Barockliteratur

Der Deutschunterricht Nr. 5/1985

Bestellnummer: 520005
Medienart: Zeitschrift
Erscheinungsdatum: Mai 1985
Schulstufe / Tätigkeitsbereich: Sekundarstufe
Schulfach / Lernbereich: Deutsch
Preis: 20,50 € *
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Autor: Roloff, Hans-Gert
Titel: Deutsche Literatur des 17. Jahrhunderts und Schule.
Quelle: In: Der Deutschunterricht,(1985) 5, S. 5–14

Abstract: Die Ausgangsthese des Aufsatzes, dass eine staerkere Beruecksichtigung von deutscher Literatur des 15., 16. u. 17. Jahrhunderts in der Schule sinnvoll sei, findet ihre Begruendung vorwiegend in den politischen und gesellschaftlichen Wandlungen jener Zeit, die literarisch erfahrbar zu machen eine Aufgabe des Deutschunterrichts sei. Das uebergeordnete Ziel der Vermittlung eines humanen Gleichgewichts in der Weltsicht steht dabei im Hintergrund. Dies gilt um so mehr, als sich vor allem die Literatur des 17. Jahrhunderts durch eine aesthetische Formkultur hoechsten Anspruchs auszeichnet. In der Forschung des 20. Jahrhunderts finden sich zwei Perioden einer verstaerkten Zuwendung zu jener Literatur. In den 20er Jahren wurde der Reiz des Barock wiederentdeckt, waehrend in den 60er Jahren die Rhetorik des Barock im Mittelpunkt der Betrachtung stand. Diese zeichnet sich durch eine dualistisch-antithetische Grundstruktur der Welterfahrung und durch virtuose sprachliche Gestaltung aus. Der Dualismus von Lust und Verzweiflung im diesseitigen Leben bleibt immer auf die Erloesungshoffnung in der Transzendenz bezogen. Durch die rhetorische Schulung der Autoren – literarisches Schreiben war Lehrgegenstand hoeherer Schulbildung – war es ihnen moeglich, Stilmittel in ausgezeichneter Weise inhaltlich zweckgebunden einzusetzen, was jene Literatur besonders reizvoll macht.

Schlagwörter: Didaktische Grundlageninformation, Rhetorik, Didaktische Erörterung, 17. Jahrhundert, Barock, Sekundarstufe II, Literaturunterricht, Deutschunterricht


Autor: Mannack, Eberhard
Titel: Barocke Lyrik als Medium der Redekunst.
Quelle: In: Der Deutschunterricht,(1985) 5, S. 15–24

Abstract: Die barocke Lyrik Simon Dachs ist nicht wie jene Goethes eine primaer gefuehlsbetonte, sondern eine explizit zweckhafte. Dennoch ist im der Betrachtung zugrunde gelegten Naturgedicht die rhetorische Ausbildung des Autors deutlich zu erkennen. Moralisch-sittliche Belehrung soll auf diese Weise wirkungsvoll vermittelt werden. Der argumentierende Charakter der Verse wird dadurch unterstrichen, dass Dach auf Bilder aus der Bibel zurueckgreift. In der Natur verkuendet Gott dieselben Wahrheiten wie auch in der Bibel, dies macht Dach durch seine Naturbeschreibung klar. Die ganze Welt wird zu seiner Zeit in Analogien gedacht, in allem drueckt sich die eine letzte Wahrheit aus. Dem Menschen, der durch den Suendenfall dafuer weitgehend blind geworden ist, soll dies unter Zuhilfenahme rhetorisch durchgebildeter Stilmittel deutlich und verstaendlich gemacht werden.

