Christian Seiler

Körper- Spiel für Karriere -Körper

Ein Spiel mit Körpermitte und Gleichgewicht wird, verbunden mit dem Text, zum körperlichen Subtext, der die argumentative Behauptung von Souveränität Lügen straft.
Ein Spiel mit Körpermitte und Gleichgewicht wird, verbunden mit dem Text, zum körperlichen Subtext, der die argumentative Behauptung von Souveränität Lügen straft. , Foto: Rémy Bourgeois

Christian Seiler

Körperarbeit auf dem Weg zu einer Umsetzung von Roland Schimmelpfennigs „Push Up 1 –  3

In „Push Up 1 – 3 von Roland Schimmelpfennig unterwerfen sich Angehörige eines Großkonzerns bedingungslos den Leit- und Leistungsbildern von Erfolg und Attraktivität. Um die oberste Etage zu erreichen, liefert man sich erbarmungslose Machtkämpfe, bei denen der Status-Sieg des eigenen Egos vor möglichen menschlichen Verlusten Vorrang hat. Der Beitrag beschreibt, wie bei der Umsetzung des Stücks durch eine Oberstufengruppe ein autonomer Spiel-Raum für den Körper und seine Bewegung entwickelt wird, der erst nach und nach zur Textvorlage Bezug nimmt.

Schimmelpfennigs Stück (s. Kasten) war 2016 das Jahresprojekt der AG Theater Rämibühl, einer Oberstufen-Freifachinstitution der drei gleichnamigen Gymnasien des Kantons Zürich mit 20 Mitwirkenden zwischen 15 und 18 Jahren inklusive dreier etwas älterer Ex-Mitglieder der AG. Wir wählten diese Vorlage in einem (wie bei uns üblich) demokratischen Prozedere: Alle Beteiligten sind eingeladen, Themen- und Stückideen einzubringen, vor der Schlussabstimmung findet eine eingehende Diskussion über die engere Auswahl aller Vorschläge statt.
Zum Stück
Zum Stück
Push up 1– 3
Sie sind auf dem Sprung in die Chefetagen, in die Vorstandssitzungen, in die Auslandsvertretungen, oder sie stehen kurz vor dem beruflichen Aus: Sie werden gefeuert, kaltgestellt oder in den Vorruhestand geschickt. Die Frauen und Männer in „Push up 1 – 3 arbeiten in den Büroetagen eines großen Konzerns, Schauplatz von drei Machtkämpfen, die jeweils von zwei Personen in gegenseitiger und erbarmungsloser Konkurrenz um berufliche und private Interessen ausgetragen werden.
Die Managerinnen Angelika, Führungskraft, und Sabine, junge Nachwuchsmanagerin, spielen ihre unterschiedlichen Machtvorteile gegeneinander aus: Angelika unterstellt Sabine ein Affäre mit ihrem Mann, ebenfalls Vorgesetzter von Sabine. Diese bestätigt den falschen Verdacht, um vor der Konkurrentin ihre größere erotische Anziehungskraft herauszustellen, was ihr zum Verhängnis wird: Angelika feuert sie. Auch Patrizia und Robert, die eine Affäre miteinander haben, versuchen, sich gegenseitig die Chancen wegzunehmen. Ebenso Hans und Frank, die sich beide, genau wie die anderen, um den heißersehnten Job in Delhi beworben haben, machen die Erfahrung des gnadenlosen Auslese-Wettbewerbs, den der ältere Hans, trotz seiner Fähigkeiten und Fitness, gegenüber dem jüngeren Frank verliert. Einzig das Wachpersonal scheint frei von dieser menschenunwürdigen Determinierung zu sein.
Quelle: Goethe-Institut
Argumente der Mehrheit, die für „Push Up 1 – 3 stimmte, waren: da könnte ein interessantes Kontrast-Projekt zu unserem im letzten Jahr selbst entwickelten Stück „Der Rest des Lebens entstehen, worin wir uns mit persönlichen Vorstellungen unseres zukünftigen Lebens auseinandersetzten ein Leben, das durch Leistungswettbewerb und Karriere-Kampf bestimmt wird, wäre ja eine Option unseres zukünftigen Werdegangs! Wie Menschen in der Leistungsgesellschaft unserer Gegenwart miteinander umgehen, ist ein Thema, das uns grundsätzlich interessiert; wir kennen Optimierungsdruck, Konkurrenzsituation und den Wettbewerb in Cool- und Smartness schon aus unserem eigenen schulischen wie außerschulischen Alltag;1 der Text kann uns zu einer spannenden Arbeit mit dem Körper inspirieren.
Das Projekt ist in drei Arbeitsphasen entstanden: einer ersten, in der die Mitwirkenden ohne Bezug zur Textvorlage Gelegenheit hatten, das Theaterspiel und sein Handwerk im Spektrum von Körper, Bewegung, Stimme und Sprache entdeckend und erforschend kennenzulernen; in einer zweiten Phase wurde zu Themen, Situationen und Figuren des Stücks improvisiert und experimentiert, während sich eine Dramaturgiegruppe diskursiv mit dem Text, seiner Bearbeitung und den stückimmanenten Themen beschäftigte; in einer dritten schließlich wurden die Szenen unserer...
Schultheater
Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Weiterlesen im Heft

Ausgabe kaufen

Schultheater abonnieren und digital lesen!
  • Exklusiver Online-Zugriff auf Ihre digitalen Ausgaben
  • Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
  • Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen

Zeitschrift abonnieren

Fakten zum Artikel
aus: Schultheater Nr. 37 / 2019

Gegenwart in Stücken

Premium-Beitrag der Zeitschrift Schultheater Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 10-13