Thomas Erdmann | Hans-Dieter Ilgner

Hätte Romeo ein Smartphone

Selbstverständlich bieten sich auch andere Klassiker für Experimente mit dem Smartphone an – etwa hier Goethes Faust.
Selbstverständlich bieten sich auch andere Klassiker für Experimente mit dem Smartphone an – etwa hier Goethes Faust., Foto: Thomas Erdmann

Thomas Erdmann | Hans-Dieter Ilgner

Smartphones in der Inszenierung: Bedingungen und Auswirkungen

Klar, Romeo und seine Kolleginnen und Kollegen sind dramatisches Personal und haben keine Smartphones. Möchte man aber diese in der Lebenswelt omnipräsenten Tools in die Inszenierung einbeziehen, gilt es, einiges zu beachten.

Wir wollen für die Romeo-Inszenierung einen Weg finden, die Displays verschiedener Smartphones auf der Bühnenrückwand zu projizieren, damit die Nutzung der Geräte sichtbar wird. (s. Foto ) Die Handys sollen flexibel an verschiedenen Stellen der Leinwand erscheinen und leicht ein- und auszublenden sein. Dafür sind extra zu beschaffende Handys optimal, da so die private Datensphäre der Spielenden geschützt bleibt.
  • Es werden drei funktionsfähige Smartphones ersteigert.
  • Die App ApowerMirror ermöglicht es, über WLAN drei Smartphonebildschirme gleichzeitig auf einen Computer zu spiegeln dazu ist kein Internetzugang notwendig.
  • Wir richten ein WLAN-Netzwerk (Router) ein. In dieses Netzwerk können keine externen Daten übertragen werden.
Das ist einfach und bezahlbar: Router, Handys und Programme kosten ca. 400€. SIM-Karten sind nicht notwendig. Schwieriger ist der Weg der Bilder auf die Bühne (s. auch Sebastian Pöllmanns Beitrag).
Projektionen
Beamer und Computer sind Schulausstattung, Leinwände mit weißem Molton leicht zu realisieren. Probleme bereitet es, Beamer und Leinwand so zu positionieren, dass Bildgröße und Projektionsabstand stimmen und auf der Bühne gespielt werden kann, ohne Schatten auf die Leinwand zu werfen. Wird öfter mit Videoprojektionen gearbeitet, kann eine VJ-Software wie Resolume eine Hilfe sein.
Filme abspielen
Filme, Clips, auch Musik und andere Quellen werden auf einer grafischen Oberfläche (PC) abgelegt und durch Anklicken abgespielt. Man kann Filme und Bilder live mischen, überblenden und mit Effekten versehen. Dadurch ist es möglich, per Livekamera Spieler vor einer einfarbigen Leinwand zu filmen, den Hintergrund herauszufiltern und einen anderen Clip als Hintergrund einzufügen. Das Programm kann farbige Hintergründe, bewegte Muster und animierten Text erzeugen. Es erlaubt, mit unfertigem Material zu experimentieren und spontan auszuprobieren.
Ausgabe
Je nach Grafikkarte können mehrere Beamer angeschlossen und die Projektionen angepasst werden. Werden zwei Projektionsflächen von einem Beamer beleuchtet, lassen sich Projektionsausschnitte definieren. Werden für ein Leinwand mehrere Beamer benötigt, wird ein Bild über mehrere Ausgänge aufgeteilt und perspektivische Verzerrungen ausgeglichen. Dadurch ist die Aufstellung der Beamer flexibler und einfache Beamer können verwendet werden.
Steht der PC in der Technik, die Beamer in Bühnennähe, müssen die Bildsignale über HDMI-Extender transportiert werden, die ein HDMI-Signal über (preiswerte) Netzwerkkabel übertragen (ab 70€). Auch drahtlose Übertragungsmethoden sind möglich.
Die via APowerMirror übertragenen Smartphonebilder (live) müssen noch an Resolume übertragen werden: Die Firma Newtek bietet dafür kostenlos NDI-Tools an. Diese erlauben, den Bildschirm oder einen Bildschirmausschnitt aufzunehmen und das Bild per Netzwerk allen angeschlossenen PCs zur Verfügung zu stellen. Resolume kann diese Daten direkt als Quellen nutzen. Neben der Übertragung von Smartphones kann man damit auch Webseiten usw. übertragen.
Mit vertretbaren Aufwand entsteht ein flexibles Set-up, das bei Proben schnell nutzbar. Die Smartphones können sogar als Kamera genutzt werden, oder Spieler können sich parallel zu einer Szene auf der Bühne per Chat unterhalten usw.
Wie ist er, dieser Smartphone-Romeo?
Wir können jetzt die Smartphones sehen, die Romeo und seine Mitspieler verwenden und sie szenisch sowie zur Charakterisierung nutzen (s. auch Kartei):
  • Wie hat sich Romeos bisheriges Liebesleben (mit Rosalia) in das Profil seines Smartphones, die Apps und Chats eingeschrieben?
  • Wie sähe sein Instagram-Prof...
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Fakten zum Artikel
aus: Schultheater Nr. 41 / 2020

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Premium-Beitrag der Zeitschrift Schultheater Theorie Schuljahr 7-13