Anja Sparberg/Andra-Maria Jebelean

Schüler-Power: Der Zauberlehrling

Jugendliche müssen sich um eine Ausbildung kümmern. Dieses Themenfeld ist die Basis des gemeinsamen Theaterstücks.
Jugendliche müssen sich um eine Ausbildung kümmern. Dieses Themenfeld ist die Basis des gemeinsamen Theaterstücks., Foto: Jutta Missbach

Anja Sparberg/Andra-Maria Jebelean

Zweitspracherwerb im Theaterspiel

Am 16. November 2017 feiert das Stück „Schüler-Power: Der Zauberlehrling am Schauspielhaus Nürnberg Premiere. Die Mitschülerinnen und Mitschüler, Lehrkräfte und Eltern sind sichtlich beeindruckt, mit welcher Souveränität, Konzentration und Virtuosität sich die Jugendlichen alle mit nicht-deutscher Herkunftssprache diese große Bühne erobern. Wie kommt es zu ihrem Erfolg?

Stellen Sie sich vor, Sie ziehen in ein Land, dessen Sprache Sie nicht können. Sie leben dort seit einiger Zeit und werden eingeladen, bei einem Theaterstück mitzumachen. Sie fangen an zu improvisieren, in einer Sprache, in der Sie noch nicht zu Hause sind. Zusammen mit den anderen tanzen, singen und spielen Sie. Und Sie wissen, irgendwann stehen Sie im Schauspielhaus des Staatstheater Nürnberg vor 500 Zuschauerinnen und Zuschauern. Spätestens jetzt würden Einige sagen: „Das würde ich nie machen! . Vierzehn Jugendliche einer Übergangsklasse der Dr. Theo-Schöller Mittelschule haben sich getraut.
In der Spielzeit 2017/18 kommen sie zweimal pro Woche ins Schauspielhaus, schreiben an ihren Texten, denken sich Choreographien aus, schlagen Liedtexte vor. Sie proben während der Herbstferien und sind in der Endprobenwoche an keinem Abend zu Hause. Damit das Projekt gelingt, braucht es viel: das eigene Bemühen sowie das Engagement der Eltern, der Lehrerinnen und Lehrer sowie vieler Unterstützer.
Gute Bedingungen
Gerade wenn der Weg nicht der direkteste und einfachste ist, kann eine Initiative wie „Schüler-Power der DEFACTO X Stiftung ein wichtiger Baustein im Leben eines Jugendlichen sein. Das Projekt, das Jugendliche drei Jahre lang dabei begleitet, sich bei der Berufsfindung zu orientieren, hat den erfolgreichen Premierenabend ermöglicht. Eine Rektorin, die ein Netzwerk von Unterstützerinnen und Unterstützern in ihrer Schule etabliert hat, und für die kulturelle Bildung in diesem Gefüge ein zentrales Anliegen ist, hat ebenfalls eine entscheidende Rolle inne.
Hinzu kommt ein theaterpädagogischer Ansatz, der es Jugendlichen ermöglicht, sich auf der Bühne sicher zu fühlen und ihre Stärken, wie Tanzen oder Singen, und das Interagieren in einer Sprache, die sie seit einiger Zeit neu lernen, in Verbindung zu bringen (s. Theaterpädagogik).
Theaterpädagogik
Theaterpädagogik
Von Spielräumen und Möglichkeiten
Der Fokus des Gesamtprojektes liegt nicht auf dem Spracherwerb, sondern auf dem Theaterspiel. Wir orientieren uns in unserer Vorgehensweise nicht an einem Methodenkatalog, der auf Konzepten aus der Zweit- oder Fremdsprachendidaktik beruht. Den Jugendlichen soll vielmehr ermöglicht werden, eine neue Erfahrung mit sich als Darstellerin bzw. Darsteller zu machen und ganz nebenbei ein Gespür für sich und die deutsche Sprache zu entwickeln.
Wir geben den Spielerinnen und Spielern die Chance, ihren Energien freien Lauf zu lassen, und möchten Momente begünstigen, in denen die Sprachverwendung mit Spaß, Spiel und Können assoziiert werden kann. Mit Hilfe der theaterpädagogischen Übungen strukturieren wir für die Schülerinnen und Schüler Settings, in denen sie sich bestmöglich auf Deutsch präsentieren können.
Obwohl sich die Rollenvorgaben im „Zauberlehrling deutlich von ihrem Alltags-Ich unterscheiden, treten die Jugendlichen in fiktiven Möglichkeitsräumen in ihren zukünftigen Alltag als Praktikantinnen bzw. Praktikanten, Bewerberinnen bzw. Bewerber oder Erwachsene ein. Die deutsche Sprache fungiert hier als eine Art Rollenschutz.
Die Dramapädagogin Elektra Tselikas erkennt in der Situation von Menschen, die aus der Erstsprache aus- und in eine andere Sprachkultur einsteigen, eine Analogie zum Aussteigen des Schauspielers aus der Alltagswirklichkeit und dem Einsteigen in eine fiktive Realität. Sie beschreibt in diesem Zusammenhang, wie der lockere Umgang mit dem Einnehmen einer Distanzierung im Theaterkontext dazu beitragen kann, „Ängste des...
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Fakten zum Artikel
aus: Schultheater Nr. 39 / 2019

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