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Es scheint schier aussichtslos, an dieser Stelle potenziell kanonische Positionen zu nennen, die dem Heftthema annähernd gerecht werden könnten. Das hier Versammelte spiegelt als „Hintergrundrauschen und analoger Hyperlink das, was in einzelnen Artikeln des Heftes an Positionen auffindbar ist.
Richtet man sein Interesse auf das Verhältnis von Digitalität (als kulturelles Phänomen) und Digitalisierung (als techno-soziale Formatierung durch Rechenoperationen), so bieten zwei Studien eine einführende Orientierung: Kultur der Digitalität von Felix Stalder (Berlin 2016: Suhrkamp) und Muster. Theorie der digitalen Gesellschaft von Armin Nassehi (München 2019: Beck).
Ersteres bemüht sich um eine Identifikation von kulturellen Dispositionen, die als Formen der Digitalität verstanden und in ihren ambivalenten Wirkweisen zwischen Partizipation und Entmündigung beschrieben werden. Letzteres entwirft eine systemtheoretisch grundierte Sozialtheorie, die Digitalisierung als soziologisches Phänomen betrachtet und die damit gegebene Selbstbezüglichkeit als Form der Beobachtung und Relationierung gesellschaftlicher Komplexität versteht.
Beiden Studien überwinden die lang praktizierte und längst hinfällig gewordene Unterscheidung von menschlicher und technischer bzw. technologischer Sphäre, die auch als „saubere Trennung von menschlicher Handlungsfähigkeit und nichtmenschlicher Prozeduralität verstanden wurde.
Das ist darin begründet, dass beide Bereiche, also Mensch und Technik, unmittelbar aufeinander bezogen bzw. stark miteinander verwoben sind. Dieser Gemengelage widmet sich der von Martina Leeker, Imanuel Schipper und Timon Beyes herausgegebene (englischsprachige) Sammelband Performing the Digital (Open Access: https://www.transcript-verlag.de, Suchbegriff: Buchtitel). Im Fokus ist der Begriff des Performativen: Dem in den Kulturwissenschaften erfolgten „performative turn müsse ein Bewusstsein über den damit inkludierten „technological turn erwachsen.
Stärker bezogen auf das Theater und seine Praktiken ist Internetauftritte. Eine Theatergeschichte der neuen Medien von Ulf Otto (Bielefeld 2014: transcript). Dieses (immer noch) sehr lesenswerte Buch rüttelt nicht nur am konventionellen, d.h. bürgerlichen Theaterverständnis (und dem dazugehörenden theaterwissenschaftlichen Drang nach begrifflicher Kategorisierung), sondern bietet eine Fülle an konkreten Analysebeispielen, denen man auch ob der Archivfunktion des Internets selbst nachspüren kann.
Etwas älter, aber ebenfalls einen Blick wert, ist Julia Glesners Studie Theater und Internet: Zum Verhältnis von Kultur und Technologie im Übergang zum 21. Jahrhundert (Bielefeld 2005: transcript). Hier wurde erstmals probiert, textbasierte Internet-Performances sowie in der Tradition von Medienkunst stehende Phänomene kulturwissenschaftlich zu analysieren.
Ein Klassiker ist Brenda Laurels Computers as theatre (2nd edition, London 2014: Pearson Education, nur antiquairsch erhältlich). Der Band legt strukturelle (d.h. dramaturgische) Analogien theatraler (Nutzungs- und Wirkungs-)Strukturen dar und thematisiert so die Verwobenheit von Mensch und Technik.
Posthumane Inszenierungen in der Presse
Posthumane Inszenierungen in der Presse
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  • Posthuman Art (Marco Donnarumma/Manuel Beltrán)Überflüssige Menschheit. Arte Tracks 2019 https://www.youtube.com (Zugriff: 24.04.2020)
  • Parallelwelt (Kay Voges/Alexander Kerlin)Marcus, Dorothea/Slevogt, Esther Leben in der Quantentheorie. 2018 https://www.nachtkritik.de (Zugriff: 24.04.2020)
  • Das goldene Zeitalter (Kay Voges/Alexander Kerlin)Westphal, Sascha:Lebensloop auf Zuruf. 2013 https://www.nachtkritik.de (Zugriff: 24.04.2020)
  • Dont be evil (Kay Voges/Alexander Kerlin)Mumot, André: Im Dauerflimmern der sozialen Netzwerke. 2019, https://www.deutschlandfunkkultur.de/ (Zugri...
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Fakten zum Artikel
aus: Schultheater Nr. 41 / 2020

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Premium-Beitrag der Zeitschrift Schultheater Theorie Schuljahr 7-13