Joanna Skiba

Ixcanul. (Alb-) Träume am Fuß des Vulkans?

Ausbrechender Vulkan
So wie der brodelnde Vulkan auszubrechen droht, so will auch María ihrem durch die Traditionen vorbestimmten Leben im Hochland von Guatemala entfliehen., © Rick Thomas, CC-BY 3.0

Joanna Skiba

Die Schülerinnen und Schüler begegnen im Film Ixcanul der jungen Maya-Frau María und lernen die Kultur der Kaqchikel-Maya kennen, zu der sie gehört. Sie reflektieren die Fremdheitserfahrungen, die mit Begegnungen wie dieser verbunden sind, und werden so auch über diesen sehenswerten Film hinaus sensibilisiert für interkulturellen Begegnungen mit fremden Kulturen.

Ixcanul – dies bedeutet in Kaqchikel „Die Kraft, die im Innern des Berges brodelt und hinauswill.1 So wie der brodelnde Vulkan auszubrechen droht, der wie ein göttliches Wesen über das Leben des ihm zu Füße lebenden Volkes bestimmt, so will auch die 17-jährige Maya-Frau María ihrem behüteten und vorbestimmten Leben im Hochland von Guatemala entfliehen, um die Liebe zu Pepe auf der anderen Seite des Berges auszuleben.
Marías Lebensweise und die Erfahrungen, die sie macht, schildert der guatemaltekische Regisseur Jayro Bustamante in seinem mit dem Silbernen Bären der Berlinale 2015 ausgezeichnete Spielfilm „Ixcanul (2015).
Die Handlung des Films
Die junge Kaqchikel-Maya-Frau María lebt mit ihren Eltern auf einer Kaffeeplantage am Fuß eines aktiven Vulkans im Hochland von Guatemala. Sie träumt davon, die Welt jenseits des Vulkans an der Seite ihres Schwarms, des jungen Kaffeepflückers Pepe, zu erleben, obwohl sie auf Wunsch ihrer Eltern mit Ignacio, dem Vorarbeiter auf der Plantage, verheiratet werden soll. Doch dies bringt María nicht von ihren Plänen ab, ihrer Liebe zu folgen und der indigenen Lebensweise zu entfliehen. Sie gibt sich Pepe hin, in der Hoffnung, dass er sie eines Tages in die USA mitnimmt. Doch dieses Versprechen vom gemeinsamen Leben in einem Land, wo man Häuser mit Gärten, Autos und fließendem Wasser vorfindet, erfüllt er nicht: Er verlässt seine Heimat ohne María. Daraufhin entschließt sie sich, Guatemala auf eigene Faust zu verlassen und Pepe zu folgen. Doch sie kommt nicht weit, denn sie wird auf ihrem Fluchtweg von Ignacio aufgehalten. Es stellt sich heraus, dass María schwanger ist. Juana, ihre Mutter, setzt daraufhin ihre Kenntnisse über Rituale und Medizin aus der Maya-Tradition ein, damit das Kind abgetrieben wird. Als ihr dies nicht gelingt, nutzt sie von da an ihren Glauben an die Gottheiten der Natur, um den Schutz für das Kind zu erbitten.
Die Familie erlebt einen schweren Schicksalsschlag: María soll durch die magischen Kräfte, die ihr die Schwangerschaft verleiht, Maisfelder von Schlangen befreien; dabei wird sie gebissen. Sie wird ins Krankenhaus in die Stadt gebracht, wo die Familie aufgrund ihrer fehlenden Spanisch-Sprachkenntnisse ganz auf Ignacios Übersetzung angewiesen ist. Hier wird Maria Opfer eines organisierten Verbrechens: Das Kind wird geraubt und zur Adoption ins Ausland gebracht. Maria wird in dem Glauben gelassen, dass das Baby gestorben sei. Nach einiger Zeit spürt Maria jedoch, dass ihr Kind lebt. Um die Wahrheit herauszufinden, lässt sie den Sarg öffnen; er ist leer. Vergeblich versuchen ihre Eltern mithilfe von Ignacio, den Tatbestand in der Stadt zu klären, doch sie erfahren nie, was wirklich mit dem Baby passiert ist.
Dennoch nimmt Marias Geschichte einen positiven Ausgang. Mit der Unterstützung ihrer Mutter, die María die Weltanschauung der Mayas vermittelt, nimmt sie „den Rhythmus eines Lebens auf, das vom Glauben und den Traditionen der Vorfahren bestimmt wird.2 María findet schließlich Linderung, Heilung und Erfüllung in ihrer Kultur und in der sie umgebenden Natur.
Zuletzt blickt man in das Gesicht einer jungen Frau, die am Ende eine andere ist – eine reife, lebenserfahrene, aber durchaus hoffnungsvolle María, die ihren Weg am Fuß des heimatlichen Vulkans weiter gehen wird. Diese Kameraeinstellung nimmt den Anfang des Films wieder auf und lässt so die Beständigkeit und zugleich die Entwicklung erkennen.
Authentizität der Filmaufnahmen
Bereits die erste Szene, in der man in das schöne, verträumte, aber auch traurige Gesicht der jungen Frau sieht,...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Spanisch Nr. 64 / 2019

Indígenas

Premium-Artikel aus "Unterricht Spanisch" Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13