Martin Baschta

Spielerische Ausdauerschulung

Abb. 1
Abb. 1 , Illustration: © Hendrik Kranenberg

Martin Baschta

Ausdauerschulung muss nicht langweilig sein! Lange Läufe über große Distanzen bereiten den wenigsten Schülerinnen und Schülern Spaß, zumal wenn sie auf dem monotonen Sportplatz durchgeführt werden. Man kann jedoch auch spielerisch eine Verbesserung der Ausdauer erreichen ohne dass die Schülerinnen und Schüler die Freude an der Bewegung verlieren.

Meiner Meinung nach lässt sich mit kleinen Laufspielen das Thema Ausdauer sehr gut für Schülerinnen und Schüler aufbereiten. In der einschlägigen Fachliteratur werden Laufspiele traditionell in Wettläufe, Staffeln, Platzsuchspiele und Haschespiele eingeteilt. Im Gegensatz zu dieser sich in erster Linie auf unterrichtspraktische Organisationsformen beziehenden Zuordnung können Laufspiele aber auch in die folgenden fünf Kategorien eingeteilt werden: Fangen, Kooperieren, Geschicklichkeit, Belasten und Erholen sowie Trainieren. Vor allem mit Laufspielen der beiden letztgenannten Kategorien besteht die Möglichkeit, Ausdauerschulung im Sportunterricht für Schülerinnen und Schüler einfach und spannend zugleich zu inszenieren. Dabei kann die Ausdauer, genauer gesagt die allgemeine aerobe Ausdauer, fast nebenher, aber eben doch gezielt verbessert werden.
Eine ganz entscheidende Voraussetzung muss allerdings erfüllt sein, um die positiven Auswirkungen eines Ausdauertrainings überhaupt nutzen zu können: Die Belastung muss an die unterschiedlichen persönlichen Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler angepasst sein. Zur Kontrolle der Trainingsbelastung bietet sich das subjektive Belastungsempfinden an. Hierunter wird diejenige Beanspruchung verstanden, die die Schülerinnen und Schüler während der Belastung individuell wahrnehmen und beurteilen. Rückwirkend hat dieses immer auch einen Einfluss auf die Belastung, sodass diese relativ einfach über das subjektive Belastungsempfinden gesteuert werden kann.
Im Sportunterricht sollen die Schülerinnen und Schüler lernen, die Belastung selbstständig zu dosieren. Eingebettet in ein Unterrichtsvorhaben zum Thema Ausdauer und Ausdauertraining bietet es sich daher an, die körperlichen Erfahrungen während und nach der Belastung gemeinsam zu reflektieren. Wenn es den Schülerinnen und Schülern nämlich ermöglicht wird, die Reaktionen ihres Körpers zu reflektieren, wenn sie Belastungen individuell einschätzen und selbstständig dosieren dürfen, wenn sie lernen, wann eine Belastung für sie persönlich angemessen ist und ab welchem Zeitpunkt sie sich zu stark belasten, dann erst werden sie langfristig auch dazu befähigt, sich selbst zu trainieren. Wie dies im Sinne eines erziehenden Sportunterrichts gelingen kann, wird exemplarisch an drei Doppelstunden beschrieben.
1. Doppelstunde: Laufquiz
In dieser Unterrichtsstunde geht es darum, dass die Schülerinnen und Schüler den Zusammenhang zwischen Belasten und Erholen während des Laufens bewusst wahrnehmen. Dabei sollen sie die zahlreichen körperlichen Reaktionen ihres Körpers erspüren und anschließend gemeinsam reflektieren.
Einstieg
Zu Beginn der Unterrichtsstunde laufen die Schülerinnen und Schüler hintereinander im Kreis um ein mit Hütchen abgestecktes Spielfeld herum. Der jeweils letzte Schüler sprintet auf ein Signal der Lehrkraft nach vorn und verlangsamt dort sofort wieder das Lauftempo (Abb.1 ). Nach einer Runde wechselt die Aufgabe für die Schülerinnen und Schüler wie folgt: Sie sollen jetzt die Abstände zueinander etwas vergrößern, sodass der jeweils letzte Lernende im Slalom nach vorn durchlaufen kann. Richtig lustig kann es in der dritten Runde werden, falls keine Abstandsregeln einzuhalten sind: Jetzt werden die Abstände zueinander wieder verkleinert. Dennoch soll weiterhin im Slalom nach vorn durchgelaufen werden, was zu engem Körperkontakt der Schülerinnen und Schüler untereinander führt.
Erarbeitung
Die Klasse wird in vier Mannschaften eingeteilt. Die Schülerinnen und Schüler jeder Mannschaft stellen sich hintereinander an einem Hütchen auf und...

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Fakten zum Artikel
aus: Sportpädagogik Nr. 5 / 2020

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