Viktoria Munk-Oppenhäuser

Notfälle im schulischen Bereich

Viktoria Munk-Oppenhäuser

Erkennen der Lage als erster Schritt zur Bewältigung

Notfallereignisse, auf die sich schulisches Krisenmanagement in Deutschland vorrangig bezieht, sind vor allem
  • technisch,
  • medizinisch und
  • zwischenmenschlich verursachte Notfälle.
Technisch verursachte Notfälle sind hier beispielsweise Brände oder Unfälle im Chemieunterricht. Im Bereich medizinischer Notfälle treten vor allem Wege- und Sportunfälle sowie ansteckende und lebensgefährliche Erkrankungen auf.
Wenn Zwischenmenschliches zum Notfall gerät
Den Schwerpunkt der schulischen Notfallmanagementbemühungen bilden erfahrungsgemäß jedoch zwischenmenschliche Probleme („man-made), vor allem angedrohte, versuchte und vollendete Suizide, Todesfälle, massive Gewaltandrohungen und -handlungen, Erpressungen u.a. Seit der Aufdeckung der skandalösen Ereignisse an verschiedenen deutschen Schulen, vorrangig in privater Trägerschaft, ist auch sexuelle Gewalt als Thema mit Schule verknüpft.
Eine spezielle Gruppe zwischenmenschlich verursachter Notfälle stellen Amokandrohungen bzw. zielgerichtete Gewalttaten an Schulen dar. Sie verbinden das alltägliche schulpsychologische Schwerpunktthema Gewalt mit dem notfallpsychologischen Feld, wenn Gewaltprävention nicht die gewünschten Erfolge bringt und Konflikte eskalieren.
Krisen, die auf die Schule ausstrahlen
Doch auch Notfälle außerhalb des schulischen Bereichs können durchaus eine starke Betroffenheit einer gesamten Schule auslösen, wie z.B. die Brandkatastrophe in einer Göteborger Diskothek 1998, bei der 63 Schülerinnen und Schüler starben, oder der öffentliche Suizid eines Elternteils oder der unerwartete Tod eines beliebten Pädagogen. Eine Übersicht der an Schulen vorrangig möglichen Krisen- und Notfallereignisse zeigt die Tabelle , die in vielen Fortbildungen mit Schulleitungen und Beratungslehrkräften in Weiterentwicklung einer Vorlage von Gasch und Lasogga (2004) heraus entstanden ist.
Belastende Ereignisse
In der Thüringer Anleitung „Zum Umgang mit Krisen und Notfällen an Schulen (herausgegeben vom Thüringer Bildungsministerium) werden solche schulischen Krisen und Notfälle definiert als „in der Regel extreme, nicht vorhersehbare, plötzlich eintretende, belastende Ereignisse, die den normalen Schulalltag gravierend stören. Durch sie können Einzelpersonen (Schüler, Lehrer, technisches Personal), Personengruppen (Klassen, Kollegium) oder die gesamte Schulgemeinschaft im Schulbetrieb gefährdet oder beeinträchtigt werden …“
Das Erkennen eines Ereignisses als Notfall und die Übernahme von Verantwortung sind Grundvoraussetzungen für das tatsächliche und vor allem adäquate Reagieren in Notfallsituationen.
Dr. Viktoria Munk-Oppenhäuser ist Referatsleiterin „Schulentwicklung, Lehrerbildung und Schulpsychologischer Dienst im Staatlichen Schulamt Ostthüringen, Gera.

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Fakten zum Artikel
aus: Schule leiten Nr. 18 / 2019

Krisenmanagement – Kühler Kopf im Kollektiv

Friedrich+ Kennzeichnung Schuljahr 1-13