Andrea Rössler

Audiovisuelle Texte im Spanischunterricht verstehen

Person guckt Film auf einem Tablet.
Ein Hören und Sehen in Abschnitten erleichtert die Rezeption audiovisueller Texte., Foto: © terovesalainen/stock.adobe.com

Andrea Rössler

Die Faszination, die von audiovisuellen Texten ausgeht, ist ungebrochen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Für den Fremdsprachenunterricht sind sie somit sehr attraktiv. Allerdings sind authentische audiovisuelle Texte nicht immer leicht zu verstehen. Aber was heißt das, ein Video oder einen Film hörend und sehend „verstehen? Der Basisartikel beleuchtet diese Frage aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Die Zeiten, in denen Videos und Filme nur am Ende einer Unterrichtseinheit oder des Schuljahres im Spanischunterricht eingesetzt wurden, sind längst vorbei. Audiovisuelle Texte gehören heute zum selbstverständlichen Repertoire des Fremdsprachenunterrichts und kommen mittlerweile auch in Prüfungen zum Einsatz. Die Gründe für ihre Attraktivität sind vielfältig: Immer wieder angeführt werden die Omnipräsenz audiovisueller Medien in der Erfahrungswelt der Schülerinnen und Schüler und die Möglichkeit eines „ganzheitlicheren Einblick[s] in zielsprachliche Kommunikation, der mehr auf Realsituationen vorbereiten kann als reines Hörverstehen (Koch 2016: 33f.). Die Verbindung von Bild und Ton hat zudem aus psycholinguistischer Perspektive Vorteile für das Fremdsprachenlernen: Die duale Codierung verspricht einen höheren und längeren Behaltenseffekt. Für das interkulturelle Lernen können audiovisuelle Texte mehrkanalige Einblicke in die Zielsprachenkulturen bieten – und authentischen Input für das Fremdsprachenlernen, der auch zielsprachliche Varietäten und deren spezifische Gestik und Mimik beinhaltet. Für den curricularen Bereich „Umgang mit Texten und Medien sind audiovisuelle Texte interessant, weil sie in ihren fiktionalen Spielarten motivierende Zugänge zu ästhetischer Kommunikation bieten können. Nicht zuletzt erzeugen bewegte und vertonte Bilderwelten häufiger Emotionen als andere Medien; auch diese Effekte können für das Fremdsprachenlernen von Vorteil sein (vgl. dazu Blume 2018).
Trotzdem stellen Videos und Filme im Fremdsprachenunterricht aus methodisch-didaktischer Sicht noch immer eine größere Herausforderung für die Lehrenden dar als Lesetexte. Die Ziele, die mit ihnen im Spanischunterricht verfolgt werden sollen, scheinen für die Lehrenden weniger klar; auch die enorme Bandbreite an Übungen und Aufgaben zu ihrer Erschließung führt zu Verunsicherungen. Zudem sind es oft scheinbar ganz einfache Fragen wie etwa „Darf/soll ich den Film mit Untertiteln zeigen?, die Lehrende davon abhalten, im Unterricht mit Filmmaterial zu arbeiten. Um Antworten auf diese und weitere Fragen geben zu können, gilt es zunächst, ein paar grundsätzliche Überlegungen zu der funktionalen kommunikativen Kompetenz anzustellen, um die es hier letztlich geht: das Hörsehverstehen.
Konzeptualisierungen und Schreibweisen
Die Unsicherheiten der Lehrenden, die eingangs skizziert wurden, dürften zu einem Teil darin begründet liegen, dass das Hörsehverstehen nach wie vor verschieden konzeptualisiert wird, ohne dass dies genügend explizit und transparent gemacht würde. In fremdsprachenpolitischen Richtlinientexten wie Curricula und Bildungsstandards wird die Kombination von Hören und Sehen nicht als eigenständige Kompetenz verstanden, sondern als Hörverstehen, das visuell unterstützt und ergänzt wird, eben als „Hör-/Sehverstehen (vgl. Koch und Kräling, beide 2016). Die kommunikative Funktion, die hier im Fokus steht, ist das informationsentnehmende Hören, das durch visuellen Input gestützt wird. Diese Konzeptualisierung des Hör-/Sehverstehens und die entsprechende Schreibweise gehen zurück auf die Bildungsstandards für die erste Fremdsprache (vgl. dazu Grotjahn/Porsch 2015).
In der fremdsprachendidaktischen Literatur wurde die den Bildungsstandards folgende Konzeptualisierung von Anfang an kritisch betrachtet. Thaler (2007) wies schon früh darauf hin, dass es problematisch ist, das „Hör-Seh-Verstehen dem Hörverstehen einfach unterzuordnen und nur als bildgestütztes Hörverstehen zu...
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Fakten zum Artikel
aus: Unterricht Spanisch Nr. 70 / 2020

Comprender textos audiovisuales

Premium-Artikel aus "Unterricht Spanisch" Methode & Didaktik Schuljahr 6-13