Michael Korn

Vom Rangeln und Raufen

Zwei Mädchen im Reiterkampf
Spannende Zweikämpfe mit einfachen Mitteln, Foto: Volker Minkus

Michael Korn

Ein Weg zum Kämpfen im Sportunterricht

Rangeln, Raufen und spielerisches Kämpfen ist aus mehreren Perspektiven bedeutsam. So können soziale Kompetenzen und das Selbstbewusstsein gefördert und auf der anderen Seite Bewegungserfahrungen erweitert sowie die körperliche Leistungsfähigkeit gesteigert werden.

Sich beim Rangeln und Raufen innerhalb eines festgelegten Regelwerks zu messen und zu behaupten, kann das Selbstwertgefühl der Schülerinnen und Schüler stärken. Regeln und Rituale zu beachten, das Kräftemessen sowie Sieg und Niederlage zu erleben und zu akzeptieren, können einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler leisten. Gewinnen und Verlieren liegen nah beieinander. Wichtig ist, die Erfahrung beider Perspektiven zu machen, um den Umgang damit zu erlernen. Aus Fehlern lernen, seine Kompetenzen erweitern das ist das große Potenzial dieses Bewegungsfeldes im Unterricht.
Eine weitere große Chance besteht darin, dass hier mitunter Lernende ihre Stärken einbringen, die sonst im Sportunterricht nicht zu den leistungsstarken Schülerinnen und Schülern gehören, weil beim Kämpfen andere Fähigkeiten gefordert sind.
Wichtig ist die Heranführung an das Kämpfen: Nicht jeder kann und möchte gleich körperlichen Kontakt herstellen. Die Distanz muss zuerst überwunden werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, die Heranführung an das Kämpfen methodisch aufzubauen.
Regeln und Rituale sind dabei von besonderer Bedeutung. Alle Schülerinnen und Schüler müssen sich auf die Einhaltung der Regeln verlassen können. Ebenso wichtig ist der Respekt vor dem Gegner. So sollten grundsätzlich einige Regeln mit der Klasse erarbeitet und vereinbart werden:
Wir tun unserem Partner nicht weh und wir verletzen niemanden absichtlich!
Stopp heißt Stopp! Das Spiel wird sofort unterbrochen!
Wir setzen ein Zeichen des Respekts und der Achtung und verbeugen uns vor jedem Kampf.
Wir helfen uns gegenseitig!
Unfaires Verhalten wie Beißen, Spucken oder Kratzen sind untersagt.
Bei allen Spielen sollte möglichst die Freude an der Bewegung im Vordergrund stehen. Der spielerische Charakter sollte nicht verloren gehen. Um sich an das freie Kämpfen heranzutasten, wird im Folgenden ein Weg vorgeschlagen, der sich bereits in vielen Lerngruppen bewährt hat.
Vielfältige Spielformen
Körperkontakt aufbauen
Körperkontaktspiele können Fangspiele, Vertrauens- oder Geschicklichkeitsspiele sein, bei denen sich die Schülerinnen und Schüler an den Kontakt zum Körper der Mitschüler gewöhnen können.
Atomspiel
Zum einen dient das Spiel der Gruppenbildung, zum anderen der Herstellung von Körperkontakt. Die Schülerinnen und Schüler laufen durcheinander, dabei kann die Lehrkraft unterschiedliche Bewegungen und Übungen vorgeben. Auf Ruf oder Pfiff des Spielleiters hin bilden die Lernenden möglich schnell eine Gruppe nach den Vorgaben des Spielleiters. Dieser sagt die Gruppengröße an oder zeigt sie mit seinen Fingern. Sobald die Gruppen gebildet sind, stellt der Spielleiter Aufgaben, etwa den Kleinsten oder den Größten zu tragen. Alternativ werden kleinere Kooperationsaufgaben aufgegeben, die die Gruppen gemeinsam lösen müssen. Zum Beispiel: Bildet eine 4er-Gruppe; es dürfen noch zwei Füße, zwei Knie und zwei Hände den Boden berühren!
Partnerklettern
Die Spieler laufen durcheinander. Auf Kommando des Spielleiters gehen sie paarweise zusammen. Einer der Spieler umklammert seinen Partner von vorn. Die Beine des Umklammernden sind vom Boden gelöst (Grätschsitz). Nun versucht dieser, um seinen Partner herumzuklettern, ohne dabei den Boden zu berühren. Das Spiel ist eine Teamaufgabe: Die Mithilfe des „Trägers ist ausdrücklich erlaubt. Es kann auch zu dritt gespielt werden, dann gibt die dritte Person Hilfestellung.
Es gibt zahlreiche Spiele, bei denen unmerklich Körperkontakt hergestellt werden kann. Dabei ist mit der Lerngruppe zu thematisieren, dass auch Aspekte wie „sich helfen lassen oder „im...

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Fakten zum Artikel
aus: Sport und Spiel Nr. 1 / 2018

(Zwei-)Kämpfen

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 5-13