Heidrun Bründel

Zwischen Trauerarbeit und Prävention

Heidrun Bründel

Umgang von Schulen mit dem Suizid von Schülerinnen und Schülern

Peter M., 16-jähriger Schüler einer Sekundarschule, nimmt sich an einem Sonntagnachmittag im Frühsommer das Leben. Dieses Ereignis trifft seine Eltern, Geschwister und Familienangehörigen wie ein Schlag und erschüttert sie zutiefst. Ihr weiteres Leben wird für immer geprägt sein von Peters Suizid und damit von intensiven Gefühlen der Schuld, Selbstanklage, Scham und Trauer sowie dem verzweifelten Versuch, die Tat im Nachhinein zu verstehen.
Auch in Peters Schule löst die Nachricht am Montagmorgen bei Klassenkameradinnen und -kameraden, Lehrkräften und Schulleitung einen Schock aus. Fragen stehen im Raum: Wie konnte es dazu kommen? Wer hat etwas geahnt? Gab es Anzeichen für eine psychische Krise bei Peter? Hat er sich in irgendeiner Weise geäußert? Was kommt jetzt auf uns als Schule zu? Wie gehen wir einfühlsam und professionell mit dem Geschehen um?
Kontakt zu den Eltern halten
Es ist Aufgabe der Schulleitung, den Kontakt zu Peters Eltern herzustellen bzw. zu intensivieren, ihnen ihr Mitgefühl auszusprechen und ihnen in ihrem Schmerz respektvoll und einfühlsam beizustehen. Familien in Trauer benötigen den Kontakt nach außen und oft auch seelsorgerische und psychologische Hilfe.
Einberufen des Krisenteams
Die Schulleitung steht im Zentrum eines adäquaten Krisenmanagements und sorgt dafür, dass alle Kolleginnen und Kollegen schnellstmöglich vom Suizid des Schülers erfahren. Das ist deshalb so wichtig, damit kein Mitglied des Kollegiums uninformiert einer Schülerschaft gegenübersteht, in der die Gerüchteküche schon brodelt. Danach beruft die Schulleitung das Krisenteam ein, das es in jeder Schule geben sollte. Zum Krisenteam gehören neben der Schulleitung oder ihrer Stellvertretung die Beratungslehrkraft, der Pressesprecher1, der oder die Beauftragte für medizinische Hilfe und eine Elternkontaktperson.
Überbringen der Nachricht an die Schülerschaft
Die vordringliche Aufgabe des Krisenteams besteht darin, zu überlegen, welche Informationen vorliegen und welche an die Schülerschaft weitergegeben werden können und auch müssen. Verschweigen des Geschehens und Übergehen zur Tagesordnung wären unangemessen.
Jeder Suizid, so traurig er auch ist, birgt die Chance, mit den Schülerinnen und Schülern über das Thema ins Gespräch zu kommen, Mythen und Vorurteile zu erörtern, auf Warnsignale einer bestehenden Suizidalität hinzuweisen und auf bestehende Hilfsmöglichkeiten aufmerksam zu machen (Bründel 2015). Ferner muss festgestellt werden, welche Klasse und welche Schülerinnen und Schüler (Geschwister, enge Freunde) außerdem noch direkt von Peters Suizid betroffen sein könnten (vgl. Abb. 1 ).
Weiterhin muss geklärt werden, welche Lehrerinnen und Lehrer in der Lage sind und es sich auch zutrauen, in den Klassen das Thema „Suizid anzusprechen (vgl. Abb. 2 ).
In der Verantwortung des Krisenteams
  • Die Schulleitung entscheidet, den Fachunterricht am ersten oder auch noch am zweiten Tag ausfallen zu lassen.
  • Die Schulleitung ermutigt die Lehrerinnen und Lehrer, auf Fragen der Schülerinnen und Schüler einzugehen und mit ihnen gemeinsam zu trauern. Sie lässt ihnen pädagogisch freien Raum, die Trauerarbeit sensibel und einfühlsam nach den Wünschen der Kinder und Jugendliche zu gestalten.
  • Das Krisenteam verweist auf die vielen nützlichen Handlungsleitfäden für den Umgang mit Trauer und Tod in der Schule sowie auch auf die Krisen- und Notfallordner der einzelnen Bundesländer (Krisenkompass 2010). Atmosphärisch wichtig für den Umgang mit trauernden Schülerinnen und Schülern ist, Hilfsmittel und Materialien, wie Papier, Malstifte, Texte, Musik, Teelichter, Taschentücher etc., bereitzustellen und eine andere Sitzordnung in den Klassen, z.B. in Kreisform, vorzunehmen.
  • Das Krisenteam macht die Lehrkräfte darauf aufmerksam, dass es in den Klassen eventuell psychisch labile Jugendliche geben könnte, die eine Verbindung zwischen...

Friedrich+ Schulleitung

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Schulleitung!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Schule leiten oder Lernende Schule
  • Umfassendes Archiv mit über 550 Beiträgen für die Leitung und Weiterentwicklung Ihrer Schule, mit Checklisten, Bildmaterial, Methodenkarten, u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge, darunter umfassende Materialien für die schulinterne Fortbildung

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Schulleitung

Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 18 / 2019

Krisenmanagement – Kühler Kopf im Kollektiv

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13