Peter Neumann

Schnelligkeitstraining – eine Option im Sportunterricht!

Peter Neumann

Gerd Thienes & Kathrin Randl (2020)
Schnelligkeitstraining
Limpert Verlag
150 Seiten, 19,95 €
Schnelligkeitstraining und Sportunterricht passen zunächst nicht richtig zusammen. Die organisatorischen Bedingungen und personellen Voraussetzungen sowie die pädagogischen Ziele des Sportunterrichts lassen Bedenken aufkommen, wenn man an ein systematisches und längerfristiges Schnelligkeitstraining denkt, wie es in leistungssportlich geprägten Sportvereinen durchgeführt wird oder werden könnte. Deshalb richtet sich dieses Buch auch an Übungsleiterinnen und Übungsleiter und an Trainerinnen und Trainer. Da Sportlehrkräfte nicht explizit ausgeschlossen werden, riskieren wir doch einen Blick in das Buch und prüfen, ob und inwieweit sportunterrichtlich Interessierte profitieren könnten.
Das Buch beinhaltet drei Kapitel: knappe und prägnante Ausführungen zu den trainingswissenschaftlichen Grundlagen (1), kurz gefasste Hinweise zum Schnelligkeitstraining (2) sowie umfängliche Empfehlungen und praktische Beispiele zum Schnelligkeitstraining (3).
Einleitend machen Thienes und Randl klar, dass Schnelligkeit ein überaus komplexes Thema innerhalb der Trainingswissenschaft ist. Neben konditionellen sind auch koordinative Anteile und mentale Prozesse zu berücksichtigen. Faktisch ist Schnelligkeit in den unterschiedlichsten „Ausprägungen (S. 7) in der Praxis des Sports vorhanden und als leistungslimitierender Faktor an vielen sportlichen und spielerischen Handlungen beteiligt.
Vor diesem Hintergrund unterscheidet das Autorentandem in eine elementare (motorische) und eine komplexe (sportartspezifische) Schnelligkeit. Erstere umfasst die Reaktionsschnelligkeit, die azyklische Bewegungsschnelligkeit sowie die zyklische Bewegungsfrequenz und meint die Fähigkeit, „auf einen Reiz in kürzester Zeit zu reagieren und Bewegungen (azyklisch oder zyklisch) unter den gegebenen Bedingungen mit minimiertem Zeitaufwand auszuführen (S. 12). Komplexe Schnelligkeit beinhaltet verschiedene Formen oder Anteile von Schnelligkeitsleistungen, die als Handlungs- und Entscheidungsschnelligkeit, Fortbewegungsschnelligkeit, Schnellkraft sowie Schnelligkeitsausdauer ausgewiesen und erläutert werden.
Auf dieser Basis werden in Kapitel 2 trainingsmethodische Überlegungen und ausgewählte Tests zur Diagnose von Schnelligkeitsleistungen vorgestellt. Rückgreifend auf die eingangs vorgestellte Unterscheidung in elementare und komplexe Schnelligkeit werden je zwei Methoden ausgeführt, die das Training informativ-koordinativer Anforderungen und das Training energetisch-konditioneller Anforderungen betreffen(Schnellkraft, Schnelligkeitsausdauer). Grundlegend im Sinne von voraussetzend für komplexe motorische Schnelligkeitsleistungen wird das Training der elementaren Schnelligkeit angesehen, das aufgrund früher abgeschlossener Entwicklungsverläufe schon im Kindes- und Jugendalter dosiert eingesetzt werden kann (S.  21). Für den Sportunterricht könnte die Empfehlung lauten: nach Erwerb und Festigung von (einfachen) Bewegungstechniken auch auf Geschwindigkeitssteigerungen und Beschleunigungsmaximierungen zu achten und die Lernenden gut gekonnte Bewegungen unter koordinativem Zeitdruck oder Handlungen in reduzierten Zielspielsituationen unter steigendem Entscheidungsdruck ausführen zu lassen.
Nach einer verständlichen Vorstellung einiger basaler Testverfahren zur Schnelligkeitsdiagnose geht es im umfangreichen Praxisteil um praktische Beispiele zum Training der Koordinationsschnelligkeit (S.  3686), um ein „Basisprogramm zum Training der Rumpfstabilität (S. 87-96) sowie um Beispiele für ein Training der Schnellkraft und der Schnelligkeitsausdauer inklusive einiger Vorschläge für ein spielerisches Training auf der Basis von kleinen (und zumeist bekannten) Lauf- und Fangspielen.
Die Praxisbeispiele werden einheitlich und systematisch beschrieben und mithilfe von Piktogrammen und Zeichnungen gut illustriert. Das Gemeinte ist leicht...

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Fakten zum Artikel
aus: Sportpädagogik Nr. 6 / 2020

Volleyball

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