Afra Kiehl-Will

Veränderte Ausbildung

Afra Kiehl-Will

Vorbereitungsdienst für Lehrkräfte für Sonderpädagogik in der inklusiven Schule

Mit Einführung der inklusiven Schule hat sich der Berufsalltag von Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen in der allgemeinen Schule stark verändert. Tatsächliches Unterrichten in einer Lerngruppe ist selten geworden, dagegen haben Diagnostik, Einzelförderung, Förderplanung und Beratung stark zugenommen.
Ausbildungsbedingungen
Für dieses Praxisfeld werden nun auch angehende Förderschullehrkräfte im Vorbereitungsdienst ausgebildet. Grundlage ihrer Ausbildung ist allerdings eine für alle Lehrämter identische Ausbildungsverordnung, welche die Prüfung ausschließlich auf Unterricht ausrichtet.1 Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst der Sonderpädagogik erteilen wie alle übrigen Lehrkräfte zwei Prüfungsstunden, die sie selbstständig planen, durchführen und auswerten. Die oben erwähnten Hauptarbeitsfelder der Sonderpädagogik (Beratung, Diagnostik ) fließen nur mittelbar in die Leistungen ein, können aber nicht zu Prüfungselementen werden.
Während früher die Förderschullehreranwärterinnen und -anwärter ihren Ausbildungsunterricht nahezu komplett an Förderschulen erteilten, ist mit Einführung der inklusiven Schule für viele die allgemeine Schule alleinige oder teilweise Ausbildungsschule geworden. In vielen Bundesländern, so auch in Niedersachsen, laufen Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen langsam aus, was diesen Trend noch verstärkt.
Während in den Förderschulen zuvor in kleinen Klassen mit intensiver Diagnostik- und Förderplanarbeit fast zwangsläufig eine individualisierte Sichtweise auf die Lernausgangslagen der einzelnen Schülerinnen und Schüler gefordert war, gilt es nun in viel größeren und heterogeneren Lerngruppen, gerade diese sonderpädagogische Expertise in ein gemeinsames Unterrichten einzubringen und mit den Unterrichtsstrukturen der allgemeinen Schule zu verknüpfen. Damit erhöht sich der Anspruch an die Unterrichtsqualität allerdings erheblich. Das können angehende Lehrkräfte der Sonderpädagogik nicht allein leisten, sondern nur in Kooperation mit den allgemeinen Lehrkräften. Co-Teaching ist daher eine Notwendigkeit und Grundbedingung ihres Ausbildungsunterrichts (vgl. Tabelle).
Kooperation der Lehrkräfte
Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst der Sonderpädagogik unterrichten im Team mit Lehrkräften der Regelschule. Dabei sind unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit möglich und je nach Inhalt und Lerngruppe möglichst lernwirksam einzusetzen:
  • Lehrkraft und Beobachter: Während eine Lehrkraft beobachtet, übernimmt die andere die primäre Unterrichtsverantwortung.
  • Lehrkraft & Assistent: Eine Lehrkraft übernimmt die primäre Unterrichtsverantwortung, während die andere einzelne Schülerinnen und Schüler unterrichtet.
  • Parallel-Unterricht: Jede Lehrkraft unterrichtet eine Klassenhälfte mit den gleichen Inhalten.
  • Stationenlernen: Jede Lehrkraft ist nach vorheriger Aufteilung für eine Lernstation zuständig, die von den Schülerinnen und Schülern in Gruppen nacheinander durchlaufen werden.
  • Alternativer Unterricht: Eine Lehrkraft arbeitet mit den Lernenden auf einem höheren, die anderen auf einem niedrigeren Niveau.
  • Team-Teaching: Beide Lehrkräfte führen gemeinsam den Unterricht durch. Dabei haben sie gemeinsam oder abwechselnd die Leitung.
Lehramtsanwärterinnen und -anwärter der Sonderpädagogik sind auf diese sehr enge Kooperation mit den allgemeinen Lehrkräften angewiesen. Denn der Unterricht in heterogenen Lerngruppen verlangt Planung und Durchführung auf verschiedenen Niveaustufen, aber so häufig wie möglich an einem gemeinsamen Gegenstand. Der Ausbildungsschwerpunkt liegt im Bereich sonderpädagogischer Diagnostik und Förderung, die sie in den gemeinsamen Unterricht einbringen. Didaktisch-methodische Varianten, die allen Schülerinnen und Schülern einer Lerngruppe die Teilhabe am Unterricht ermöglichen, müssen entwickelt werden und das verlangt ein großes Maß an Kooperation und die Bereitschaft...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 16 / 2019

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