Viktoria Munk-Oppenhäuser, Ines Ewald

Schulisches Krisenmanagement

Viktoria Munk-Oppenhäuser, Ines Ewald

Wie sich Schulen für den Notfall wappnen

Eine hilfreiche Haltung zu Krisen und Notfällen
Selbst mit der intensivsten Prävention oder allein mit gutem Schulklima kann man nicht jede Notfallsituation an Schulen vermeiden. Das Schlimmste, das man als Schulleitung in derartigen Fällen tun kann, ist, nichts zu tun. Alle Maßnahmen, die der Information der Betroffenen, der Stabilisation der Situation, der Normalisierung von Belastungsreaktionen und der Mobilisation von Bewältigungsressourcen dienen, sind gut und wichtig nach dem Motto: Jeder Mensch hat schon eigene Krisensituationen bewältigt und er wird es wieder schaffen. Gut gemeisterte Krisen steigern die Resilienz von Kindern und Jugendlichen und können ein Anlass für Entwicklung sein.
Krisenmanagement am Beispiel Thüringens
Nach dem Mordanschlag am Staatlichen Gymnasium „Johann Gutenberg in Erfurt am 26. April 2002 wurde den staatlichen Schulen in Thüringen Ende 2002 ein Notfallordner zum Umgang mit Krisen und Notfällen ausgehändigt. Mit der letzten Überarbeitung der Unterlagen im August 2014 gab es neben dem Hauptbestandteil (Krisenmanagement, Notfallpläne, Ratgeber) erstmals auch für alle Pädagogen eine Broschüre „Sofortmaßnahmen im Krisenfall Handreichung für Lehrerinnen und Lehrer und allgemein die Leitlinien Erste Hilfe. Der erste Teil ist vorrangig für Schulleitungen und schulinterne Krisenteams vorgesehen, die Handreichung wird allen Pädagogen, Lehramtsanwärtern und Erziehern ausgehändigt. Die Leitlinien Erste Hilfe können als Aushang in den Räumen genutzt werden.
Die genannten Unterlagen und die Meldeformulare für sogenannte „besondere Vorkommnisse werden elektronisch im Thüringer Schulportal in einem geschützten Bereich vorgehalten. Alle staatlichen Schulen und die Schulen in freier Trägerschaft, die dort angemeldet sind, können die Unterlagen somit jederzeit abrufen.
Die staatlichen Schulen sind zudem verpflichtet, zweimal jährlich die Klassenlisten und das Organigramm des Krisenteams inklusive Erreichbarkeit der Sorgeberechtigten und der Mitglieder des schulinternen Krisenteams einzustellen. Für ausgewählte Zugriffsberechtigte der Schulleitung, der Staatlichen Schulämter, des Bildungsministeriums und (seit 2018) für die Landeseinsatzzentrale der Polizei besteht somit in einer Gefährdungslage auch wenn das Sekretariat der Schule nicht erreichbar oder nutzbar ist die Möglichkeit, die Kontaktdaten der Schulgemeinschaft abzurufen und Informationsketten zu bilden.
Schulische Krisen und Notfälle werden im Krisenmanagement der oben genannten Unterlagen definiert als „in der Regel extreme, nicht vorhersehbare, plötzlich eintretende, stark belastende Ereignisse, die den normalen Schulalltag gravierend stören. Durch sie können Einzelpersonen (Schüler, Lehrer, technisches Personal), Personengruppen (Klassen, Kollegium) oder die gesamte Schulgemeinschaft im Schulbetrieb gefährdet oder beeinträchtigt werden.
Der schulinterne Umgang mit diesen Ereignissen wird zeitlich in drei Phasen eingeteilt: die akute Fürsorge, die Nachsorge sowie die Vorsorgephase. Für jede dieser drei Phasen haben Schulleitungen sehr wichtige Steuerungsfunktionen. Schulpsychologen können zudem in jeder Phase als kompetente Coaches und Berater der Schulleitung zur Verfügung stehen und eine Stabilisierung der Schulgemeinschaft unterstützen.
Nach einem Notfall: Lageanalyse und Sofortmaßnahmen
Für schulische Notfälle sind zahlreiche Handlungsraster entwickelt worden, z.B. von Schulpsychologen, Ministerien, Landeskriminalämtern und Unfallkassen. Allen gemein ist, dass der erste wichtige Schritt in der Schule neben der Eigensicherung der handelnden Personen die Lagefeststellung ist und wenn nötig die sofortige Alarmierung der professionellen Helfer (Notruf) und bei drohender Gefahr die Alarmierung der gesamten Schulgemeinschaft (z.B. Evakuierung im Brandfall oder Verbleib im Gebäude, beispielsweise bei...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 18 / 2019

Krisenmanagement – Kühler Kopf im Kollektiv

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13