Reflexionsphase als Gesprächsgrundlage. Denkbar wäre hier zur spezifischeren Reflexion in höheren Klassen zur Unterscheidung der Spielsituationen Annahme und Stellversuch, mit unterschiedlichen Farben für die Kreuze zu arbeiten. Annahmesituationen könnten in der Zielscheibenspalte „Baggern und „Pritschen beispielsweise mit grünen Kreuzen versehen werden und die Stellversuche entsprechend andersfarbig.
Das Ergebnis der Diagnosestunde ist wie vermutet: Die Spielfähigkeit der Neuntklässler ist hinsichtlich der sicheren Annahme und des zielgerichteten Stellversuchs im Komplexspiel mangelhaft und weitestgehend im äußersten Bereich der Zielscheibe zu finden. Im Vergleich dazu weisen die Lernenden weitestgehend gute bis teilweise sehr gute Volleyfertigkeiten auf, wie sich in den anschließenden komplexitätsreduzierten Spiel- und Übungssituationen zeigt, beispielsweise im Spiel 1 mit 1.
Überforderungssituationen
Auf der Suche nach Ursachen für diese Diskrepanz nennen die Jugendlichen abschließend verschiedene Überforderungssituationen, die auf zu hohe koordinative Anforderungen im Komplexspiel zurückzuführen sind: zum Beispiel, wer zum Ball geht, wem zugespielt werden soll. Hier...

Friedrich+ Sport

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt ganz einfach mit F+ weiterlesen

  • 30 Tage kostenloser Vollzugriff
  • 5 Downloads gratis enthalten

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Sport

Fakten zum Artikel
aus: Sportpädagogik Nr. 6 / 2020

Volleyball

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 5-10
  • Thema: Spielen
  • Autor/in: Sophie Spann-Broniecki