Klaus Riedel

Auch wenn Einnahmen in Form von Spenden und nicht über genommenen Eintritt erfolgen, sind Tantiemen für eine Aufführung zu zahlen.
Auch wenn Einnahmen in Form von Spenden und nicht über genommenen Eintritt erfolgen, sind Tantiemen für eine Aufführung zu zahlen. , Foto: © Maria Kraynova/113rf.com

Klaus RiedelGibt es bevorzugte Themen in aktuellen Theatertexten? Lassen sich Trends bei Stil, Sprache, Ästhetik ausmachen? Wie sehen Verlage das Urheberrecht? Darüber sprach einer der Moderatoren dieser Ausgabe mit Bastian Häfner, Leiter des Schauspielbereichs beim Theaterverlag Felix Bloch Erben in Berlin.

Interview mit Bastian Häfner über zeitgenössische Dramatik

„Unterschiedliches steht nebeneinander
Bastian Häfner
Bastian Häfner
Bastian Häfner ist seit April 2017 Leiter des Schauspielbereichs beim Theaterverlag Felix Bloch Erben in Berlin. Er studierte Theaterwissenschaft und Germanistik in Berlin und Toronto, arbeitete während des Studiums an verschiedenen Theatern und in der freien Szene in Deutschland und Kanada. Von 2010 bis 2017 war er Lektor beim Rowohlt Theater Verlag in Hamburg.
zu urheberrechtlichen Fragen
Warum sind nicht von allen Stücken automatisch Amateur- und Schultheaterrechte verfügbar?
Das hat in der Regel Lizenzgründe. Es ist nicht selten, dass wir aus dem Ausland Lizenzen erwerben, die ausschließlich für den professionellen Bereich bestimmt sind. Besonders wenn es sich um sehr teure Rechte handelt, zum Beispiel bei bestimmten Musicals. Es kommt aber auch vor, dass bei einzelnen Stücken, die noch sehr neu sind, keine Amateurtheaterrechte zur Verfügung stehen.
So sind zum Beispiel von Philipp Löhles neuem Stück, das kürzlich in Nürnberg uraufgeführt wurde, die Amateurrechte noch nicht verfügbar. Für die Verlage ist das eine Frage der Vermarktung. Man möchte ein Stück zunächst exklusiv dem professionellen Theaterbereich vorbehalten.
Schneidet man nicht damit eine Generation von Schülerinnen und Schülern komplett von der Gegenwartsdramatik ab? Ich finde zum Beispiel keine Abdrucke von Gegenwartsstücken, selbst als Textauszug nicht. Im Deutschunterricht beispielsweise sind die aktuellsten Texte „Top Dogs aus dem Jahr 1996 oder „norway.today aus 2000.
In Deutschland werden leider immer weniger Theatertexte gelesen und daher seltener in Buchform publiziert. Das Kerngeschäft der Theaterverlage ist es, mit den Aufführungsrechten zu handeln. Sie haben nur gelegentlich mit der Publikation von Büchern zu tun. Ihre Kunden sind in der Regel professionelle Theater, für die es keine Rolle spielt, ob ein Stück als Buch vorliegt, denn sie haben über die Theaterverlage Zugang zu allen Stücken.
Aufgrund der sinkenden Nachfrage sinkt auch bei den Buchverlagen die Bereitschaft, Theaterstücke zu publizieren. Dies wäre möglicherweise eine Lücke, die Schulbuchverlage durch den Abdruck von Auszügen füllen könnten.
Folgender Fall: Ich habe es geschafft und beim jeweiligen Theaterverlag die Aufführungsrechte offiziell erworben. Dann lese ich aber im Vertrag, dass ich den Text im Hinblick auf die Aufführung nicht verändern darf. Das ist in der Schule ganz schwierig, wo ich die Inszenierung ja ganz explizit auf die Themen und äußeren Gegebenheiten der Gruppe anpassen möchte.
Im deutschsprachigen Raum ist der Umgang mit Theatertexten tendenziell etwas freier als in den meisten anderen Ländern. Oft kürzen Regisseure Texte ein und verändern diese leicht, was die Vertreter von Urheberrechten in der Regel nicht stört. Es stimmt natürlich, dass im Amateurtheater, das liegt in der Natur der Sache, die Eingriffe häufig deutlich größer sind. Die Theaterverlage werden das zwar mitbedacht haben, wenn sie die Amateurtheaterrechte für Stücke freigeben, denn sie kennen ja die Praxis von Schultheatern. Trotzdem sollte man sich vorab versichern, welche Veränderungen in welchem Maße möglich sind.
Muss ich eine veränderte Fassung an den Verlag schicken? Passiert das tatsächlich?
Ja, natürlich. Man sollte in jedem Fall vorab mit dem Verlag kommunizieren. Zum Beispiel sollte man im Vorhinein immer mitteilen, in welcher Form man den Text verändern möchte, ob man anders besetzen oder kürzen möchte. Ganz besonders heikel kann es sein, wenn andere Texte eingefügt werden sollen. Ob dann wirklich...
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Fakten zum Artikel
aus: Schultheater Nr. 37 / 2019

Gegenwart in Stücken

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