Christine Baron

Heimat – ein Stück mit Geflüchteten über ihre Geschichten

Die Jugendlichen aus fünf verschiedenen Ländern haben alle unterschiedliche Flucht-, Migrations- und Integrationserfahrungen gemacht.
Die Jugendlichen aus fünf verschiedenen Ländern haben alle unterschiedliche Flucht-, Migrations- und Integrationserfahrungen gemacht. , Fotos: Christine Baron

Christine Baron

Ein Projektbericht

Eine postdramatische Szenencollage mit dem Titel Heimat auf kleiner Schulbühne, noch in Kinderschuhen steckend, findet den Weg auf die Bühne des Schauspielhauses in Kiel.

Das im Folgenden beschriebene Projekt habe ich mit einer Bremer Vorbereitungsklasse („VBK) durchgeführt. Eine VBK ist eine Spracherwerbsklasse, bestehend aus etwa 20 Geflüchteten mit Gymnasialempfehlung. Diese Schüler*innen haben zwei Jahre Zeit, um am Ende die Prüfung für den Mittleren Schulabschluss abzulegen und damit die Berechtigung für den Eintritt in die gymnasiale Oberstufe zu erhalten. Neben dem Deutschunterricht erhalten die Schüler*innen weiteren Fachunterricht, beispielsweise Theater. Die Schüler*innen der VBK, mit denen ich das Heimat-Projekt durchgeführt habe, kamen aus fünf verschiedenen Ländern (Syrien, Afghanistan, Griechenland, Pakistan und Guinea), mehrheitlich aber aus Syrien. Bis auf drei Schüler, die im Vorfeld entweder in Syrien oder hier in Deutschland Theater gespielt haben, hatten die Schüler*innen keinerlei Vorerfahrung. Grundsätzlich haben die Jugendlichen aber sehr offen auf Aufwärmspiele etc. reagiert und eine positive Energie dem Theaterspiel gegenüber mitgebracht.
Das Projekt im Überblick
Zu Beginn des Jahres 2017 entstand die Idee, mit der Klasse ein kleines Stück zum Thema Heimat zu erarbeiten, das am Ende des Schuljahres im Rahmen eines kulturellen Schulfestivals gezeigt werden sollte. Das Thema Heimat war in diesem Fall naheliegend, da die Schüler*innen selbst Flucht, Migration und Integration erlebt haben. Ferner entstanden wenige Wochen zuvor berührende autobiografische Texte zu diesem Thema im Deutschunterricht. Somit konnten wir von Beginn an auf einen guten Textfundus zurückgreifen. Bereichert wurde dieser Fundus vor allem durch weitere persönliche Geschichten der Schüler*innen. Diese wurden mithilfe verschiedener Impulsfragen generiert, die in einem vorbestimmten Setting gestellt wurden (s. Kasten textgenerierung). Hier diente generell das Konzept von Maike Plath zum Biografischen Theater als Inspiration (vgl. Plath 2014, S.6).
Textgenerierung
Textgenerierung
Impulsfragen zu Beginn des Projektes
1.) Was bedeutet der Begriff Heimat für dich?
2.) Wo ist deine Heimat?
3.) Hast du eine zweite Heimat? Falls ja, kannst du von ihr erzählen?
4.) Singe oder summe ein Lied, das dich an deine Heimat erinnert und erzähle im Anschluss daran die Geschichte dieses Liedes.
5.) Gibt es etwas, was du gerne an deiner Heimat verändern würdest?
6.) Wo möchtest du später gerne mal leben und warum?
7.) Was brauchst du, um dich heimisch zu fühlen?
8.) Welche Tradition aus deiner Heimat gefällt dir besonders und warum?
9.) Was vermisst du an deiner alten Heimat?
10.) Gibt es ein Gericht, eine Tradition, einen Tanz etc., etwas, was den deutschen Jugendlichen fremd ist, was sie aber unbedingt kennenlernen sollten?
Folgende Spielregeln galt es bei der Beantwortung der Impulsfragen zu beachten: Ausgehend von einem mit Musik begleiteten Raumlauf in Tempo vier wurde eine erste Impulsfrage von mir am Mikrofon vorgelesen. Die Schüler*innen blieben im Raumlauf und dachten über die jeweilige Frage nach. Sobald jemand etwas dazu sagen wollte, wurde in die Hände geklatscht das Zeichen für alle anderen, ins Freeze zu gehen. Die betreffende Person lief langsam auf das Mikrofon zu und sobald sie sich dahinter in Position gebracht hatte, klatschte sie erneut wiederum das Zeichen für alle anderen, sich mit dem Kopf zu dem/der Sprecher*in zu drehen. Die Musik wurde leiser gestellt und die Geschichte in Ruhe am Mikrofon erzählt. Daran anschließend erfolgte erneut der Raumlauf und dieselbe Frage wurde noch so viele Male von mir gestellt, solange es Schüler*innen gab, die dazu etwas sagen wollten. Sobald das nicht mehr der Fall war, gingen wir zu der nächsten Frage über usw. Die Antworten dieser Impulsfragerunde lieferten uns einige Geschichten und Ideen für Spielszenen,...
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Fakten zum Artikel
aus: Schultheater Nr. 38 / 2019

Heimat

Premium-Beitrag der Zeitschrift Schultheater Unterricht (> 90 Min) Schuljahr 9-13