Helmut Lungershausen

Wenn plötzlich der Schulleiter durchhängt

Helmut Lungershausen

Was tun in persönlichen Krisen?

Alle, die bereits länger eine Führungsposition einnehmen, kennen Krisensituationen, die sich auf der persönlichen Ebene abspielen: Burn-out, depressive Phasen oder das Gefühl, nicht mehr mit eigener Kraft aus dem Stress oder dem Strudel des Alltags herauszukommen. So gern man den Beruf Schulleitung auch macht, in diesen Phasen möchte man am liebsten alles hinschmeißen oder loswerden. Wie geht man damit um und managt seine eigene Krise?
Patentrezepte zum Umgang mit persönlichen Krisen gibt es nicht dazu sind wir zu verschieden, und das, was uns ärgert, ängstigt, wütend, niedergeschlagen und krank macht, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Ich kann nur von dem Weg berichten, den ich gegangen bin. Im Rückblick waren es fünf Aspekte, die mir bei meinem persönlichen Krisenmanagement geholfen haben. Vermutlich kann der eine oder andere Punkt auch Hilfestellung für andere bedeuten.
Der Krisen-Auslöser
Oft wird ein „Auslöser gesucht oder genannt, wenn jemand in eine Krise geschliddert ist. Es ist jedoch selten ein punktueller Anlass, sondern eher ein Prozess, der die persönliche Krise auslöst. Bei mir kamen zwei Entwicklungen zusammen. Schon länger hatte mich das unbefriedigende Verhältnis zur Personalvertretung an der Schule gestört. Immer wieder spürte ich „Querschüsse und ich konnte keinen Draht zum Vorsitzenden herstellen. Häufig hatte ich das Gefühl, dass es ihm Spaß machte, mich auszubremsen oder vorzuführen. Zudem wurde die Schullandschaft durch den Schulträger neu geordnet. Wir Schulleitungen mussten uns nun um Gebäude, Schulformen, Schülerströme und Einzugsbereiche kümmern. Dabei wurde der eigene Vorteil gesucht, getrickst und mit verschiedenen Mittel versucht, das Beste für die eigene Schule herauszuholen. Das führte zu Stress und Störungen im Verhältnis zu einigen Kollegen von anderen Schulen.
Die Krisen-Zeichen
Je nach Typ und persönlicher Konstitution gibt es drei „Einfallstore, welche die Belastung benutzt, die Gesundheit angreift und die Krise anzeigt:
  • Magen- und Darmtrakt,
  • Rücken, insbesondere das Kreuz;
  • Herz und Kreislauf.
Bei mir war es das dritte. Das wurde mir schlagartig bewusst, als mir bei meiner regelmäßigen Joggingrunde von sechs Kilometer bereits nach einem Sechstel die Puste ausging. Bis dahin diente mir das Laufen als Ventil und Ausgleich, ich fühlte mich danach besser. Jetzt aber machte ich schlapp, fühlte mich ausgepowert und machte mir Sorgen um meine Gesundheit. Deshalb ließ ich mich vom Internisten gründlich checken, aber dessen Befund war eindeutig: keine organischen Ursachen. Vorsichtig fragte er nach Belastungs- oder Stressfaktoren. Durch die Frage nach der Belastung musste ich mich mit meiner Selbsteinschätzung auseinandersetzen. Gern nahm ich mich bisher als dynamisch, belastbar und erfolgreich wahr, aber offensichtlich befand ich mich an einem Punkt, an dem diese Einschätzung nicht zutreffend war.
Fünf Aspekte der Reflexion, die halfen:
1. Eigene Schwäche akzeptieren
Ich musste mir eingestehen, dass die beruflichen Probleme einen Grad und einen Umfang erreicht hatten, denen ich erkennbar nicht gewachsen war. Diese Einsicht fiel mir nicht leicht, weil ich mein Selbstbild korrigieren musste, aber die körperlichen Symptome sprachen eine deutliche Sprache. Und natürlich wurde mir auch klar, dass es ohne diese Korrektur nur noch schlimmer werden würde.
2. Kur machen
Bei einem Termin hatte mir der Internisten den Vorschlag einer Kur gemacht. Zuerst kam mir die Idee einer dreiwöchigen Abwesenheit von der Schule als Flucht- oder Ausweichverhalten vor. Aber relativ schnell konnte ich mich mit dem Gedanken einer „Auszeit anfreunden. Auch beim Handball wird ja solch eine Unterbrechung genutzt, um eine Phase der Unsicherheit oder Schwäche zu überbrücken oder zu korrigieren. Ich habe mir eine Kurklinik ausgesucht, die das Prinzip „Heilung durch Bewegung pflegte und Gesprächsangebote mit dem...

Friedrich+ Schulleitung

Sie sind bereits Abonnent?

Jetzt anmelden und sofort lesen

Jetzt weiterlesen mit Friedrich+ Schulleitung!

  • Digitaler Vollzugriff auf die Inhalte der Zeitschriften Schule leiten oder Lernende Schule
  • Umfassendes Archiv mit über 550 Beiträgen für die Leitung und Weiterentwicklung Ihrer Schule, mit Checklisten, Bildmaterial, Methodenkarten, u. v. m.
  • Jährlich über 100 neue Beiträge, darunter umfassende Materialien für die schulinterne Fortbildung

30 Tage kostenlos testen

Mehr Informationen zu Friedrich+ Schulleitung

Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 18 / 2019

Krisenmanagement – Kühler Kopf im Kollektiv

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13