Franziska Mendler

Same same but different

Fairness
Fair gegeneinander kämpfen: den kämpferischen Umgang erproben, Chancenungleichheiten reflektieren, Foto: © WavebreakMediaMicro/stock.adobe.com

Franziska Mendler

„Wie schaffen wir es, dass jede und jeder gewinnen kann? Reflektierte Praxis im Unterrichtsalltag

Wir wollen miteinander gegeneinander fair kämpfen das ist unser gemeinsames Ziel für die nächsten sieben Unterrichtsstunden. Viele Schülerinnen und Schüler der Klasse 7 haben sich diese Thematik gewünscht, da bisher nur in Klasse 5 grundlegende Erfahrungen im Bereich Ringen und Kämpfen gesammelt werden konnten und der Wunsch nach einem Klassenturnier besteht. Unser schulinterner Lehrplan sieht zudem eine Vertiefung im Bewegungsfeld Ringen und Kämpfen mit zwei Unterrichtsvorhaben in Klasse 7 vor und legt ein Hauptaugenmerk, im Sinne einer reflektierten Praxis, auf die drei Aspekte „die eigene Kraft erproben und verbessern, „die Chancengleichheit von Kampfpaarungen in Kampfsituationen beurteilen und „körperlich bedingte Vor- und Nachteile erkennen, benennen und Nachteilsausgleiche entwickeln und umsetzen.
In Anbetracht des Alters der Schülerinnen und Schüler sowie individuell deutlich unterschiedlicher Voraussetzungen bietet ihnen das vorliegende Unterrichtsvorhaben nun schwerpunktmäßig die Möglichkeit, individuelle Zweikampfvoraussetzungen wahrzunehmen, im kämpferischen Umgang mit anderen zu erproben und hinsichtlich möglicher Chancenungleichheiten zu reflektieren. In diesem Zusammenhang sollen die Schülerinnen und Schüler weiterhin lernen, sich auf verschiedene Partnerinnen oder Partner einzustellen und faire Wettkampfvoraussetzungen zu schaffen. Ein wesentliches Ziel im Sinne eines fairen Kampfes besteht daher in der Überwindung dieser Ungleichheiten, indem sie Handicaps erproben, entwickeln und diese auf ihre Eignung hin beurteilen.
Das Unterrichtsvorhaben
Die Lernenden freuen sich auf das Vorhaben und sind sehr motiviert bei der Sache. Unser Ziel ist es, am Ende des Unterrichtsvorhabens ein faires Klassenturnier mit allen Lernenden durchführen zu können. So ist das vierwöchige Unterrichtsvorhaben in sechs Einzelstunden gegliedert und schließt mit einem Bodenkampfturnier in der siebten Einzelstunde (K1 ).
Zu Beginn des Vorhabens erarbeiten wir, was faires Ringen und Kämpfen bedeutet und wie wir fair gemeinsam kämpfen können. Regeleinhaltung, Vertrauen, Sicherheit, Freiwilligkeit, Fairness, Rücksichtnahme und das Anwenden der Techniken werden als Kriterien erarbeitet und auf einem Regelplakat festgehalten (Abb. 1) . Das „Stopp-Signal und das „Abklopfen des Kampfes auf dem Boden stellen in diesem Kontext eine unserer wichtigsten Regeln dar. Denn: „Niemand macht etwas, das er oder sie nicht möchte! Über solche Unterrichtsgespräche erkennen die Schülerinnen und Schüler zudem die Notwendigkeit und Bedeutsamkeit von Ritualen beim Ringen und Kämpfen. Ich erkläre den Schülerinnen und Schülern beispielsweise, dass man in den Kampfsportarten darüber den Respekt für das Gegenüber ausdrückt.
Aufgrund der insgesamt geringen Vorkenntnisse der Lerngruppe begeben sich die Schülerinnen und Schüler zunächst in Vertrauens-, Verantwortungs- und Kooperationsspiele, zum Beispiel „tragende Hände, „Vertrauenslauf/Tunnelsprint oder „Obstkorb (die Lernenden werden in Obstsorten eingeteilt. Nach Stoppen der Musik und Zuruf der Obstsorten, finden sich die Lernenden auf verschiedenen „Obstkörben wie Matteninseln, Langbänken oder Sprungkästen zusammen). In einem weiteren Schritt geht es dann darum, das Gegenüber in unterschiedlichen Zweikampfsituationen (Zieh- und Schiebekämpfe, Kampf um den Medizinball, Kniekampf) aus dem Gleichgewicht zu bringen und folglich spielerisch die eigenen Kräfte zu erproben. Dies soll dabei helfen, individuelle, bspw. körperliche oder technische Voraussetzungen, zu erfahren und sich auf Zweikampfsituationen einzustellen. In dieser ersten Erprobungsphase werden neben dem klassischen Verbeugen auch erste eigene Tandemrituale geboren, die Schülerinnen und Schüler bekommen Zeit, selbst kreativ zu werden: Hand schütteln, mit „High five abklatschen oder...

Friedrich+ Sport

Sie sind bereits Abonnent?

Mein Konto

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Sport!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften sportpädagogik und Sport & Spiel
  • Umfassendes Archiv mit über 250 Beiträgen, Unterrichtseinheiten, Stundenentwürfen, Bildreihen, Aufbauplänen, Spielideen u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge mit Unterrichtseinheiten zu lehrplanrelevanten Themen

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Sport

Fakten zum Artikel
aus: Sportpädagogik Nr. 2 / 2020

Reflektierte Praxis

Friedrich+ Kennzeichnung Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 7-7