Benno Hafeneger

Schläge im Unterricht

Benno Hafeneger

Umgang mit gewalttätigen, übergriffigen Lehrkräften

In der Pädagogik und der Schule haben vielfältige Formen von Gewalt eine lange erzieherisch-strafende Tradition. Sie waren insbesondere als physische (züchtigende), psychische und verbale Gewalt über einen langen Zeitraum und bis weit ins 20. Jahrhundert gängige Sanktionsmittel in einem autoritären und nicht nur pädagogischen Generationsverhältnis. Verbunden mit einem negativen Kinder- und Jugendbild war es weitergehend Konsens, dass neben den Eltern und Lehrherrn auch den Lehrkräften in der Schule ein Züchtigungsrecht zustehe und „Erziehung durch Strafe zu erfolgen habe. Dies war mit der irrigen Annahme verbunden, dass damit die gewünschten Wirkungen und Effekte, nämlich Anpassung, Unterordnung und Disziplin, erreicht würden (vgl. Hafeneger 2011, 2013).
Gewalt ist heute und nach einem langen Prozess seit den 1970er-Jahren in jeder Form ein politisch, gesellschaftlich und pädagogisch geächtetes Erziehungsverhalten, das auch strafrechtlich sanktioniert wird. Es ist gesellschaftlich und pädagogisch Konsens, dass Gewalt kein Erziehungsmittel ist und deutlich von anderen legitimierten Strafen und Sanktionen unterschieden werden muss (Richter 2008, 2019). Dennoch sind Schulen nicht frei von Gewalt und Übergriffen und empirische Befunde zeigen nach wie vor, dass aus unterschiedlichen Motiven auch in Schulen gewalttätige Vorfälle und Übergriffe von Lehrkräften ausgehen.
Dabei ist zu vergegenwärtigen, dass es in Schulen mit ihren systemimmanenten strukturellen Hierarchien, Abhängigkeiten und Paradoxien vielfältige Formen von Gewalt gibt. Sie können von Schülern und Schülerinnen ausgehen und sich vor allem gegen andere Schülerinnen und Schüler, gegen Sachen und vereinzelt auch (meist in verbaler Form) gegen Lehrkräfte richten oder als Mobbing (vor allem im Internet) auftreten. Die Formen von Gewalt und Übergriffen, die von Lehrkräften ausgehen und sich so die empirischen Befunde auf einem niedrigen Niveau bewegen, zeigen sich vereinzelt als sexualisierte und physische Gewalt, stärker aber als verbale und psychische sowie beschämende Gewalt. Wenn sie auftreten und öffentlich werden, dann ist die Schulleitung herausgefordert, weil in pädagogischen Verhältnissen und Beziehungen keine Form von Gewalt zu dulden, legitimieren und zu ermöglichen ist.
Vier Perspektiven des Umgangs
Der Umgang mit gewaltförmigen und übergriffigen Verhaltensweisen von Lehrkräften lässt sich grob mit vier Perspektiven Repression, Belehrung, Schulkultur, Prävention markieren, die anzeigen, in welchem Feld sich Schulleitungen bewegen und verhalten müssen, und mit welchen Herausforderungen sie konfrontiert sind.
Repression
Bei allen Formen sexualisierter und physischer sowie auch offen und systematisch beschämender Gewalt (Erniedrigung, Demütigung, Abwertung, Beschimpfung u.a.) geht es um Machtmissbrauch und Grenzüberschreitungen. Hier müssen die Schulleitung und die Schulverwaltung unmittelbar die Strafverfolgungsbehörden einschalten und Anzeige erstatten. Bei nachgewiesenen und eindeutigen Vorfällen bestimmt „Nulltoleranz ein unmissverständliches und repressives dienst- und strafrechtliches Vorgehen gegen Täter und Täterinnen sowie Mitwissende. Auch bei (zunächst) unbewiesenen Hinweisen und Beschuldigungen bedarf es zum Schutz der Kinder und bis zur rechtlichen Aufklärung eines abgestimmten Vorgehens mit den Behörden, so z.B. im Rahmen einer Dienstbefreiung. Nichtthematisierung, Beschweigen, Wegsehen, Kleinreden, Vertuschen, Lavieren und Bagatellisieren möglicherweise verbunden mit einem falschen Verständnis von Kollegialität von gewalttätigen und übergriffigen Verhalten verbietet sich und macht damit zum Mitwisser. Es gilt, so lautet auch die Gesetzgebung im Rahmen des Kinderschutzes, die Würde, die Unversehrtheit und den Schutz der Schülerinnen und Schüler, die im Mittelpunkt stehen, zu wahren und das Vorgehen an die Schulleitung...

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 18 / 2019

Krisenmanagement – Kühler Kopf im Kollektiv

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13