Martina Weyrauch

Zwischen Individualität und Konsequenz

Martina Weyrauch

Wie eine Schule mit störenden Schülerinnen und Schülern umgehen kann

Als Thüringer Regelschule sind wir eine Schule für alle, in der die Heranwachsenden den Hauptschulabschluss, den Qualifizierenden Hauptschulabschluss oder den Realschulabschluss erreichen können. Bei uns lernen auch Kinder bzw. Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen, mit sonderpädagogischen Gutachten oder pädagogischen Förderplänen.
Störungen fordern uns heraus und zwingen uns, intensiv über pädagogische Interventionen nachzudenken, abzuwägen, was förderlich für das Lernen des Einzelnen und der Gemeinschaft ist.
Bevor wir zum äußersten Mittel, nämlich der Suspendierung vom Unterricht, greifen, schauen wir, was schulintern möglich ist.
Krisenfall Unterrichtsstörung
Kommt es dazu, dass ein Schüler oder eine Schülerin den Unterricht extrem stört und andere Mitglieder der Lerngruppe in ihrem Lernprozess behindert werden, dann suchen wir zeitweise nach einer anderen Lernumgebung. Hilfreich wären natürlich die 1:1-Betreuung oder ein Trainingsraum. In unserer Partnerschule, einer großen Sekundarschule in Brielle/Niederlande, gibt es ein Schüler-Office, das von einer Sozialarbeiterin betreut wird. Hier wird mit den Kindern das Fehlverhalten besprochen, sie erhalten Arbeitsaufträge, die sie in der Zeit bis zur nächsten Unterrichtsstunde zu bearbeiten haben. Parallel erfolgt die Elterninformation zum Vorfall. Diese sächlichen und personellen Möglichkeiten haben wir nicht. Unser Weg ist deshalb ein anderer.
Auf Zeit in andere Lerngruppen ausweichen
Wir integrieren den/die jeweilige/n Lernende/n in eine andere Lerngruppe, in der individuelle Aufgaben entsprechend der Klassenstufe zu erledigen sind. Die Fachlehrer dieser Gastegeber-Klasse geben Unterstützung und sorgen für eine angemessene Beaufsichtigung.
Erfolgt das Lernen in der fremden Gruppe über einen längeren Zeitraum, dann bereiten wir die Wiedereingliederung in den eigenen Klassenverband mit allen Beteiligten vor.
Dieser Prozess, der auch für Kinder gilt, die vom Förderzentrum zu uns wechseln oder aufgrund ihres Verhaltens einen Schulwechsel zu uns anstreben, besteht ausdrei Schritten:
Anamnesegespräche1;
Lernvertrag;
Festlegen möglicher Interventionen (für die Hand der Pädagogen).
Das Anamnesegespräch wird mit den Sorgeberechtigten, dem Kind/dem Jugendlichen sowie dem Beraterteam geführt, das sich aus Klassenlehrkraft als Bezugsperson, der Förderschulpädagogin, der Schulsozialarbeiterin und ggf. dem Schulleiter/der Schulleiterin zusammensetzt.
Die erste Gesprächsrunde erfolgt parallel in zwei Gruppen, nämlich mit den Eltern und mit dem/r betroffenen Schüler/Schülerin getrennt. Dabei werden den Erziehungsberechtigten folgende Fragen gestellt:
  • Was erwarten Sie von Ihrem Sohn bzw. Ihrer Tochter, was von der Schule?
  • Wie werden Sie die pädagogische Arbeit der Schule unterstützen? (Hausaufgaben, Lernen, regelmäßiger Schulbesuch )
  • Sind Sie offen für die Zusammenarbeit mit den Pädagogen und der Schulsozialarbeiterin?
  • Warum denken Sie, dass Ihr Sohn/Ihre Tochter hier weiterhin gut aufgehoben ist?
  • Wie gewährleisten Sie eine ständige Erreichbarkeit während der Schulzeit?
  • Wer unterstützt Sie, wenn die Belastung größer wird als gedacht?
Der Schüler oder die Schülerin beantwortet in dieser ersten Gesprächsrunde folgende Fragen:
  • Was erwartest du von der Schule, von deiner Klasse?
  • Welche Ziele hast du?
  • Wie wirst du die schulischen Anforderungen meistern? (Hausaufgaben, Lernen, regelmäßiger Schulbesuch )
  • Welche Haltung hast du Lehrern und der Sozialarbeiterin gegenüber? Welche Bedeutung haben sie für dich?
  • Wodurch erkennen wir, dass du den Neustart in deiner Klasse an unserer Schule möchtest und auch schaffst?
  • Welche Regeln wirst du ohne Probleme täglich einhalten?
  • Warum hast du die Chancen vor dieser Maßnahme oft nicht genutzt bzw. nicht gezeigt, dass du in deiner Klasse lernen kannst?
  • Wie können wir dich in deinem Vorhaben unterstützen?
  • Wer unterstützt...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 18 / 2019

Krisenmanagement – Kühler Kopf im Kollektiv

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13