Sexuelle Gewalt erkennen und bekämpfen

Wie Schulen zu Schutzorten werden können

Sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche ist ein gravierendes Problem. Die deutschlandweite Initiative „Schule gegen sexuelle Gewalt“ will mit Aufklärungsarbeit und Informationen dafür sorgen, an Schulen sexuelle Übergriffe zu verhindern und sie sogar zu Schutzorten für diejenigen Schülerinnen und Schüler zu machen, die mit Missbrauch konfrontiert werden. Das Gesicht der Initiative ist Johannes Wilhelm Rörig, der Bundesbeauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, der es begrüßt, dass die Bundesländer die Initiative unterstützen.

Junge hockt im Schulflur
Sexuelle Gewalt in der Schule. Foto: © Roman Bodnarchuk/stock.adobe.com

Laut Rörig bietet die Initiative konkrete Anregungen für den Anfang sowie für die Weiterentwicklung schulischer Schutzkonzepte. Sie gibt fachliche Unterstützung, um wichtige Schritte auf dem Weg der schulischen Prävention und Intervention zu gehen. Als Teil eines solchen Schutzkonzeptes sollte eine Schule einen Verhaltenskodex ausarbeiten: Ist es okay, wenn Lehrer Schüler nach einem Sportturnier umarmen? Dürfen Lehrer Schülerinnen zu sich nach Hause einladen? Wie steht es mit Fotografieren in Umkleideräumen? Über solche Fragen lohnt es nachzudenken und einen Umgang festzulegen. Die Initiative empfiehlt, diesen Kodex ins Leitbild der Schule aufzunehmen. Was sich negativ anhören mag, zeigt, dass die Schule ihren Erziehungsauftrag ernstnimmt, wenn jedes Kind sich zu wehren lernt und auch weiß, wie es in der Schule Unterstützung bekommen kann, wenn sich ihm jemand zu nahe kommt.

Johannes Wilhelm Rörig selbst ist dem Familienministerium in Berlin angegliedert, arbeitet aber unabhängig. Er möchte erreichen, dass jede der 30.000 Schulen in Deutschland in der Lage ist, sexuellem Missbrauch entgegenzutreten. Dazu ist es nötig, dass Lehrkräfte und Eltern Anzeichen für Missbrauch erkennen. Zieht sich ein Kind oder Jugendlicher stark zurück oder ist plötzlich außerordentlich aggressiv, kann das ein solches Anzeichen sein. Diese Lernenden dann anzusprechen erfordert besonderes Feingefühl.

Zeitschrift
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Und wie steht es mit der Schule: Gibt es hier Räumlichkeiten und Strukturen, die Tätlichkeiten begünstigen? Wie leicht oder schwer ist es für ein Kind, an der eigenen Schule Hilfe zu bekommen? Auch unter Jugendlichen kommt es zu sexueller Gewalt, hierauf wird häufig zu wenig geachtet. Wie kann hier mehr Sicherheit aufgebaut werden?

Dass sexuelle Gewalt auch medial geschehen bzw. über Kontakte im Internet angebahnt werden kann, sollte eine Schule ebenfalls im Blick haben. Wenn Schülerinnen und Schüler geschützt aufwachsen sollen, ist es wichtig, ihre Medienkompetenz zu stärken.

Anleitung im Netz

Auf der Homepage der Initiative können sich Schulleitungen und Lehrkräfte Anleitungen holen, wie sie ein Schutzkonzept für ihre Schule aufbauen können und welche Kooperationspartner und andere Hilfsstellen dafür wichtig sind. Neben Informationen gibt es zahlreiche Downloads, z.B. Plakate und Informationsblätter für Schülerinnen und Schüler, Vorlagen für Einladungen zu Elternabenden oder Formulierungshilfen für Schulleitbilder. Hilfreich ist zudem die Verlinkung auf Portale der einzelnen Bundesländer, die alle eigene Handreichungen sowie Fortbildungen in Sachen Prävention und Hilfe bei sexueller Gewalt bieten.

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