Schlagwörter: Lyrik, Literaturanalyse, Lehrdichtung, Rhetorik, Rhetorische Figur, Naturlyrik, Barock, Sekundarstufe II, Literaturunterricht, Deutschunterricht, Dach, Simon, Sachinformation


Autor: Drux, Rudolf
Titel: Wie reimt sich Lieb und Tod zusammen? Gestalten u. Wandlungen e. Motivkombination in d. barocken Lyrik.
Quelle: In: Der Deutschunterricht,(1985) 5, S. 25–37

Abstract: Verschiedene Beispiele barocker Liebeslyrik mit ihrer Verbindung zum Motiv des Todes und der Vergaenglichkeit werden dargestellt. Martin Opitz beschreibt in seinen Gedichten beides im Zusammenhang und kontrastiert es doch vom Tod durch den Krieg und von der Zerruettung der politischen und moralischen Sitten. Die Liebe ist hier Kompensation. Bei Paul Fleming ist die sehnsuechtige Liebesphantasie oftmals todbringend, waehrend Gryphius die Synthese von Liebe und Tugend vornehmlich und ausgezeichneterweise in der Ehe betont. Hofmannswaldau bringt in seinem lyrischen Werk die Paradoxie von ewigen Werten und unbeschwertem Liebesgenuss zum Ausdruck, ohne sich auf eines von beiden festzulegen. Der letzte wichtige Barocklyriker, Johann Christian Guenther, versucht Liebe und Tod in der Poesie zu versoehnen. Bei Guenther spielt dabei bereits ein in der Folgezeit zentraler Begriff, die Vernunft, in deren Licht der Tod als Teil des Lebens seinen Schrecken verliert, eine Rolle.

Schlagwörter: Tod, Lyrik, Literaturanalyse, Opitz, Martin, Sonett, Fleming, Paul, Gryphius, Andreas, Barock, Sekundarstufe II, Motivforschung, Liebe, Hofmannswaldau, Christian Hofmann von, Literaturunterricht, Deutschunterricht, Dach, Simon, Sachinformation


Autor: Herzog, Urs
Titel: Kunst als Widertod.
Quelle: In: Der Deutschunterricht,(1985) 5, S. 38–43

Abstract: Fleming setzt sein Gedicht Grabschrift gegen die ihm selbst nah vor Augen stehende Ungeheuerlichkeit des Todes. Die Kunst gewinnt fuer ihn eine Funktion, die ansonsten allein Christus als dem Erloeser zukommt, eine ueber den Tod hinausgehende Verewigung des Dichters. So geht Fleming weit ueber das eher demuetige Mittelalter hinaus, das Mensch und Welt als Schein, die Kunst als Dunst (Gryphius) qualifizierte. Es gelingt ihm ein froher Abschied von der Welt, ohne dabei zu uebersehen, dass Kunst und Dichtung letztendlich kaum mehr als menschliche Eitelkeit bedeuten. Durch sein Gedicht jedoch zieht sich der feste Glaube, dass nicht alles vergeblich gewesen, dass nicht alles verwesen kann, dass neben dem durch Christus verheissenen ewigen Leben im Jenseits es auch im Diesseits eine befristete Ewigkeit in der Kunst geben kann.

Schlagwörter: Funktion , Lyrik, Literaturanalyse, Sonett, Kunst, Fleming, Paul, Epitaph, Barock, Sekundarstufe II, Literaturunterricht, Deutschunterricht, Sachinformation


Autor: Eybl, Franz M.
Titel: Johann Christian Guenther: Aria. An seine Leonore. Die immer gruenende Hofnung.
Quelle: In: Der Deutschunterricht,(1985) 5, S. 44–56

Abstract: Die Lyrik Johann Christian Guenthers bringt erstmals ein authentisch gefuehltes Erleben zum Ausdruck und ueberwindet damit bereits ansatzweise die distanzierte Haltung des Barock. Doch diese wesentlich auch aus Guenthers Biographie gewonnene literarhistorische Einschaetzung versperrt des oefteren den Blick auf Guenthers virtuose Beherrschung der barocken poetologischen Regeln. Anhand des besprochenen Gedichts wird diese These Eybls ausfuehrlich belegt. Die thematisch wie stilistisch zahlreichen Variationen fuegen traditionelle Dichtkunst und Grenzueberschreitung zu einem letztlich doch einheitlich erscheinenden Ganzen. Eybl vertritt die Auffassung, dass die Eingangsstrophe stilistisch wie inhaltlich herausragt, ein Niveau, das in den weiteren Strophen nicht ganz gehalten werden kann. Zu dem heroisch entschlossenen Held der ersten beiden Strophen tritt als Muse die Geliebte, die von der ihr entgegengebrachten Liebe ueberzeugt werden will und soll. So bildet die Mittelstrophe des Gedichtes den Drehpunkt der Rollenhaltung und zum Ende hin faellt Guenther dann, so Eybl, in der Verheissung der den Tod ueberdauernden ewigen Liebe, doch in das Genre galanter Gelegenheitsdichtung zurueck.

