Martina Weyrauch

Was tun bei Cybermobbing und Sexting unter Schülerinnen

Martina Weyrauch

Gespräch mit einer Schulpsychologin

Ein 14-jähriger Junge versendet selbstproduzierte und freizügige Fotos bzw. Videos an mehrere gleichaltrige Mädchen seiner Klasse. Die Mädchen werden aufgefordert, ihrerseits Fotos an ihn zu schicken bzw. auf Kettenbriefe, die er weitergeleitet hat, zu reagieren. Einem Mädchen gegenüber ist der Junge besonders aufdringlich. Er belästigt sie nachts und am Wochenende mit anzüglichen Bemerkungen via WhatsApp. Das Mädchen schickt zunächst Fotos von sich, reagiert dann aber nicht mehr. Schließlich wenden sich zwei Mädchen an die Klassenlehrerin, die die Schulleiterin informiert. Solche Fälle von Sexting (s. Kasten) passieren gegenwärtig extrem häufig. Die Schule ist zwar nicht Ort des Geschehens, spürt aber einerseits Auswirkungen, die das Lernen, das soziale Miteinander sowie die Persönlichkeit der Opfer als auch des Täters stark belasten. Andererseits erwarten die besorgten Eltern eine Reaktion der Schule, nämlich dass dem Täter Grenzen gesetzt werden, und die Opfer wollen Hilfe. Die Schulleitung muss also handeln.
Was ist Sexting?
Was ist Sexting?
Sexting, als eine Form der privaten Kommunikation bezüglich sexueller Themen über mobile Medien, scheint auf ein steigendes Interesse bei Teenagern und jungen Erwachsenen zu stoßen. Sexting, ausgehend von Minderjährigen bzw. Minderjährige betreffend, kann ein Verstoß gegen die § 184b oder § 184c des StGB darstellen. Tritt ein solcher Fall in einer Schule auf, ergibt sich ein dringender Handlungsbedarf entsprechend der jeweiligen Sachlage.
Schule leiten: In welcher Reihenfolge muss was erfolgen und warum? Was kann und muss Schule leisten?
Cornelia Prauser-Wloch: Grundsätzlich sind im Freistaat Thüringen der Kinderschutz als schulische Aufgabe sowie die Kooperation von Jugendhilfe und Schule im Thüringer Schulgesetz (§ 55a ThürSchulG) verankert. Ausgehend vom beschrieben Fall, ist die Aufgabe der Schulleitung zunächst, alle vorhandenen Informationen zu erfassen und zu dokumentieren, insbesondere im Hinblick auf zukünftig mögliche Ordnungsmaßnahmen oder Strafanzeigen. Dazu gehören sowohl mündlich erhaltene Informationen als auch Sachstände, die auf Handys oder ähnlichen Medien sichergestellt werden können, ggf. Aussagen von Schülerinnen und Schülern sowie von Lehrkräften. Eine Verbreitung der Daten sollte schnellstmöglich unterbunden werden durch eine klare Positionierung der Schule, dass die Weiterleitung der Bilder zu unterlassen ist. Parallel dazu kann das schulinterne Krisenteam einberufen werden, um gemeinsam weitere Schritte zu beraten.
Wie kann denn die Schule intervenieren?
Nachdem die eingegangen Informationen erfasst, dokumentiert und geprüft worden sind, ist es sinnvoll, eine Übersicht zu erstellen, aus der deutlich hervorgeht, welche Personen(-gruppen) von der beschriebenen Situation betroffen sind. Hierfür empfiehlt es sich, die Methode der „Kreise der Betroffenen nach Storath und Engelbrecht (2005) anzuwenden. Sie dient der Ermittlung von Betroffenen und der Zuordnung von Helfern und Helferinnen. Der Grad der Betroffenheit von Personen wird beeinflusst durch die physische, psychische und soziale Nähe sowie durch persönliche Risikofaktoren wie z.B. eine eigene, akute Krise oder ein in der Vergangenheit erlebtes Trauma.
Mit dem Wissen um die „Kreise der Betroffenen und der Unterstützer kann die sensible Planung weiterer Handlungsschritte mit den bereits involvierten Personen erfolgen. Fallberatungen in kleinen Gruppen, z.B. im schulinternen Krisenteam, können dazu beitragen, dass eine gemeinsame Strategie zum weiteren Vorgehen entwickelt wird. Weitere Maßnahmen können so in enger Abstimmung geplant werden.
In Ihrem Fallbeispiel stehen die Schülerinnen, welche aufgefordert worden sind, Fotos von sich zu versenden, im Mittelpunkt, insbesondere die Schülerin, gegenüber der der Schüler besonders aufdringlich wurde. Auch der Täter selbst steht im Zentrum. Den Opfern sollte...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 18 / 2019

Krisenmanagement – Kühler Kopf im Kollektiv

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13