Rezension

Philipp Kamps
Wahrnehmung Ereignis Materialität
Ein phänomenologischer Zugang für die Theaterdidaktik
Bielefeld: transcript 2018
Philipp Kamps (Universität Münster) verfolgt mit seiner Dissertation Wahrnehmung Ereignis Materialität. Ein phänomenologischer Zugang für die Theaterdidaktik das Ziel, die Wahrnehmung von Theateraufführungen durch Schülerinnen und Schüler didaktisch zu modellieren. Damit lehnt die Arbeit mit dem holprigen Titel (gemeint ist wohl ein Zugang von der beziehungsweise durch die Theaterdidaktik ) sich an ein seit längerer Zeit vorherrschendes theaterdidaktisches Bestreben an.
Nach einer problematisierenden Einführung setzt Kamps sich mit unterschiedlichen theaterdidaktischen Ansätzen auseinander und arbeitet Verbindungslinien zu seinem Vorhaben heraus. Insbesondere der phänomenologische Ansatz des Theaterwissenschaftlers Jens Roselt, der als „Erinnerungsarbeit und „Beschreibungskunst Eingang auch in die praktische Theaterarbeit an Schulen gefunden hat, ist für seine Dissertation von besonderer Bedeutung. Dabei sorgt Kamps jedoch gleich zu Beginn seiner Bemühungen für einen nachhaltig wirkenden Stolperstein, wenn er explizit einen Bogen um die Wendung „ästhetische Erfahrung macht. Das Vermeiden selbst ist nachvollziehbar, denn bis heute kann niemand umfassend und abschließend darlegen, was eine ästhetische Erfahrung ist seine Begründung hierfür kann jedoch in keinem Fall überzeugen: „Dies [gemeint ist das Vermeiden, R. O.] ist in dieser Arbeit insofern möglich, als Wahrnehmungserfahrungen überhaupt im Fokus stehen, ohne sie zwangsläufig als ästhetische qualifizieren zu müssen (S. 58). Denn: Auch wenn Kamps nicht-ästhetische Erfahrungen besonders im Blick haben sollte was übrigens so nicht zutrifft (siehe unten) , stehen bei jeglicher Auseinandersetzung mit theatralen Wahrnehmungen/Erfahrungen ästhetische stets (zwangsläufig!) im Vordergrund.
Im Hauptteil referiert Kamps erstens die Genese bestimmter Termini (zum Beispiel Performativität und Ereignishaftigkeit); dies geschieht auf eine äußerst interessante Weise und sehr leserorientiert wissenschaftlich Neues wird in diesem Zusammenhang aber vermisst. Zweitens zeigt der Autor derzeitige Zugänge zur Auseinandersetzung mit theatralen Kunstwerken auf und macht auf bekannte Problematiken aufmerksam (etwa, dass bei einer semiotisch orientierten Herangehensweise Wahrnehmungsaspekte in der Regel außen vor bleiben). An dieser Stelle zementiert Kamps den oben erwähnten Stolperstein: Er betont unter Rückgriff auf Erika Fischer-Lichte die Besonderheit des Wahrnehmens und „vergisst dabei wohl, dass die Theaterwissenschaftlerin so genannte „Schwellenerfahrungen ausdrücklich als ästhetische Erfahrungen bewertet. Und auch das Anschließen an entsprechende Überlegungen von Roselt für diesen sind „markante Momente die zentralen Aspekte ästhetischer Erfahrung laufen Kamps selbst gesetzter Absicht entgegen, sodass es noch weniger nachvollziehbar wird und letztlich paradox erscheint, warum er den Bereich der ästhetischen Erfahrung nicht tangieren möchte.
Drittens vertieft Kamps die in seinem Titel vorkommenden Termini. Obwohl er auch hier in erster Linie referiert, fügt er stets theaterdidaktische Perspektiven an doch auch diese haben keinen innovativen Charakter, sie lassen sich größtenteils in gleicher oder ähnlicher Form in entsprechenden theaterdidaktischen Beiträgen wiederfinden.
Schließlich widmet Kamps sich der Modellierung (s)eines phänomenologischen Zugangs. Hier scheinen bedeutsame Aspekte auf (zum Beispiel die Anerkennung des schülerseitigen Nichtverstehens). Interessanterweise relativiert er hier auch plötzlich seinen bisher stets durchschimmernden „Kampf gegen einen traditionell-semiotischen Zugang.
Die Kernprobleme der Arbeit lassen sich hier nur grob anreißen: Kamps möchte bewusst viele Termini zur Diskussion stellen, doch diese selbst auferlegte Oberflächlichkeit wendet sich gegen ihn: Denn auch...
Schultheater
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Fakten zum Artikel
aus: Schultheater Nr. 37 / 2019

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