Schlagwörter: Lyrik, Literaturanalyse, Rhetorik, Barock, Sekundarstufe II, Liebe, Literaturunterricht, Deutschunterricht, Sachinformation


Autor: Spellerberg, Gerhard
Titel: Recht und Politik.
Quelle: In: Der Deutschunterricht,(1985) 5, S. 57–68

Abstract: Das barocke Drama im 17. Jahrhundert, dem heute, wie der Autor konstatiert, ein neuerliches Interesse entgegengebracht wird, ist, wie das Zeitalter allgemein, durch das Eindringen der Politik, des politischen Denkens in alle Bereiche gepraegt. Dem durch die Erfahrung der Buergerkriege beeinflussten zweckrationalen Ansatz Machiavellis standen moralisch-theologische Normen gegenueber. Dieser Konflikt kehrt im barocken Trauerspiel und speziell im hier behandelten des Andreas Gryphius wieder. Gryphius bezieht hier eindeutig Stellung und zwar mit der Hauptperson des Papinian zugunsten des christlich-juedischen ewig geltenden goettlichen Gesetzes, gegen das mit dem Gemeinwohl zweckhaft begruendete machiavellistische Machtprinzip. Gryphius laesst in seinem Drama diesen Streit sich in aller Schaerfe und Brisanz austragen, die Widersprueche in den Vorstellungen sich voll entfalten. In dem Festhalten am Zuspruch des Gewissens als der Stimme Gottes gegen alle Obrigkeit bleibt Papinian zwar der positive Held, doch ist er nicht der klassische Maertyrer. Auch sein Streben richtet sich auf den geschichtlich-politischen Raum: Das Recht in der Welt soll erhalten bleiben und nicht der Willkuer des Herrschenden zum Opfer fallen.

Schlagwörter: Trauerspiel, Literaturanalyse, Drama, Macht, 17. Jahrhundert, Ideendrama, Moral, Gryphius, Andreas, Politik, Barock, Sekundarstufe II, Machiavelli, Niccolò, Literaturunterricht, Deutschunterricht, Sachinformation


Autor: Walz, Herbert
Titel: Die Christophoruslegende im konfessionellen Streit.
Quelle: In: Der Deutschunterricht,(1985) 5, S. 69–78

Abstract: Heiligenlegenden und Heiligenverehrung sind im Laufe der Jahrhunderte einem Wandel unterworfen. Martin Luther bezeichnete sie als Luegenden, und schon Erasmus hatte den Heiligenkult mit beissendem Spott kritisiert. Die Gegenreformation verschaffte den Legenden dann allerdings wieder neuen Auftrieb. Diese Entwicklung stellt Walz am Beispiel der Christopheruslegende dar. Luther dient die Legende als Allegorie und Belehrung ueber das wahre Christsein, die Legende wird erst in der Auslegung zugaenglich, die historische Authenzitaet bestreitet Luther. Fuer Martin von Cochem hingegen ist gerade diese Authenzitaet unzweifelhaft. Bei ihm ergibt sich die Deutung von selbst, ist getragen von der literarischen Eigenstaendigkeit der Legende. Luther hatte sie im Sinne seiner Ablehnung der katholischen Werkgerechtigkeit ausgedeutet. Martin von Cochem – und mit ihm das gesamte Zeitalter des Barock – schaetzt gerade diese Werkgerechtigkeit wieder hoeher, doch bestehen hinsichtlich der sittlichen Zielsetzungen durchaus Gemeinsamkeiten zwischen Luther und Martin von Cochem.

