Renate Breitig

Nie früh genug

Das Berliner Programm TUKI initiiert mit vier unterschiedlichen Formaten Partnerschaften zwischen Kitas und Theatern.
Das Berliner Programm TUKI initiiert mit vier unterschiedlichen Formaten Partnerschaften zwischen Kitas und Theatern. , Foto: Franziska Hauser

Renate Breitig

Theater mit den Jüngsten: Das Programm TUKI

Es hat lange gedauert, bis sich in der theaterpädagogischen Arbeit der Fokus gleichberechtigt auch auf die Jüngsten richtete. Wer die frühe Kindheit einbezieht, legt aber lebenslange kreativ-künstlerische Spuren und schärft den ästhetischen Blick. Dafür ist es immens wichtig, die Entwicklungen von Kindern und Jugendlichen ganzheitlich zu betrachten und zugleich Übergänge zwischen den Kindergartenjahren und den Schulstufen zu schaffen, um immer wieder „anfangen zu können!

Das Theaterprogramm TUK I für Theater und Kitas existiert seit 2011. Das Berliner Programm macht es sich zur Aufgabe, Partnerschaftsmodelle zwischen Kitas und Theatern zu initiieren, um langfristig Strukturen für die frühkindliche ästhetische Bildung im Bereich der Darstellenden Künste in Kitas zu verankern. In neun Jahren sind vier Formate entstanden, in denen über 30 Partnerschaften zwischen Kitas und Theatern Tausende von Berliner Kindern zwischen zwei und sechs Jahren als Akteurinnen, Akteure und Zuschauende erreicht haben. (vgl. http://tuki-berlin.de/ueber-tuki/; s. Information). Eines der Formate ist TUKI ForscherTheater.
INFORMATION
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Das TUKIversum
2011 entstand das Format TUKI Tandem als kleine Schwester von Theater und Schule TUSCH  – , das Berliner Bühnen und Kitas in einer dreijährigen Partnerschaft zusammenbringt. Im Zentrum stehen Kinder zwischen zwei und sechs Jahren, bei denen sich im Wechsel zwischen Theater-Sehen und Theater-Spielen die sinnliche Wahrnehmung und die Fantasie herausbilden.
2012 wurde TUKI im Kiez gegründet. Es bringt kontinuierliche Theaterangebote in das unmittelbare Lebensumfeld der Kinder und etabliert neue Theaterorte in entlegeneren Bezirken nach dem Motto „kurze Wege für kurze Beine.
Eine weitere wichtige Säule im Programm ist seit 2014 TUKI ForscherTheater. Als experimentelles und exploratives Theaterformat richtet es sich an Kinder zwischen vier und sechs Jahren und verbindet den Wissensdurst dieser Altersgruppe mit intensiven ästhetischen Erfahrungen. TUKI Bühne hat sich 2019 organisch daraus entwickelt: Die Theaterkünstlerinnen und -künstler greifen die Sammlungen aus den theatralen Forschungsreisen mit den TUKI-Forscher-Kindern auf und nutzen die Ressourcen für den Produktionsprozess professioneller Kindertheaterinszenierungen.
TUKI ForscherTheater
Während in vielen Bildungsplänen der Bundesländer eine klare Trennung zwischen den künstlerischen und den forschend-naturwissenschaftlichen Kompetenzen und Themenfeldern vorgenommen wird, zielt TUKI ForscherTheater darauf ab, beide Kategorien zusammenzuführen und als Ganzes zu betrachten. „Wann sich künstlerische Praxis als Forschung qualifiziert, ist ein seit Jahrzehnten kontrovers aufgestelltes Diskursfeld. Konsens besteht darüber, dass die Praxen künstlerischer Forschung darauf abzielen, Fragen mit künstlerischen Strategien und Artikulationsweisen zu bearbeiten. Sie verwendet ebenso experimentelle und hermeneutische Methoden, um Erkenntnisse zu generieren, sowie um implizites Wissen sichtbar und erlebbar zu machen. Zudem werden als Kriterien künstlerischer Forschung die Welterschließung und -gestaltung im Austausch mit anderen Wissenschaften und die Dokumentation der Forschungsprozesse und Verbreitung der Erkenntnisse genannt (Lobert 2020).
Mit dem Instrument des „Ästhetischen Forschens begibt sich die Forschungsgemeinschaft auf „Reisen: Die beteiligten Akteure sind zehn bis fünfzehn Kinder (zumeist im Vorschulalter), ein oder zwei Frühpädagoginnen und zwei Theaterkünstlerinnen bzw. -künstler, die sich wöchentlich für sechs bis acht Monate treffen.
Gemeinsame künstlerische Forschung vereint hier eine interprofessionelle (Erzieherinnen und Erzieher, Theaterschaffende, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie andere Berufsgruppen) und eine intergenerationale (Kinder und Erwachsene) Gemeinschaft. Sibylle...
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Fakten zum Artikel
aus: Schultheater Nr. 43 / 2020

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