Schlagwörter: Cochem, Martin von, Text, Luther, Martin, Barock, Legende , Deutschunterricht, Sachinformation


Autor: Breuer, Dieter
Titel: Krieg und Frieden in Grimmelshausens Simplicissimus Teutsch.
Quelle: In: Der Deutschunterricht,(1985) 5, S. 79–101

Abstract: Grimmelshausens Roman Simplicissimus Teutsch spiegelt weniger persoenlich Erlebtes wider, als dass er die kollektive Erfahrung des Krieges auf einer satirischen und damit distanzierten Ebene reflektiert. Schon im Satyrischen Pilgram referiert Grimmelshausen die Argumente fuer den Krieg auf eine Weise, die ironische Distanz deutlich werden laesst. Er nimmt dabei wesentliche Argumente des Erasmus von Rotterdam auf, die er seinem satirischen Stil anverwandelt, ohne Erasmus als Quelle zu nennen. Doch im Gegensatz zu Erasmus ist Grimmelshausen skeptisch, was die Friedensfaehigkeit des Menschen betrifft. Der unverbildete Simplicissimus entlarvt die Unzulaenglichkeit und Scheinheiligkeit der Menschen allzu deutlich. Die Verkehrtheit der Welt scheint von der Natur des Menschen her gegeben und vorerst unausweichlich. So sieht er im Simplicissimus in dem von dem eingebildeten Jupiter geforderten teutschen Friedensstaat letztlich nichts als einen egalitaeren Zwangsstaat, dessen moralische Ueberlegenheit pure Illusion ist. Die menschlichen Schwaechen sind uebermaechtig und bieten Grimmelshausen doch die Folie fuer seine beissende satirische Kritik an Personen und Zustaenden. Textbeispiele aus Grimmelshausens Satyrischem Pilgram und Erasmus Dulce bellum inexpertis (als Uebersetzung) finden sich im Anhang.

Schlagwörter: Gesellschaftskritik, Frieden, Literaturanalyse, Erasmus von Rotterdam, Roman, Satire, Text, Barock, Sekundarstufe II, Krieg, Menschenbild, Literaturunterricht, Grimmelshausen, Hans Jacob Christoph von, Deutschunterricht, Sachinformation


Autor: Roetzer, Hans G.
Titel: was ich ihn zuberichten aigentlich bedacht gewesen.
Quelle: In: Der Deutschunterricht,(1985) 5, S. 102–110

Abstract: Der Autor weist nach, dass Grimmelshausens Simplicissimus nach dem Muster der patristischen Bibelexegese, dem doppelten Schriftsinn, angelegt ist. Ein weiteres Vorbild findet sich im Gusman von Aegidius Albertinus. Grimmelshausen haelt das Prinzip jedoch nicht dogmatisch durch, sondern variiert und benutzt es zur Vermittlung seines religioes bedingten Pessimismus. Der Mensch ist aus dem Paradies vertrieben worden und kann nicht dorthin zurueckkehren, mithin ist er auch unfaehig, eine bessere friedfertige Welt zu schaffen. Diese Kritik an Menschen und Verhaeltnissen moechte Grimmelshausen dem Leser vermitteln, sie ist der Kern seines Romans. Verpackt ist dieser Kern in eine humoristisch satirische Erzaehlweise, Grimmelshausen nimmt so auch Ruecksicht auf die Wuensche des Publikums. Doch wer nur das Lustige sieht, erfasst den eigentlichen Sinn nicht. Simplicissimus ist der gleichermassen Beobachtende, Erleidende und Handelnde. Er ist bereits zu Beginn religioes belehrt und weiss um die Unzulaenglichkeit der Welt. Beides drueckt sich in seinen Erlebnissen durch den doppelten Schriftsinn aus. Simplicissimus ist Narr und Verstrickter, These und Antithese in einem, und Grimmelshausen kann dies dem Leser durch seine Erzaehltechnik auf doppelboedige Weise vermitteln.

Schlagwörter: Gesellschaftskritik, Albertinus, Algidius, Literaturanalyse, Roman, Satire, Barock, Sekundarstufe II, Menschenbild, Literaturunterricht, Grimmelshausen, Hans Jacob Christoph von, Deutschunterricht, Sachinformation


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